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Monika Ebeling (l.) versucht, mit Niedersachsens Sozialministerin Cornelia Rundt ins Gespräch zu kommen. Auch Anja Kämpker (r.) von der Flüchtlingshilfe Tostedt hat sich dazugesellt. Foto: t&w
Monika Ebeling (l.) versucht, mit Niedersachsens Sozialministerin Cornelia Rundt ins Gespräch zu kommen. Auch Anja Kämpker (r.) von der Flüchtlingshilfe Tostedt hat sich dazugesellt. Foto: t&w

Flüchtlingshilfe: Würdigung kommt vielen zu kurz

ap Lüneburg. 150 Ehrenamtliche, die sich in der Flüchtlingshilfe engagieren, waren am Donnerstagabend ins Gesellschaftshaus der Psychiatrischen Klinik gekommen. Eigentlich, um für ihre Arbeit geehrt zu werden. Doch weniger die Helfer standen im Mittelpunkt, stattdessen gab es neben etwas Lob vor allem lange Reden, unter anderem von Niedersachsens Sozialministerin Cornelia Rundt, Oberbürgermeister Ulrich Mädge und PKL-Geschäftsführer Rolf Sauer.

„Thema verfehlt“, sagt Bernd Gollers frei heraus. Er ist zusammen mit seiner Frau Dagmar gekommen, sie betreibt die Kleiderkammer für Flüchtlinge in der Samtgemeinde Gellersen. „75 Prozent des Tages widmet meine Frau dieser Arbeit“, sagt er und das seit eineinhalb Jahren. „Ich habe einfach gemerkt, dass Hilfe gebraucht wird und habe das organisiert“, sagt die Helferin, die ebenfalls unzufrieden ist mit dem Ablauf des Abends. Erst zwei Stunden nach Veranstaltungsbeginn kamen Ehrenamtliche untereinander und mit Politikern ins Gespräch. Viele geladene Gäste verschwanden schon vorher, nach einer Lesung des Autoren Luc Degla, der viele Lacher und Beifall der Gäste erntete, darunter auch Landrat Manfred Nahrstedt, Bürgermeister Eduard Kolle und Bundestagsabgeordneter Eckhard Pols.

Dabei war in Ansätzen der Reden von Sauer, Mädge und Rundt Anerkennung für die Flüchtlingsarbeit deutlich geworden. „Sich in andere hineinversetzen, anhalten und helfen. Das ist das, was Sie leisten“, sagte Sauer gleich zu Beginn. „Die Menschen wollen in der Regel nicht bedauert werden, sie wollen eine Chance und ein Stück Geborgenheit.“ Mädge bedankte sich in erster Linie bei der Sozialministerin für die „tolle Idee einzuladen, um Danke zu sagen“. Er erhoffe sich weiterhin viel Engagement, wisse aber, dass man auch Auszeiten brauche. „Sie werden auch im nächsten und im übernächsten Jahr gebraucht, das kann ich Ihnen versprechen“, sagte der Oberbürgermeister.

Cornelia Rundt holte weit aus, sprach von der „menschlichen Erschütterung“ in Bezug auf den Terror in Paris. „Vor diesem menschenverachtenden, feigen Terror sind die Menschen doch geflohen“, sagt die Ministerin. Dann richtet sie sich direkt an die Ehrenamtlichen: „Sie sind für diese Menschen der wichtigste Halt, die Brückenbauer in diesem Land. Durch Sie erleben sie einen Neustart in Niedersachsen.“ Das eigentliche Problem, das viele Ehrenamtliche sehen, spricht sie erst ganz zum Schluss an. „Es darf nicht zu einer Überforderung für Sie werden. Wir brauchen mehr Hauptamtliche, die Sie unterstützen. Die Aufnahme hier sollte nicht zur Privatsache werden.“ Beifall. „Heute Abend sind Sie hier, um etwas für sich zu tun.“ Eine Ehrung bleibt jedoch aus. Auch auf Nachfrage haben die Veranstalter keine Übersicht, welche Vereine, Initiativen und Mitglieder geladen wurden, nur eine Liste mit Namen.

Zu denen zählt Monika Ebeling von der Flüchtlingshilfe Bodenthal. Sie arbeitet dort derzeit mit 35 Aktiven. „Wir betreuen acht kleine Familien mit Kindern“, sagt die Rentnerin. Man ernte viel Dankbarkeit, aber in einem selbst mache sich auch viel Frust breit. „Die Sprache ist ein echtes Problem, wir können uns kaum verständigen. Das muss viel mehr gefördert werden.“