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Sie fühlen sich von der Justiz im Stich gelassen: Marcus Kühnert (vorne) und die Mitglieder der Lüneburger Selbsthilfegruppe Entsorgte Eltern und Großeltern. Foto: be
Sie fühlen sich von der Justiz im Stich gelassen: Marcus Kühnert (vorne) und die Mitglieder der Lüneburger Selbsthilfegruppe Entsorgte Eltern und Großeltern. Foto: be

„Entsorgte Eltern und Großeltern“ halten Mahnwache vorm Amtsgericht

mm Lüneburg. Die Nachricht von seiner Ehefrau erschüttert Marcus Kühnert. Sie teilt ihm mit: Der Umgang mit seinen drei Kindern sei „ausgesetzt“. Dann herrscht Funkstille. Der Vater erreicht seine Kinder nicht mehr. Bis sich seine Tochter meldet. Sie hinterlässt die nächste traurige Nachricht: Die Geschwister Pia (13), Ben (11) und Tom (5), wollten ihren Vater nicht mehr sehen, er solle das akzeptieren. Das kann er nicht, sieht seine Frau, von der er sich im vergangenen Jahr getrennt hat, als Motor. Jetzt kämpft er um sein Umgangsrecht — mit geringen Erfolgschancen.

So ergeht es vielen Eltern und Großeltern, denen Kontakt zu ihren Kindern und Enkeln verwehrt wird. In Lüneburg haben sie eine Selbsthilfegruppe gegründet: „Entsorgte Eltern und Großeltern“. In blauen Weihnachtskutten demonstrieren sie vor dem Amtsgericht. Sie haben eine Geschenkepyramide aufgebaut, um zu zeigen: Diese Präsente kommen zum Fest nie dort an, wo sie hin sollten: uu ihren Kindern und Enkeln, mit denen sie keinen Umgang haben dürfen, weil ein betreuender Elternteil das nicht möchte.

Wie im Fall vom Marcus Kühnert. Noch in den Sommerferien fährt er mit seinen Kindern in den Urlaub. Wenige Wochen später informiert ihn seine Frau, er solle keinen Umgang mehr mit ihnen haben. „Warum weiß ich bis heute nicht“, sagt Kühnert. Er wird vom Informationsfluss abgeschnitten: „Meine Kinder sollen das Gefühl bekommen, dass ich mich nicht um sie kümmere“, meint der 44-Jährige. Er schaltet das Jugendamt ein. Das ordnet Umgangstermine an. Seinen Sohn Tom sieht er nun „alle zwei Wochen freitags von 13 bis 18 Uhr“, zu Pia hat er seit August keinen Kontakt mehr, sporadisch kann er ihn zu Ben halten.

Auch eine Mediation beraumt das Jugendamt an. Zum ersten Termin erscheint seine Frau nicht. Ihm bleibt nur der Gang zum Familiengericht, das muss jetzt über das Umgangsrecht entscheiden. Der Vater rechnet sich kaum Chancen aus, seine Kinder wieder häufiger zu sehen. „Es schwächt die Anhörung, wenn die Kinder den Umgang nicht wollen“, sagt er. „Eigentlich müsste ein Richter so viel psychologisches Einfühlungsvermögen aufbringen, um zu merken, dass die Verweigerung gar nicht wegen des Vaters geschieht, sondern weil das Kind aus einem Schutzreflex zur Mutter hält, weil es spürt, dass sie den Vater ablehnt.“

„Je länger Kinder entfremdet sind, desto leichter gelingt die Manipulation“, weiß Dorette Kühn von der Selbsthilfegruppe. „Die gezielte Entfremdung ist psychische Kindesmisshandlung.“ Der Bindungsabbruch wirke sich negativ auf die Kindesentwicklung aus. Familienrichter seien auf diese Fälle „nicht ausreichend vorbereitet“. Es gebe zu wenige psychologische Schulungen zum Umgangs- und Sorgerecht.

Auch Marcus Kühnert erlebt, dass es seinen Kindern womöglich schadet, dass sie den Vater kaum noch sehen. Sein Sohn Ben habe immer eine sehr gute Note in Mathematik gehabt, zuletzt aber nur noch „eine schlechte 4“. Dass der Bindungsabbruch dem Kindeswohl schade, sollten die Gerichte endlich sehen, sagt Dorette Kühn. Die Gruppe demonstriere dafür — immer wieder.

