Donnerstag , 8. Dezember 2016
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Das ehemalige Gärtnerhaus auf dem Gelände der Psychiatrischen Klinik verfällt langsam. Der Arbeitskreis Lüneburger Altstadt bedauert das. Foto: t&w
Das ehemalige Gärtnerhaus auf dem Gelände der Psychiatrischen Klinik verfällt langsam. Der Arbeitskreis Lüneburger Altstadt bedauert das. Foto: t&w

Altes Gärtnerhaus auf dem Gelände der Psychiatrischen Klinik verfällt

ca Lüneburg. Hans-Herbert Sellen hält es für einen kleinen Schatz, der abseits und vergessen langsam verfällt. Das Vorstandsmitglied des Arbeitskreises Lüneburger Altstadt vermutet: „Das Haus steht wohl unter Denkmalschutz, sodass man es nicht abreißen darf. Man wartet wohl auf den Einsturz.“ Der bescheidene Fachwerkbau mit einem hübschen, mit geschnitzten Ornamenten versehenen Portal schlummert auf dem Gelände der Psychiatrischen Klinik. In einer Stellungnahme der Klinik klingt die Erklärung der Geschichte des Gebäudes zwar ein bisschen eleganter, doch nach einer Zukunft hört sie sich nicht an.

Sellen schätzt, dass das Haus im Biedermeier entstanden sein könnte, also zwischen 1815 und 1848, in Deutschland eine verträumte Zeit. Doch in der PKL zweifelt Sprecherin Angela Wilhelm an dieser Einschätzung. Die damalige Heil- und Pflegeanstalt wurde 1901 als Krankenhaus für psychisch Kranke auf dem weitläufigen Gelände eröffnet, angelegt in einem großzügigen Park. Gebaut worden sei in zwei Abschnitten: von 1898 bis 1901 und von 1905 bis 1907. „Ob das Haus älter als die anderen ist, lässt sich mangels vorliegender Unterlagen nicht überprüfen. Auf jeden Fall diente es von 1906 bis etwa 1910/1912 als Wohnhaus für den damaligen Leiter der Gärtnerei und seiner Familie, die danach in ein neu gebautes Wohnhaus umzogen.“

Später hätten Gärtner den Bau genutzt. Als neue Gewächshäuser entstanden, habe man das Haus nicht mehr gebraucht. Vermutlich steht es seit 1989 leer. Damals gehörte das gesamte unter Ensembleschutz stehende Krankenhaus-Areal dem Land.

Das änderte sich, als sich Hannover unter einer schwarz-gelben Regierung von seinen Landeskrankenhäusern weitgehend trennte. Die Stadt Lüneburg kaufte das Gelände 2007 und gliederte es in die Gesundheitsholding ein. Das Rathaus zahlte 20,3 Millionen Euro und ging eine Sanierungsverpflichtung von 5,5 Millionen Euro ein. Doch augenscheinlich kam von dem Geld nichts bei dem Gärtnerhaus an.

Der Geschäftsführer der PKL, Rolf Sauer, sagt: „Der Leerstand des Gärtnerhauses war eine Entscheidung des Landes Niedersachsen, an der wir mit Blick auf die wirtschaftliche Bewertung nichts verändert haben. Es gibt keine Pläne für eine Sanierung und Nutzung. Die Instandhaltung und Modernisierung aller im Klinikbetrieb genutzten Gebäude sowie die Erweiterung der Klinik im Sinne einer zeitgemäßen Versorgung unserer Patienten benötigen so viele Investitionsmittel, dass eine Renovierung des Gärtnerhauses auch mit Blick auf die Auflagen des Denkmalschutzes unvertretbar hoch wäre.“

Zusammengefasst: zu teuer, keine Sanierung. Und so döst der kleine Schatz weiter dahin wie Dornröschen. Kein Prinz in Sicht, der es wachküsst.

One comment

  1. Vielen Dank für den interessanten Artikel! Ist es wirklich so, dass man in Lüneburg erst auf einen Prinzen warten muss, der das schöne Gärtnerhäuschen wachküsst?
    Seit dem Film „Einer flog über das Kuckucksnest“ mit Jack Nicholson hat sich ja glücklicherweise viel getan, auch in Lüneburg. Deswegen bin ich sicher: die heutigen Neurologen, Psychologen, Psychiater und Sozialtherapeuten des Klinikums werden das Potenzial dieses Gebäudes bald erkennen. Wäre es nicht wunderbar, wenn das Bauwerk unbürokratisch, ganz im Sinne der sozialpsychiatrischen Reformbewegung, von Patienten des Klinikums in Stand gesetzt werden könnte, eventuell unter Anleitung einiger fachkundiger Arbeiter? Die schöne, utopische Vorstellung drängt sich mir jedenfalls auf: ein Bruder Mc Murphys, mit Spaten in der Hand, der zusammen mit Chief Bromden am Zementmischer steht … Auch vor dem Hintergrund der vielen Flüchtlinge in Lüneburg, die gerne arbeiten würden und Wohnraum benötigen, scheint das leerstehende Gärtnerhaus ja förmlich um eine Instandsetzung zu flehen. Die böse Schwester Ratched aus dem „Kuckucksnest“ wird jetzt argumentieren, dass so etwas illusorisch und weltfremd ist – und schon aus Versicherungsschutz-rechtlichen Gründen nicht klappen kann. Aber das ist doch nur ein Film … 😉