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Hohe Haftstrafen für Raubüberfälle

us Lüneburg. Mit Haftstrafen von fünf, vier sowie zwei Jahren und acht Monaten endete der Prozess vor dem Lüneburger Landgericht um die beiden Raubüberfälle auf zwei Seniorinnen in Vögelsen und bei Heiligenthal. Der Vorsitzende Richter Christoph Lüdtke folgte damit nahezu komplett den Forderungen der Staatsanwaltschaft, die ebenfalls fünf Jahre Haft für den Angeklagten Bennet S. (23) sowie vier Jahre Haft für den Angeklagten Alan Mateusz M. (22) gefordert hatte. Lediglich bei dem noch unter Jugendstrafrecht stehenden Christian K. (20) blieb das Gericht zwei Monate unter dem von der Staatsanwaltschaft geforderten Strafmaß. Richter Lüdtke ordnete zudem für jeden der drei drogenabhängigen Angeklagten die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt im Maßregelvollzug an.

„Besondere Feigheit“ attestierte Richter Lüdtke dem vorbestraften Angeklagten S., der sich sein „wehrloses Opfer“, die 74-jährige Vögelserin, planmäßig ausgesucht und sie unter „starker Drohkulisse“ mit Maske und Waffe versehen in ihrer Wohnung ausgeraubt und gefesselt habe. Dabei habe er auch keine Rücksicht auf den für sie hohen Erinnerungswert ihres Schmucks genommen, den er zur Begleichung von Drogenschulden, auch des Mitangeklagten M., bei einem Hamburger Goldhändler versetzen ließ. Die „hohe kriminelle Energie“ von S. habe sich auch beim zweiten Überfall auf die 69-jährige Seniorin gezeigt, bei dem S. wie der Mitangeklagte K. keine Rücksicht auf den gesundheitlichen Zustand und die psychische Verfassung ihres Opfers genommen hätten, das um sein Leben gefürchtet habe. „Ihr umfassendes Geständnis und Ihre vor Gericht gezeigte Reue aber sind Ihnen zugute zu halten.“

Ausführlich ging Richter Lüdtke auch auf den Angeklagten M. ein. Dessen Verteidiger hatte auf Freispruch plädiert und dessen Taten dem materiellen Gewinnstreben und „sozialen Ansehen“ von S. zuschreiben wollen. Dem folgte das Gericht aber nicht, auch nicht den Ausführungen des Angeklagten M., der bei dem Überfall auf die 69-Jährige im Fluchtauto saß und vorgab, von dem Überfall auf der Pferdekoppel erst im Nachhinein erfahren zu haben. Dem widerspreche die „heftige Diskussion“, die es im Vorfeld des Überfalls gegeben habe, hielt Lüdtke dem Angeklagten vor. Auch die Auswertung der Zeugenaussagen belegten die Annahme, „dass ein Überfall geplant war“. Und: „Wenn Sie wirklich Skrupel gehabt haben, wie Sie vorgeben, dann hätten Sie Gelegenheit gehabt, sich abzusetzen.“ Auch der hohe Schuldendruck aus dem Drogenkonsum, die angedrohten Schläge des Dealers und die kurze Zeit, die dieser ihm und S. zur Begleichung ihrer Schulden gesetzt hatte, spreche letztlich dafür, dass M. von dem Überfall gewusst habe.

Ebenfalls wegen schweren Raubes in Tateinheit mit Freiheitsberaubung und Computerbetrug muss der Angeklagte K. hinter Gitter. Er war an beiden Überfällen beteiligt. Für ihn spreche sein umfassendes Geständnis und die gezeigte Reue, entlastend wirke sich aus, dass K. „leicht beeinflussbar“ sei. Anders als S. und M. sah Richter Lüdtke davon ab, K. auch die Kosten des Verfahrens aufzuerlegen. Seine finanziellen Möglichkeiten sollte er stattdessen zur „Schadenswiedergutmachung“ einsetzen.

Während S. noch in der Verhandlung ankündigte, keine Rechtsmittel einzulegen, äußerte sich der Anwalt von K., Dr. Norbert Lösing, ähnlich gegenüber der LZ. Zwar halte er das Strafmaß für seinen Mandanten selbst für zu hoch, erklärte aber, das „Verhandlungsziel letztlich erreicht“ zu haben. Eike Waechter, Anwalt von M., zeigte sich enttäuscht von dem Urteil. „Ich hätte mir eine andere Würdigung der Aussagen meines Mandanten erhofft.“ Offen ließ er, ob Revision eingelegt werden soll.