Aktuell
Home | Lokales | Obstbäume beschneiden – aber richtig
Dr. Olaf Anderßon vom Verein Lüneburger Streuobstwiesen setzt die Astschere zum Obstbaumschnitt an. Foto: t&w
Dr. Olaf Anderßon vom Verein Lüneburger Streuobstwiesen setzt die Astschere zum Obstbaumschnitt an. Foto: t&w

Obstbäume beschneiden – aber richtig

sba Neuhaus. Für die meisten Hobbygärtner steht außer Frage, dass Obstbäume im Sommer beschnitten werden sollten, andere schwören auf den Winter. Die Wahl des richtigen Zeitpunkts ist viel diskutiert. Es kommt auf die Art an, sagt Dr. Olaf Anderßon, Vorsitzender des Vereins Lüneburger Streuobstwiesen: Kernobst sollte eher zwischen November und März geschnitten werden, Steinobst am besten in den Sommermonaten.

Fest steht allerdings: Der Beschnitt muss sein, damit Obstbäume optimal wachsen und viele Früchte tragen. Dabei sollten Hobbygärtner aber auf keinen Fall munter drauf losschneiden, denn dann kann einiges schief gehen. Wie es richtig geht, lernen Privatinteressierte und Hobbygärtner bei den Praxisseminaren zum Obstbaumschnitt, die der Verein „Konau 11 — Natur“ gegen eine Spende von 15 Euro anbietet. Dabei steht das praktische Arbeiten nach dem Motto „learning by doing“ im Vordergrund. Das nächste Seminar findet am Sonnabend, 12. Dezember, von 8.30 bis 12 Uhr statt. Treffpunkt ist Hof Konau 11, Elbstraße 11 in 19273 Konau.

Zudem möchte der Verein „Konau 11 — Natur“ zusammen mit Menschen aus der Region, die sich zum „Obstbaumwart“ weiterbilden lassen, die Obstbaumalleen in Amt Neuhaus langfristig pflegen, nutzen und erhalten. Auch hierzu bietet der Verein ein Praxisseminar an. Im Mittelpunkt steht der Erziehungsschnitt bei Jungbäumen. Nächster Termin ist Sonnabend, 9. Januar 2016, Treffen um 8.30 Uhr auf dem Hof Konau 11. Weitere Termine sind am 23. Januar und 13. Februar, jeweils von 8.30 bis 12 Uhr.

Verbindliche Anmeldungen für beide Seminare per Mail an natur@konau11.de, telefonisch unter %038841/220027 oder %0151/5670960. Schnittwerkzeuge sind nach Möglichkeit mitzubringen.

Für diejenigen, die an diesen Terminen verhindert sind oder denen der Weg nach Konau zu weit ist, fasst Dr. Olaf Ander­ßon das Einmaleins des Obstbaumbeschnitts zusammen.

1. Ertragreiche Ernte und ein gesunder Baum
Obstbäume sind Kulturpflanzen, die sich im Laufe der Jahrtausende verändert haben und unsere Pflege benötigen. Nur wenn ein Obstbaum regelmäßig und richtig geschnitten wird, kann er sein vorgegebenes Lebensalter erreichen. Wird ein Obstbaum nicht ausgeschnitten, verdichtet sich die Krone, die unteren Baumpartien werden überbaut und sterben ab. Das Innere des Baumes ver­kahlt. Früchte wachsen zunehmend oben. Mit dem richtigen Schnitt kann die Sonne auch in das Innere des Baumes gelangen, und die Wahrscheinlichkeit ist geringer, dass Pilzkrankheiten wie Schorf und Mehltau die Kulturpflanze belagern. Auch größere Wunden durch herausbrechende Äste müssen weggeschnitten werden.

2. Der richtige Zeitpunkt
Von November bis Anfang März ist es Zeit für den Winterschnitt beim Kernobst, in dieser Zeit befindet sich der Baum in der sogenannten „Saftruhe“. Je früher der Baum geschnitten wird, desto mehr wird das Wachstum angeregt; je später, desto wahrscheinlicher, dass der Saftfluss bereits wieder eingesetzt hat, die Knospen antreiben und dem Baum so wieder Energie genommen wird. Der Zeitpunkt des Schnittes hängt also davon ab, was für ein Ziel mit ihm verfolgt wird. Zum Schneiden sind Temperaturen leicht über dem Gefrierpunkt optimal.
Steinobstbäume werden am besten im Sommer während der Ernte geschnitten. So können gleichzeitig die Früchte vom Baum geholt werden.

3. Wichtige Hilfsmittel
Für Aststärken bis 2,5 Zentimeter sind am besten Bypass-Astscheren geeignet, bei denen zwei Klingen aneinander vorbeigleiten. Wichtig ist, dass die Klingen scharf sind, damit die Schnittstelle sauber und glatt ist. So kann die Wunde leichter heilen. Nicht geeignet sind Amboss-Scheren, bei denen eine Klinge auf die andere drückt, sie zerquetschen Ast und Rinde. Um stärkere Äste abzusägen, ist zudem eine Baumsäge nötig — gut sind die klassische Bügel- oder die japanische Baumsäge. Auf Zweihand­astscheren sollte verzichtet werden, da bei dickeren Ästen direkt entlang der Astbasis geschnitten werden muss, was mit dieser Schere nicht möglich ist. Äste mit einem Umfang von mehr als sechs Zentimetern sollten nicht abgeschnitten werden. Zum Glattschneiden von rauen Sägerändern und für das Ausschneiden von Krebsstellen braucht man Messer, beispielsweise die Gartenhippe. Und für Einsätze in luftiger Höhe sollte eine Leiter bereit stehen. Wichtig: „Eine motorbetriebene Kettensäge ist im Obstbaumschnitt tabu!“

4. Die erste Schnittmethode: Anschneiden
Beim Anschneiden wird ein Teil des Triebes, etwa einen halben bis dreiviertel Zentimeter über dem Ast abgeschnitten. Je stärker oder schwächer der Trieb angeschnitten wird, desto stärker oder schwächer auch der Neuaustrieb. Anschneiden bewirkt einen kräftigen Austrieb und einen stärkeren Ast.

5. Die zweite Schnittmethode: Ableiten
Beim Ableiten wird ein Ast, der in eine unerwünschte Richtung wächst, von einem unter- oder übergeordneten Ast, der in die gewünschte Richtung wächst, abgeschnitten. Soll der Baum beruhigt werden, so wird von einem flach stehenden Ast abgeleitet. Vom einem steil stehenden Ast wird abgeleitet, wenn die Pflanze angeregt werden soll.

6. Die dritte Schnittmethode: Wegschneiden
Beim Wegschneiden wird der Trieb an seiner Basis entfernt. Das bedeutet, dass beim Kernobst am Astring geschnitten wird, beim Steinobst hingegen wird ein „Stummel“ mit etwa zwei bis drei Knospen belassen, um die Heilung zu fördern. Ziel ist es, übermäßige Blattmassen zu entfernen und dichte Kronen auszulichten.
Beim Pflanzschnitt und der Jungbaum­erziehung wendet man diese Methode an, um unerwünschte Triebe zu entfernen. Soll ein stärkerer Ast weggeschnitten werden, muss erstmal ein „Entlastungsschnitt“ durchgeführt werden. Die Schnittwunde kann mit einer Mischung aus Lehm und Rinder-Dung behandelt werden. Wundverschlussmittel sollte man besser nicht benutzen, sie schaden mehr als sie nutzen.