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Ein kommunales Glasfasernetz baut derzeit die Samtgemeinde Elbmarsch auf. Für Verwirrung sorgen Kündigungsschreiben der Telekom. Foto: A/t&w
Ein kommunales Glasfasernetz baut derzeit die Samtgemeinde Elbmarsch auf. Für Verwirrung sorgen Kündigungsschreiben der Telekom. Foto: A/t&w

Kampf um Kunden in der Elbmarsch

off Marschacht. Der Ton wird rauer im Kampf um die Breitbandkunden in der Elbmarsch. Während die samtgemeindeeigene „Elbkom“ den Ausbau des kommunalen Glasfasernetzes weiter vorantreibt, kämpft die Telekom um den Erhalt ihrer Kunden. Und zwar mit Mitteln, die der Vorstandsvorsitzende der „ElbKom“ und Bauamtsleiter der Samtgemeinde, Uwe Luhmann, nicht unkommentiert lassen will. In einer Pressemitteilung wirft er dem Unternehmen „gezielte Falschinformationen“ vor und mutmaßt: „Anscheinend sollen die Kunden mit allen Mitteln am Anbieterwechsel gehindert werden.“

Wie berichtet, hatten sich knapp 60 Prozent der in Frage kommenden Haushalte in der Elbmarsch für das Breitband-Modell der Samtgemeinde entschieden. Das heißt konkret: Sie schließen einen Vertrag über die Installation eines Glasfaseranschlusses mit dem Münchener Kabelnetzbetreiber „pecom“ ab, die Verlegung der dafür notwendigen Glasfaserkabel übernimmt die samtgemeindeeigene „ElbKom“, Anstalt öffentlichen Rechts. „Nun erhalten immer mehr Bürger, die sich für unser Glasfasernetz entschieden haben, ominöse Fehlinformationen ihrer bisherigen Internet- und Telefonieanbieter“, sagt Luhmann.

Konkret geht es unter anderem um ein Kundenschreiben der Telekom, das der Landeszeitung vorliegt, mit dem Hinweis: „Ihr Handeln ist erforderlich — sonst müssen wir Ihren jetzigen Anschluss leider bald kündigen.“ Der angeschriebene Firmenkunde soll sich innerhalb von vier Wochen bei der Telekom melden, um einen „optimalen neuen Vertrag“ abzuschließen. Als Grund für die Änderung nennt die Telekom den Umbau des klassischen ISDN- und Telefonnetzes in ein voll digitalisiertes Netz.

Luhmanns Vorwurf: „Die Telekom droht mit der Kündigung des Anschlusses, dabei hat das Unternehmen einen Versorgungsauftrag.“

Tatsächlich hat die Telekom als „marktmächtiges Unternehmen“ laut Bundesnetzagentur die Versorgungspflicht für einen Telefonanschluss mit funktionalem Internetzugang. „Das heißt, die Telekom muss dem Kunden einen Anschluss bereitstellen — mit welcher Technik steht dem Unternehmen allerdings frei“, sagt Michael Reifenberg. Ob die Telekom in dem konkreten Fall korrekt gehandelt hat oder nicht, „muss im Einzelfall, womöglich auch auf zivilrechtlicher Ebene, geprüft werden“, sagt der Sprecher der Bundesnetzagentur. Die Telekom selbst erklärt zu dem Vorwurf der „ElbKom“: „Die Telekom stellt ihr gesamtes Netz schrittweise auf neue Technik um. Für diese Umstellung muss aus rechtlichen Gründen ein neuer Vertrag abgeschlossen werden.“

Doch die Androhung einer Kündigung ist nicht der einzige Vorwurf, den Luhmann der Telekom macht. Einem Privatkunden soll seitens der Telekom mitgeteilt worden sein, dass er seinen Vertrag ruhig verlängern könne, da die Telekom eine Beteiligung der pepcom GmbH eingegangen sei. „Doch das ist schlicht gelogen“, sagt Luhmann. Telekom-Sprecherin Stefanie Halle sagt dazu nur so viel: „Wir sind an keinem Unternehmen pepcom beteiligt. Wer was wann angeblich gesagt hat … können wir beide nicht nachprüfen.“

Bleibt unterm Strich festzuhalten: Der Druck scheint enorm — und zwar für beide Unternehmen. Eine entscheidende Sache allerdings unterscheidet die beiden Anbieter: Die „ElbKom“ verlegt die leistungsfähigen Glasfaserkabel bis zum Haus, die Telekom ertüchtigt derzeit hingegen lediglich ihr Grundnetz bis zu den Kabelverteilern — von dort aus geht es in der Regel weiter zu den Gebäuden mit den leistungsschwächeren Kupferverbindungen.