3 Kommentare

  1. Manfred Sommerfeld

    Werte Eltern und Großeltern,
    meiner Tochter, die zu dem nur zur Umgangsunterbindung als Volljährige zu dem zwangsadoptiert wurde, dem Richter Born am Amtsgericht Rostock war bekannt, wonach am EGMR ein Verfahren gegen die BRD anhängig war, habe ich über 26 Jahre stets gezeigt, ihr Vater ist da – gerade zu Ehrentagen mit kleinen Dingen in ihren hauskasten gesteckt. Sie musste wiederholt wohnlich umziehen. Auch als ich mit bekam eine Enkeltochter zu haben, habe ich als Selbstverständlichkeit gezeigt, eine Entsorgung gibt es nicht. Stets musste ich für die kinderfeindlichen Entscheidungen bezahlen. Seit April 2012 haben wir ein sehr herzliches und liebevolles Tochter-Vater- und Enkelkinder-Großvater-Verhältnis. Ich habe mit dem Kontakt feststellen können noch eine kleinere Enkeltochter zu haben, die die 2. Klasse besucht. Wir haben seit dem alle zusammen schon viele Dinge gemieinsam unternommen. Das Traurige jedoch, beide Enkelkinder haben deren Großmutter und die Tochter ihre Mutter aufgrund der jahrelangen Umgangsunterbindung verloren. Da ich stets sauber und sachlich gezeigt habe, ein „vergessen“ der Tochter gibt es nicht, ist keine Entfremdung, was die Richter, Anwälte und Mitarbeiter des Jugendamtes beabsichtigt haben, nicht eingetreten. Auch meine Tochter musste in all den Trennungsjahren sagen, sie wolle mich nicht sehen. Heute hat sie Schwierigkeiten Vater oder Papa sowie die große Enkeltochter Opa zu sagen. Heute können jene Richter bis hin zum Oberlandesgericht Rostock, Richter Herrn Gerd Bollmann nicht anworten. Ich werfe ihnen eindeutige Kindesmisshandlung vor, was es ja auch ist, wer zu dem Kinder von deren Eltern und Enkelkinder von deren Großeltern trennt. Wenn ich sage, dass man mir 1999 richterlich verboten hat Unterhalt an meiner Tochter zu überlassen, werde ich stets unglaubig angesehen. Also nicht aufgeben.

  2. Bei aller Kritik an Justiz und Jugendämtern: Ursächlich für die Misere der Eltern-Kind-Entfremdung ist immer noch die Mutter, selten der Vater. Zunächst müsste also vor der Haustür dieses Elternteils demonstriert werden. Gerichte machen häufig vieles nur noch schlimmer, selten etwas besser. Grund dafür ist die ungerechte, die Mutter einseitig bevorteilende Gesetzgebung bzw. Rechtsprechung.

  3. Ein Entsorgter Vater

    Den beiden Ausführungen / Kommentaren kann ich nur beipflichten : Ich selbst bin Vater von drei Kindern, mittlerweile geschieden. Nach der Trennung wurde etwa pro Jahr ein Kind so entfremdet, dass es den Kontakt zu mir als Vater einstellte. Der letzte Sohn wurde dann, obwohl ich fast 2 Jahre als alleinerziehender Vater – ohne jede mütterliche finanzielle Unterhaltszahlung- tätig war, dann schlussendlich auch noch entfremdet.

    Ich habe von dieser Entfremdungstaktik der Mutter sehr viel mehr mitbekommen, als ihr damals lieb war; ein Teil ihrer Verwandten und Freunde half auch noch aktiv mit; den Kindern kann ich nicht einmal einen Vorwurf machen.

    Wer Monate, ja sogar jahrelang zu hören bekommt,, wie schlecht der eigenen Vater sei, was er schon wieder schlimmes getan hat oder hat schreiben lassen, , usw. … der wird einer regelrechten Gehirnwäsche unterzogen in bester Hasspredigermanier.

    Warum bis heute solche Dinge nicht sankitioniert werden, ja sogar durch Jugendamt und Gerichte noch gestützt werden, ist unfassbar.

    Leidtragende sind die Kinder; diese werden irgendwann auch einmal alt; kommen vielleicht in eine ähnliche Situation und erinnern sich dann an ihre eigene Jugend – und ihren Vater.

    Wie kann man ihnen das späte Leid dieser Erfahrung ersparen?

    In einem demokratischen Staat, der sich die Gleichberechtigung ins Grundgesetz geschrieben hat, der Gleichstellungsbeauftragte und Gleichstellungsgesetz und Verordnungen erläßt, ist es möglich, dass 90% der Mütter nahezu alleine entscheiden dürfen, wo das gemeinsame Kind wohnen darf?

    Kinder brauchen Mütter und Väter !

    Kein Kind wird die eigene Mutter oder den eigenen Vater von alleine aufgeben. Bei Kontaktabbruch muss also ein Elternteil massiv manipuliert haben !

    Elternteile, die diesen Grundsatz verletzten, sollte man ggf sogar das Sorgerecht einschränken lassen und nicht die Manipulationen der eigenen Kinder auch noch richterlich rechtfertigen lassen.

    Eine vernünftige und moralische Erziehung ist das jedenfalls nicht.