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Felix Nasser ist für das neue Produkt SchokoLüne des Vereins Lünebohne e.V. nach Ecuador gereist und hat sich die Arbeit der sechs Familien, die hinter dem Kakaoanbau steckt, angesehen. Foto: t&w
Felix Nasser ist für das neue Produkt SchokoLüne des Vereins Lünebohne e.V. nach Ecuador gereist und hat sich die Arbeit der sechs Familien, die hinter dem Kakaoanbau steckt, angesehen. Foto: t&w

Lüneburger Student lebt bei Kakaobauern in Ecuador

ap Lüneburg. „Fair trade und trotzdem nicht wissen, wo es herkommt das ist nicht unser Konzept“, sagt Felix Nasser. „Direct trade ist das, was wir verfolgen.“ Der 23-Jährige gehört dem Verein Lünebohne an. Neben Kaffee und Espresso hat der nun mit „SchokoLüne“ eine 70-prozentige Trinkschokolade im Sortiment. Das zehnköpfige Team will aber nicht nur fairen Handel über Direktimport gewährleisten, sondern mehr erfahren: Wer steckt eigentlich hinter dem Produkt? Sechs Familien, die im Regenwald Ecuadors leben, findet Felix Nasser während seines Auslands­semesters und Praktikums in Südamerika heraus.

Sechs Wochen verbringt er vor Ort, lebt bei zwei Familien, schläft unter einem Moskitonetz auf der Terrasse. „Ein Ort, an dem man die Welt vergisst“, beschreibt der Umweltwissenschaftler die Region Chocó. Schon die Anreise hat es in sich: Über einen Fluss, einen langen holprigen Pfad, zweieinhalb Stunden Fahrt, die nur mit einem Jeep zu bewältigen sind, dann eine Stunde zu Fuß. „Die Natur ist unglaublich, verschiedene Papageien- und Vogelarten, Wasserfälle und drei Affenarten habe ich gesehen.“ Eine ist das Maskottchen für „SchokoLüne“ der Spidermonkey, für den Ecuador das letzte Rückzugsgebiet weltweit ist. „Am Rande einer Farm habe ich ein Interview geführt, dann ging das Geschrei im Wald los. Drei Bäume neben mir saß eine Affenfamilie“, erzählt Nasser fasziniert. Die Bewohner dort „fühlen sich mitverantwortlich für die Affen“. Ein Kakaobauer wollte beispielsweise seine Farm erweitern, dafür hätte er einen Teil des Lebensraums der Affen vernichten müssen. Also stellte stattdessen ein anderer Bauer einen Teil seiner Plantage zur Verfügung. „Harmonie Natur Mensch, das Konzept klappt dort.“

Auch wenn man das Gefühl habe, im Nirgendwo zu sein, mit Hinterwäldlern habe er nicht gelebt, stellt Felix Nasser klar: „Ich habe Gespräche über Politik geführt, wie man es hier mit einigen vielleicht nicht könnte“, erzählt er.

Mütter, Väter und Kinder bauen selbst an, ernten, fermentieren und trocknen die Kakaobohnen in ihrer Gemeinde. Sobald die Menge von einer Tonne erreicht ist, werden die Bohnen zu Fuß zu den etwas abseits parkenden Pick-ups gebracht. Etwa zehn Stunden dauert die Fahrt aus dem Tal zur Schokoladenfabrik, die sich auf 4000 Meter Höhe angesiedelt hat. „Das ist Teil der Idee, die Bohne wird in Ecuador selbst weiterverarbeitet“, erläutert Nasser. Mithilfe des französischen Partners gelangt die fertige Schokolade nach Hamburg. „Es klappt, wenn man statt Quantität Qualität anbietet“, ist er überzeugt, denn die Produkte kämen in Lüneburg gut an, gleichzeitig können die Familien in der Region Chocó vom Ertrag leben.

Ecuador habe ihn inspiriert: In seiner Bachelor-Arbeit zieht der Umweltwissenschaftler einen Vergleich zwischen konventionellem und ökologischem Kakaoanbau und beschreibt die Auswirkungen auf die Biodiversität.