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Die Bardowicker Grundschul-Außenstelle in Horburg soll als erste in der Samtgemeinde den Ganztagsschulbetrieb aufnehmen. Foto: dth
Die Bardowicker Grundschul-Außenstelle in Horburg soll als erste in der Samtgemeinde den Ganztagsschulbetrieb aufnehmen. Foto: dth

Horburg Vorreiter in Bardowick

dth Bardowick/Horburg. Als erste Grundschule in der rund 17450 Einwohner starken Samtgemeinde Bardowick soll der Standort Horburg zur Ganztagsschule umgewandelt werden. Eine entsprechende Empfehlung fasste der Schulausschuss der Samtgemeinde bei seiner jüngsten Sitzung. Die Anschubfinanzierung ist zunächst auf zwei Jahre befristet. Bewährt sich das Modell, ist in den kommenden Jahren eine Ausweitung auf andere Grundschulstandorte denkbar. Voraussetzung sind allerdings teilweise aufwendige bauliche Maßnahmen, um auch die räumlichen Anforderungen eines Ganztagsschulbetriebs neben den Herausforderungen der Inklusion zu meistern.

Die Grundschule Horburg, Außenstelle der Grundschule Bardowick, wurde im vergangenen Jahr nach einem Brandvorfall saniert und bereits für einen möglichen Ganztagsschulbetrieb umgebaut. So erhielt die Schule beispielsweise eine kleine Mensa. Im Einvernehmen mit der Samtgemeinde als Träger hat die Bardowicker Grundschulleitung einen Antrag vorbereitet auf Einrichtung einer „teilgebundenen Ganztagsschule“ für die Außenstelle Horburg zum Schuljahr 2016/17 für jeweils vier Tage die Woche. Teilgebunden heißt, dass für die erste Jahrgangs-Klasse zunächst nur ein Tag wöchentlich teilnahmepflichtig ist, drei Tage des Ganztagsschul-Angebots wären offen bis jeweils 15.30 Uhr. Für die übrigen Jahrgänge sind zunächst vier Tage offen gestaltet. „In den Folgejahren wird das gebundene Angebot aufbauend um die nächste erste Klasse mit einem verbindlichen Tag erweitert bis alle Stufen erfasst sind“, heißt es in dem Antrag.

Dem Vorhaben hat nun der Bardowicker Samtgemeinde-Schulausschuss bei einer Gegenstimme beigepflichtet, das letzte Wort hat der Samtgemeinderat bei seiner Sitzung am Donnerstag, 10. Dezember. Mit der Einrichtung einer Ganztagsschule kommen auf die Samtgemeinde mehr Kosten zu. Zum einen werden rund 10000 Euro fällig für die Wiederherstellung des Büchereiraums in der Grundschule sowie bis zu 15000 Euro für die Herrichtung des Schulhofes. Hinzu kommt das Personal. Denn „mittelfristig ist geplant, dass stets ein Team in einer Klasse zusammenarbeitet, um der Idee des individuellen Lernens und der Entwicklung einer neuen Lehr- und Aufgabenkultur Rechnung zu tragen“, heißt es im Antrag.

Neben einem ehrenamtlichen Medienbeauftragten, der für ein festes Nachmittagsangebot in der Schulbücherei sorgen solle, sowie einem Mitarbeiter aus der Jugendhilfe, muss sich die Samtgemeinde um zusätzliche Personalstunden kümmern: 14 Stunden die Woche für einen qualifizierten pädagogischen Mitarbeiter im Bereich Bewegung und Hausaufgabenbetreuung. Hinzu kämen als freiwillige Leistung zirka vier Stunden pro Woche für einen Mitarbeiter für den bisherigen Pädagogischen Mittagstisch, der in seiner alten Form nur noch freitags stattfinden würde. Die Mittagsversorgung während des Ganztagsschul-Angebots würde durch einen Caterer übernommen, dessen Kosten aber durch Elternbeiträge gedeckt werden sollen.

