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Wenn Ortswehren zusammengelegt werden, könnten Feuerwehrhäuser anderen Zwecken dienen, beispielsweise als Dorfgemeinschaftshaus. Eine Idee für das bisherige Feuerwehrhaus in Dahlenburg ist die Nutzung durch den Bauhof der Samtgemeinde. Foto: t&w
Wenn Ortswehren zusammengelegt werden, könnten Feuerwehrhäuser anderen Zwecken dienen, beispielsweise als Dorfgemeinschaftshaus. Eine Idee für das bisherige Feuerwehrhaus in Dahlenburg ist die Nutzung durch den Bauhof der Samtgemeinde. Foto: t&w

Samtgemeinde Dahlenburg diskutiert Feuerwehr-Bedarfsplan

cec Dahlenburg. Einerseits wachsen die Anforderungen an die technische Ausstattung der Feuerwehr, auf der anderen Seite kämpfen die Blauröcke mit Nachwuchssorgen — Stichwort demografischer Wandel. Besonders im östlichen Teil des Landkreises zwingen diese Veränderungen die Kommunen zum Umdenken und Anpassen vorhandener Strukturen. Um die Wehren schlagkräftig zu halten und den Schutz der Einwohner auch in Zukunft optimal zu gewährleisten, hat der Dahlenburger Samtgemeindeausschuss bereits im Sommer 2014 ein externes Ingenieurbüro mit der Erstellung eines langfristigen Feuerwehrbedarfsplanes beauftragt.

Bereits am Donnerstag, 10. Dezember, wird der Plan im Samtgemeindeausschuss diskutiert, eine Woche später, am 17. Dezember, im Samtgemeinderat. Vorab hat die Gruppe SPD/Aktive Bürger/FWG einen Antrag eingebracht, in dem sie die ersten Maßnahmen des Bedarfsplans als besonders dringlich einstuft und bis 2020 umgesetzt sehen möchte — Gesamtkosten 1,5 Millionen Euro.

Um die Wehren schlagkräftig zu halten, sieht das Konzept unter anderem die Zusammenlegung einiger kleiner zu größeren Stützpunkt-Wehren vor. Ganz oben auf der Prioritätenliste steht der Neubau eines Feuerwehrhauses im Gewerbegebiet Dahlenburg, in dem die Wehren Dahlenburg, Dahlem und Harmstorf an einem Standort zusammengelegt werden. Weitere Punkte: Die Zusammenlegung der Wehren Kovahl und Pommoissel am Standort Pommoissel und der Wehren Seedorf und Boitze zur Ortswehr Ahndorf — letzteres ist faktisch schon geschehen, ein neues Feuerwehrhaus in Ahndorf ist bereits entstanden.

Angesichts der demografischen, aber auch der technischen Entwicklung käme man um die Zentralisierung nicht herum und müsse die Stadt Lüneburg als Vorbild nehmen, sagt SPD-Fraktionschef Franz-Josef Kamp: „Dort haben sie zwei Standorte für 75000 Einwohner. In der Samtgemeinde Dahlenburg kümmern sich 13 kleine Wehren um 6500 Einwohner. Wenn wir alle technisch auf dem neuesten Stand halten wollen, ist das unbezahlbar.“ Was Ausrückzeiten und Manpower angehe, sei man zwar noch gut aufgestellt. „Aber eine moderne, zukunftsweisende Wehr braucht auch das entsprechende Material und angemessene Technik.“

Nicht nur die Zahl der Verkehrsunfälle habe zugenommen, sondern auch deren Schwere. Moderne Autokonstruktionen erforderten bei der Bergung von Unfallopfern fortschrittliches Gerät. „Und dafür braucht man Leute, die damit umgehen können, regelmäßige Fortbildungen und Übungen. Mit dezentralen Wehren geht das nicht mehr.“

Dass die Zusammenlegung der Wehren sensibles Thema ist, darüber ist sich Kamp im Klaren: „Dass das nicht jeden freut, ist klar.“ Doch schon heute würden viele junge Menschen den Sport-, Schützenvereinen und Wehren den Rücken kehren, der demografische Wandel werde diese Effekte verstärken. „Und was nützen uns überall moderne Fahrzeuge, wenn wir keinen mehr haben, der damit fährt?“

Samtgemeindebürgermeister Christoph Maltzan stimmt mit dieser Sichtweise grundsätzlich überein, der Bedarfsplan sei zu begrüßen, 1,5 Millionen Euro mit Blick auf die sich wandelnde Altersstruktur eine gute Investition in die Zukunft. „Aber wir müssen es vorsichtig angehen, dürfen die Maßnahmen nicht einfach so von oben herab beschließen“, warnt Maltzan. Wenn Ortswehren zusammengelegt werden, ändere sich die Kommandostruktur, was nicht von jedem so einfach hingenommen werde. „Das birgt die Gefahr, dass Kameraden sagen, da machen wir nicht mit, weil sie sich mit ihrer Ortswehr identifizieren. Und wir können es uns nicht leisten, noch mehr zu verlieren.“ Maltzan verdeutlicht dies am Fall der Wehren Seedorf/Boitze, die ja bereits ein gemeinsames Feuerwehrhaus in Ahndorf haben, aber jeweils noch eigenständig sind: „Da sagt bei einem Einsatz ein Seedorfer, ich fahr nur in meinem Seedorfer Fahrzeug mit, und steig nicht bei den anderen ein. Dabei müsste er da einsteigen, wo Platz ist, da sowieso der ganze Zug ausrückt.“ Diese gewachsenen Strukturen zu verändern, sei aber machbar: „Das geht nur nicht von heute auf morgen. Wir müssen die Bürger mitnehmen, mit Infoveranstaltungen und gegebenenfalls auch mit Bürgerbeteiligungen.“