Aktuell
Home | Lokales | Dr. Michael Moormann über Plus für Lüneburger Klinikum
Beim Blick in die Zukunft muss Dr. Michael Moormann nicht bange werden: Das Lüneburger Klinikum weist den Prognosen zufolge Millionen-Überschüsse aus. Foto: A/t&w
Beim Blick in die Zukunft muss Dr. Michael Moormann nicht bange werden: Das Lüneburger Klinikum weist den Prognosen zufolge Millionen-Überschüsse aus. Foto: A/t&w

Dr. Michael Moormann über Plus für Lüneburger Klinikum

as Lüneburg. Seit Jahren heißt es, dass zwei Drittel der niedersächsischen Kliniken rote Zahlen schreiben, weil die Finanzausstattung durch Bund, Länder und Kassen nicht auskömmlich sei. Im Herbst hatte es bundesweite Proteste gegen das Krankenhausstrukturgesetz gegeben, auch am Lüneburger Klinikum. Nun liegt der Wirtschaftsplan 2016 für das Haus an der Bögelstraße vor. Der weist erneut schwarze statt rote Zahlen aus. Prognostiziert wird ein Plus von 3,8 Millionen Euro. Für das laufende Jahr wird sogar ein Überschuss von rund fünf Millionen Euro erwartet. Ein Ergebnis, dass das Klinikum entspannt in die Zukunft blicken lässt? Die LZ sprach mit Klinikum-Geschäftsführer Dr. Michael Moormann.

Herr Dr. Moormann, Sie waren im September mit Klinikmitarbeitern bei der Demonstration in Berlin gegen das Krankhausreformgesetz. Inzwischen wurde es verabschiedet, 2016 tritt es in Kraft. Hat es sich noch zugunsten der Kliniken entwickelt?
Dr. Michael Moormann: Ja, die massiven Protestaktionen haben etwas bewirkt. Die umfangreichen Kürzungen in der Krankenhausfinanzierung wurden zumindest abgemildert. Hier bin ich unseren Bundestagsabgeordneten Hiltrud Lotze und Eckhard Pols dankbar, die in Berlin dafür gesorgt haben, dass wir an maßgeblicher Stelle für unsere Argumente Gehör fanden.

Rund 5 Millionen Euro fährt ihr Haus laut Hochrechnung in diesem Jahr ein. Geplant waren 1,6 Millionen Euro. Haben Sie auf die Sparbremse gedrückt oder mehr Einnahmen generiert?
Moormann: Wir haben in diesem Jahr einen Zuwachs an Patienten in einer Größenordnung gehabt, mit der wir so nicht rechnen konnten. Für diese zusätzlichen Patienten mussten wir in diesem Jahr ausnahmsweise keine Vergütungsabschläge hinnehmen, weil das Land Niedersachsen uns im Dezember des vergangenen Jahres zusätzliche Planbetten genehmigt hat. Aber auch in Bereichen außerhalb der Krankenversorgung, zum Beispiel in unserer Apotheke, ist der Umsatz gestiegen. Die Summe all dieser Faktoren wird uns ein gutes Jahresergebnis bescheren, obwohl wir 65 zusätzliche Mitarbeiter eingestellt haben.

2016 wird das nächste Plus in Millionenhöhe erwartet. Wie muss sich die Klinik aufstellen, damit das so bleibt?
Moormann: Wir dürfen nicht aufhören, besser zu werden. Das gilt sowohl für unsere medizinischen und pflegerischen Leistungen als auch für unsere organisatorischen Prozesse und unsere bauliche und medizintechnische Infrastruktur. Dennoch wird der Überschuss in den kommenden Jahren wieder abnehmen, da wird die Gesetzesnovelle Wirkung zeigen.

Ihre Mitarbeiter protestierten im Herbst auch gegen das Pflegeförderprogramm mit einem Volumen von 660 Millionen Euro. Mit dem Geld, das in Lüneburg ankomme, sei nur eine zusätzliche Stelle zu schaffen. Das Volumen des Programms ist geblieben. Greifen Sie nun tiefer in die Tasche, um zusätzliche Stellen zu schaffen?
Moormann: Da den Kliniken in Deutschland der Versorgungszuschlag gestrichen wurde und stattdessen ein Pflegezuschlag in gleicher Höhe gezahlt wird, müssen wir einmal schauen, wie sich der Gesetzgeber die Ausgestaltung vorstellt. Ja, gegebenenfalls greifen wir tiefer in die Tasche, um zusätzliche Stellen zu schaffen.

Die Investitionsmittel des Landes für niedersächsische Kliniken reichten bei weitem nicht aus, schlug die niedersächsische Krankenhausgesellschaft jüngst Alarm. Für Lüneburg scheint das nicht zu gelten, der Krankenhauskomplex wird erweitert, Landeszuschüsse in Höhe von rund 33 Millionen Euro sind abgemachte Sache.
Moormann: Was die Unterstützung für den Neubau anbelangt, können wir uns wirklich nicht über das Land beschweren. Aber: Die investiven Mittel für die Aufrechterhaltung der bestehenden medizinischen Infrastruktur, die ebenfalls per Gesetz vom Land bereitgestellt werden müssen, werden in Hannover aus einem anderen Topf bedient, und der ist anerkanntermaßen viel zu klein. Nur wenn wir am Ende des Jahres Überschüsse erwirtschaften, können wir dieses Investitionsdefizit ausgleichen und neue Medizintechnik anschaffen oder Altgeräte ersetzen. Somit werden indirekt Investitionen über die Beitragszahlungen der Versicherten getätigt, obwohl das laut Gesetz Aufgabe der Bundesländer ist. Ich kann verstehen, dass die Krankenkassen dagegen Sturm laufen.

Wie wird sich die Krankenhaus-Landschaft aus Ihrer Sicht in zehn Jahren verändert haben?
Moormann: Es wird weitere Konzentrationsprozesse geben, kleinere Häuser insbesondere in ländlichen Gebieten werden schließen, größere weiter wachsen. In den ländlichen Gebieten werden ambulante Notfalleinrichtungen die Erstversorgung übernehmen, um Patienten sicher auf den Transport ins weiter entfernte Krankenhaus vorzubereiten. Wir müssen nur ins benachbarte Ausland schauen, zum Beispiel nach Dänemark. Dort ist dieser Konzen­trationsprozess schon weit fortgeschritten. Das Städtische Klinikum wird weiter wachsen, wenn wir es schaffen, baulich genug Platz für die steigenden Patientenzahlen zu schaffen.