Unterm Strich hat die Samtgemeinde „einen höheren Kostenanteil“, sagt Christin Wormstedt, Fachbereichsleiterin Familie und Bildung bei der Samtgemeinde Bardowick. „Der Finanzierungsbedarf für insgesamt 18 Stunden beläuft sich auf rund 19500 Euro im Jahr.“ Zwar schlug der Pädagogische Mittagstisch für fünf Tage bisher sogar mit 23800 Euro zu Buche, dem standen aber Zuschüsse vom Landkreis und weitere Elternbeiträge gegenüber, sodass sich der Kostenanteil der Samtgemeinde zuletzt auf 1300 Euro reduziert hatte.

Für die Anschubfinanzierung zur Einrichtung des Ganztagangebots in Horburg sollen 16000 Euro bereitgestellt werden, damit das neue Konzept ab 1. August 2016 Anwendung finden kann. Künftig soll der Hauptstandort in Bardowick nachziehen. Allerdings steht dort noch der geplante An- und Umbau aus von Unterrichts- und Verwaltungsräumen bis hin zu Errichtung einer Mensa.

Ganztagsschulen in Stadt und Kreis
Nach Auskunft der Landesschulbehörde, Regionalabteilung Lüneburg, sind alle Sekundar-I-Schulen im Landkreis Lüneburg Ganztagsschulen mit Ausnahme der Oberschule in Neuhaus. Im Grundschulbereich sind derzeit von insgesamt 34 Schulen in Stadt und Kreis sieben offene Ganztagsschulen. In der Hansestadt Lüneburg sind das die Grundschulen Im Roten Feld, Anne-Frank-Schule, Igelschule und die St.-Ursula-Schule. In den weiteren Landkreis-Kommunen gibt es bisher nur drei Grundschul­standorte mit Ganztagsschulangebot: Adendorf, Dahlenburg und Embsen. Die Genehmigungen für die Standorte Häcklingen und Hasenburger Berg sollen ab August 2016 greifen. Zudem liegt zum Schuljahr 2016/17 der neue Antrag aus der Grundschule Bardowick für die Außenstelle Horburg vor, dort ist beabsichtigt, aufsteigend ab Klasse 1 mit einer teilgebundene Organisationsform zu starten. Auch die Samtgemeinde Gellersen hat sich jüngst auf den Weg gemacht. Deren Schulausschuss empfahl einstimmig, einen Antrag in 2016 zu stellen für den Ganztagsschulbetrieb in Reppenstedt ab dem Schuljahr 2017/18. Die Art der Ganztagsschulform ist aber noch offen. Auch in Kirchgellersen wird nach der energetischen Sanierung des Schulkomplexes die Einrichtung einer Ganztagsschule angestrebt.
Offen, teil- oder voll gebunden?
Auf der Grundlage ihres Ganztagsschulkonzeptes verbindet die Ganztagsschule Erziehung, Unterricht und die außerunterrichtlichen Angebote zu einer pädagogischen und organisatorischen Einheit. Unterricht und außerunterrichtliche Angebote im Umfang von mindestens zwei Unterrichtsstunden sollen acht Zeitstunden an einem Tag nicht überschreiten, heißt es in einem Erlass des niedersächsischen Kultusministeriums, das grundsätzlich drei Ausführungsformen der Ganztagsschule unterscheidet: offen, teilgebunden oder voll gebunden. In dem Erlass heißt es:

In der offenen Ganztagsschule finden die außerunterrichtlichen Angebote grundsätzlich nach dem Unterricht statt. Die Teilnahme an den außerunterrichtlichen Angeboten ist freiwillig. Die Anmeldung verpflichtet für die Dauer eines Schulhalbjahres oder eines Schuljahres zur Teilnahme.

An der teilgebundenen Ganztagsschule sind die Schüler an mindestens zwei Tagen zum ganztägigen Schulbesuch verpflichtet. An diesen Tagen wechseln sich Unterricht und außerunterrichtliche Angebote in der Regel ab. An den übrigen Tagen finden außerunterrichtliche Angebote nach dem Unterricht statt.

An der voll gebundenen Ganztagsschule sind die Schüler an mehr als drei Wochentagen zum ganztägigen Besuch verpflichtet. Unterricht und außerunterrichtliche Angebote wechseln sich an diesen Tagen ab.