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Der parteilose Helmut Völker ist mit Leib und Seele Samtgemeindebürgermeister in Amelinghausen  bald die längste Zeit gewesen. Er will in seinem Leben einen neuen Schwerpunkt setzen. Foto: t&w
Der parteilose Helmut Völker ist mit Leib und Seele Samtgemeindebürgermeister in Amelinghausen bald die längste Zeit gewesen. Er will in seinem Leben einen neuen Schwerpunkt setzen. Foto: t&w

Völker geht von Bord

dth Betzendorf. Der dienstälteste Rathauschef im Landkreis Lüneburg wird vorzeitig sein Amt niederlegen: Amelinghausens Samtgemeindebürgermeister Helmut Völker geht am 1. November 2016 in den Ruhestand, drei Jahre vor Ablauf seiner regulären Amtszeit. Das verkündete er unaufgeregt und eher beiläufig als amtliche Mitteilung bei der jüngsten Sitzung des Samtgemeinderates am Donnerstagabend im Betzendorfer Gasthaus Konik. Weitere Themen der letzten Sitzung des Jahres: Sachstand zur Flüchtlingsunterbringung, Nachlese zum „Dialogforum Schiene Nord“ und die Abwägung von Stellungnahmen zum Flächennutzungsplan Windenergie.

Zuerst berichtete Völker über die jüngst erteilten Aufträge beispielsweise zur Erneuerung der Fliesen im Rathaus. Außerdem habe sich der Verwaltungsausschuss dafür ausgesprochen, die Amtszeit der Gleichstellungsbeauftragten Christel Wegner bis zum Ende der Wahlperiode im Herbst 2016 zu verlängern. „Und dann habe ich noch eine wichtige oder unwichtige Mitteilung soll jeder selbst beurteilen“. Er habe sich erlaubt, am 27. November an die Kommunalaufsicht des Landkreises Lüneburg zu schreiben. Darin erklärt er „Kraft eigenen Willens“ nach Paragraph 80, Absatz 9, des Niedersächsischen Kommunalverfassungsgesetzes, mit Ablauf des 31. Oktobers 2016 vorzeitig aus dem Amt als Hauptverwaltungsbeamter auszuscheiden.

Völkers Entscheidung ist das Ergebnis eines Abwägungsprozesses, der ein halbes Jahr gedauert habe. „Das Leben ist endlich. Familiär und privat ist manches zu kurz gekommen. Ich habe fast 30 Jahre alles gerne für die Samtgemeinde Amelinghausen gemacht, keine Frage, aber ich werde dann einen anderen Schwerpunkt setzen.“ Seine Rathausverwaltung sieht er indes sehr gut aufgestellt, „es wird auch ohne Völker im November 2016 gut weitergehen“. Er bleibe ein engagierter Bürger, der gerne verschiedene Ehrenämter weiter wahrnehme. Die Wahl eines neuen Samtgemeindebürgermeisters wird voraussichtlich parallel zur Kommunalwahl am 11. September 2016 stattfinden.

Den angekündigten Rücktritt Völkers nannte Ratsvorsitzende Gisela Plaschka (FDP) „einen ganz schönen Knaller“. Und: „Herr Völker hat sich außerordentlich um die Samtgemeinde Amelinghausen verdient gemacht.“ Daraufhin ergriff der Grünen-Fraktionschef Detlev Schulz-Hendel das Wort.

Obwohl es für Lob und Anerkennung noch zu früh sei, sagte Schulz-Hendel zu Völker: „Auch wenn Sie ein Verwaltungsmensch durch und durch sind, haben Sie sich zu keiner Zeit in Ihrem Amt auf Vorschriften, Paragraphen und Behördenkram reduzieren lassen.“ Und: „Sie streiten engagiert und mit Nachdruck für Ihre Vorstellungen in Bezug auf das Wohlergehen dieser Samtgemeinde.“ Als beispielhaft hob er zudem Völkers Engagement bei der Flüchtlingshilfe hervor.
Für die SPD-Fraktion sagte Wolfgang Marten mit einem Lächeln: „Wir wollen uns die guten Worte noch aufheben.“ Schließlich stünden noch elf gemeinsame Monate bevor. Dominik Wehling (CDU) sagte knapp: „Fürs Protokoll: Wir schließen uns den lobenden Worten an.“

Schulz-Hendel brachte sogar schon einen Vorschlag für die Nachfolge Völkers ins Spiel. Er plädierte dafür, gemeinsam und parteiübergreifend nach einem gemeinsamen Kandidaten oder einer Kandidatin zu suchen.

Seit 1986 für Amelinghausen im Dienst
Zuletzt hat Helmut Völker im April die Goldene Ehrennadel vom Städte- und Gemeindebund erhalten für seine 25-jährige Tätigkeit als Hauptverwaltungsbeamter in der Samtgemeinde Amelinghausen. Der gebürtige Celler, Jahrgang 1954, ist seit März 2002 bis heute Samtgemeindebürgermeister, wurde zweimal direkt gewählt. Zuvor war er von 1990 bis 2002 Samtgemeindedirektor. Mit seinem geplanten Ruhestand im Herbst 2016 wird Völker 30 Jahre lang in leitender Funktion für seine Kommune im Dienst gewesen sein. Bereits von 1986 bis 1990 war er stellvertretender Samtgemeindedirektor sowie Gemeindedirektor in Amelinghausen. dth
Ratssplitter

Flüchtlingsunterbringung
Laut Helmut Völker sind derzeit rund 125 Flüchtlinge in der Samtgemeinde untergebracht, inklusive anerkannter Asylbewerber. Um 50 Prozent erhöht habe sich seit vergangener Woche die Zuweisungsquote vom Land. Wöchentlich müssten nun 3500 Flüchtlinge vom Land an die Kommunen verteilt werden. Völker: „Es wird keine Absprachen mehr geben, kein Warten, bis ein Bett frei ist.“ Die hauptamtlichen Bürgermeister im Kreis hätten sich gegenseitige Unterstützung zugesagt.

Dialogforum Schiene Nord
Völker hatte Anfang November das Abschluss-Dokument zur Alpha-E-Trasse unter Vorbehalt unterschrieben. In einer kurzen Diskussion pflichtete der Rat der Mehrheitsentscheidung des Dialogforums bei. Es wurde aber auch gewarnt vor einer Wiederkehr der Diskussion über Bahn-Neubautrassen.

Windkraft
Mehrheitlich bei zwei Gegenstimmen und einer Enthaltung hat der Rat die Stellungnahmen abgewogen, die im Verfahren zur frühzeitigen Öffentlichkeitsbeteiligung zur 42. Änderung des Flächennutzungsplans „Windenergie“ eingegangen waren. Es steckt den Rahmen für die auf Gemeindeebene geplanten vier Windparks bei Ehlbeck, Etzen, Wetzen und Tellmer/Diersbüttel.

Neuer Ausschuss
Bei 14 Ja- und fünf Nein-Stimmen votierte der Rat für die Einrichtung eines neuen, nichtöffentlichen Ausschusses zur Reform der Aufgabenverteilung und Finanzierung innerhalb der Samtgemeinde. Das Gremium wird besetzt mit fünf Vertretern des Samtgemeinderats sowie fünf der Gemeinden. Der Verwaltungschef ist beratendes Mitglied. dth