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Die Kantine des Edeka soll zu einer Unterkunft umgewandelt werden, in der übergangsweise Flüchtlinge Quartier finden können. Foto: sp
Die Kantine des Edeka soll zu einer Unterkunft umgewandelt werden, in der übergangsweise Flüchtlinge Quartier finden können. Foto: sp

Wird Edeka Flüchtlingsunterkunft?

as Lüneburg. Seit Ende September leben Flüchtlinge in der Unterkunft am Vrestorfer Weg. Ursprünglich hatte die Stadt 100 Plätze geplant. Nach kritischen Stimmen aus der Anwohnerschaft entstand eine mobile Wohnanlage mit 58 Plätzen. Mehr sollten es am Standort nicht werden. Doch die steigenden Flüchtlingszahlen zwingen die Stadt dazu, ständig neue Konzepte für die dezentrale Unterbringung zu schaffen. Nun soll ein Teil des ehemaligen Edeka-Gebäudes zur Entlastung der regulären Gemeinschaftsunterkünfte hergerichtet werden. Mit dieser Nachricht kamen Oberbürgermeister Ulrich Mädge und Sozialdezernentin Pia Steinrücke zu einer Bürgerversammlung an den Vrestorfer Weg. Rund 45 Bürger waren gekommen, um unaufgeregt, aber durchaus kritisch zu diskutieren.

Stadt sieht Edeka als Zwischenlösung

Seit 2013 wurden in Lüneburg rund 1400 Flüchtlinge untergebracht. 2016 werden weitere 1500 erwartet. Derzeit kommen 70 pro Woche, laut Prognose erwarte man zwar in den ersten drei Monaten des kommenden Jahres „nur“ 25 pro Woche, doch danach gehe man wieder von einem Anstieg aus, machte Mädge deutlich. Derzeit sind die bestehenden Unterkünfte Meisterweg, Schlieffenkaserne, Rettmer, Papenburg, Vrestorfer Weg, Ochtmisser Kirchsteig, MaDonna und Psychiatrische Klinik voll. Seit Monaten arbeitet die Stadt auf Hochtouren, um weitere Unterkünfte zum Teil in Festbauweise herzurichten (LZ berichtete). Manches verzögert sich, zum Beispiel die Einrichtung der Unterkunft in Böhmsholz. Deshalb wird bekanntlich für einige Wochen die BBS-Sporthalle als Notunterkunft genutzt.

Sozusagen als Puffer bis weitere Gemeinschaftsunterkünfte fertig sind, soll die Unterkunft in der ehemaligen Edeka-Kantine dienen. Eigentümer Jürgen Sallier werde in einen Trakt Leichtbauwände einziehen, Duschen sollen nachgerüstet werden. Die Stadt wird das Gebäude mieten, das Mitte Februar bezugsfertig sein soll und 50 bis 100 Plätze bieten könnte. Ob es zu einer Nutzung als Übergangslösung kommt, hängt davon ab, inwieweit zu dem Zeitpunkt weitere reguläre Unterkünfte fertig sind und wie viele Menschen untergebracht werden müssen.

Eine Anwohnerin wollte wissen, ob man nicht stattdessen weitere Menschen in der Schlieffenkaserne unterbringen könne. Mädge verwies darauf, dass das Land künftig die Gebäude dort als Notunterkunft nutzen wolle, um bis zu 600 Menschen unterzubringen. Er erklärte auch, dass die Stadt in den vergangenen Monaten rund 180 Standorte geprüft habe. Nicht jeder eigne sich, oft spielen Eigentümer nicht mit oder Objekte wie die Lucia-Halle halten den Brandschutzkriterien nicht stand. Kritik wurde laut an der Zuwegung, die laut derzeitigem Plan über den Vrestorfer Weg erfolgen soll.

Da könne dann ja keine Frau mehr lang gehen, meinte ein Mann. Hans-Jürgen Felgentreu, Chef der Polizeiinspektion, sagte mit Blick auf Untersuchungen, dass es im Umfeld von Flüchtlingsunterkünften nicht zu mehr Kriminalität komme. Auseinandersetzungen untereinander habe es gegeben, im Fall der Messerattacke in der Vrestorfer Unterkunft sei ein Verfahren eingeleitet. Es bestünden unterschwellige Ängste, dass es zu Übergriffen auf Frauen komme, aber das geschehe so gut wie nie. „Rein faktisch gibt es keinen Grund, vor diesen Menschen Angst zu haben.“ Etliche Bürger quittierten das mit Applaus.

Ein Mann monierte, dass die Stadt den Anwohnern ein „Kuckucksei“ unterschiebe. Erst habe es geheißen, es solle bei 58 Plätzen bleiben, nun sollten 50 bis 100 dazukommen – mit hoher Fluktuation. Mädge machte deutlich: „Nach unserer aktuellen Planung werden wir das nur vorübergehend brauchen. Vor Ort werden Sozialarbeiter und ein Wachdienst sein.“ Die Stadt würde sich freuen, wenn es auch dort ein ehrenamtliches Engagement der Anwohner gebe wie bei der Containeranlage. Eine Frau schlug alternativ eine feste Unterkunft mit 50 Plätzen vor. Mädge sagte, er sei für alles offen, und die Stadt werde auch eine Zuwegung über die Lüner Rennbahn prüfen.