Donnerstag , 8. Dezember 2016
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Saeid Vakili nennt sich Ontologe, landläufig würde man ihn als Hellseher bezeichnen. Der Iraner mit Wohnsitz in Kalifornien sagt, er sei mit Prominenten wie Schauspieler Arnold Schwarzenegger und dem US-Moderator Larry King befreundet. Foto: ca
Saeid Vakili nennt sich Ontologe, landläufig würde man ihn als Hellseher bezeichnen. Der Iraner mit Wohnsitz in Kalifornien sagt, er sei mit Prominenten wie Schauspieler Arnold Schwarzenegger und dem US-Moderator Larry King befreundet. Foto: ca

Saeid Vakili hat ein Gefühl für die Zukunft

ca Lüneburg. Manchmal trifft man Menschen und denkt an Aladin und die Wunderlampe. Die Geschichte klingt wunderbar, gleich wird der Mann, der gegenübersitzt, an einer etwas zerkratzten Lampe reiben und ein Dschinn erscheinen, der Geist baut ein Luftschloss — bezaubernd anzuschauen, aber kaum greifbar. Ein bisschen ist es so mit Saeid Vakili. Wie eine Erscheinung steht er plötzlich im LZ-Haus, umweht von Wohlgerüchen Arabiens. Er habe gefühlt, er müsse die Redaktion besuchen, um seine Geschichte zu erzählen. Ein charmanter Mann mit einem Lächeln, das glauben macht, gerade der einzig wichtige Mensch im Kosmos zu sein.

Später bei einem Bier und einer Apfelschorle im Mälzer öffnet der 58-Jährige sein Schatzkästchen. Freundlicherweise übersetzt sein Neffe Farzan die Mischung aus Farsi und Englisch. Vakili erzählt, dass er in Kalifornien lebe und jetzt zu Besuch bei seiner Schwester in Reppenstedt sei. Dort habe er übrigens vor Jahren ein Buch geschrieben, darin findet sich eine Ahnung, dass es zu den Anschlägen vom 11. September 2001 in New York kommen werde. Kam es schrecklicherweise dann auch.
Vakili, elegant in rosa Hemd, grauem Pullover, Anzughose und mit Schuhen, deren grauer Aufsatz an Gamaschen erinnert, kam im Iran zur Welt. Seine Mutter habe früh gespürt, dass er eine „Gabe“ habe. So habe er einen Autounfall verhindern können. Die Familie sei auf dem Weg von Teheran ans Meer gewesen, um Urlaub zu machen. Auf der Fahrt habe ihn ein Gefühl beschlichen, dass etwas passieren würde. Er habe den Fahrer aufgefordert zu stoppen. Der sei böse auf den Zehnjährigen gewesen. Doch später stellte sich heraus: An der Straße sei ein Abhang abgerutscht, der kleine Saeid und seine Begleiter blieben verschont. Anders als Verwandte, die in einem Auto vorweggefahren waren.

Später, als die islamische Revolution durch Persien tobte, den Schah vertrieb und 1979 Ajatollah Chomeini an die Macht brachte, durfte Saeid Vakili den Religionsführer besuchen. Zum Abschied, als alle die Hand des Geistlichen küssten, habe er dem mächtigen Mann die Prophezeiung gegeben: „Russland wird zusammenbrechen.“ Alle hätten ihn ausgelacht. Nur Chomeini nicht. Zwei Männer mit Weitblick. Die alte Sowjetunion zerbröselte.

Jetzt scheint Aladin mit seiner Wunderlampe mit am Tisch zu sitzen. Denn Vakili erzählt, dass Chomeini, der von seiner Gabe angerührt gewesen sei, ihm angeblich 400000 Dollar geschenkt habe. Vermutlich weil er ihm weissagte, dass ein enger Freund bei einem Attentat sterben würde — natürlich, so sei es auch gekommen. Und so wie der Dschinn aus Aladins Lampe baut er mit Chomeinis Zuwendung einen großen Wohlstand auf, er führte eine Molkerei, stellte Butter und Käse her. Kaufte Immobilien. Wert heute: drei Millionen Dollar. Sagt Vakili.

Vage bleibt, warum der hellsichtige junge Mann den Iran verließ. Er lebte zeitweilig in München, heute in den USA. In Kalifornien besitzt der Mann mit dem Gefühl für die Zukunft nach eigener Aussage einen Doktortitel in Parapsychologie. Er sei Ontologe. Das Lexikon erklärt dies als Disziplin der theoretischen Philosophie. Er hat Zeitungen dabei, auf Türkisch, Arabisch und Farsi. Auf dem Cover ist Vakili zu sehen. Neben Nostradamus. Dem Wahrsager aus dem 16. Jahrhundert, dessen wolkige auf vieles passende Prophezeiungen bis heute Spökenkieker in aller Welt faszinieren.

Vakili sagt von sich, dass er Berühmtheiten zu seinen Freunden zähle, Larry King, einer der berühmtesten Journalisten gehöre dazu, ebenso Ex-US-Präsident Jimmy Carter und Schauspieler Arnold Schwarzenegger, bei dem er gefühlt habe, dass seine Ehe mit Maria Shriver nicht in Ordnung sei. Zehn Tage später sei herausgekommen, dass Arni ein Kind mit einer Hausangestellten habe. Das führte zu erheblichen Spannungen in der Ehe.

Er nehme von seinen Freunden kein Geld für Beratungen, betont Vakili. Wovon er lebt, lässt er offen: Das sei keine Frage, wenn er etwas brauche, bekomme er es. Er habe viele Freunde. Seine Adresse in Santa Monica zeigt bei Google Earth einen Gewerbekomplex mit einem Schnellrestaurant. Das lässt auf Bescheidenheit bei der Bürowahl schließen.

Wieder schimmert die aufregende Welt von „Tausendundeiner Nacht“ auf. Das Mälzer verklärt sich beinahe in ein Beduinenzelt. Da möchte der Reporter beim letzten Schluck Apfelschorle selbstverständlich wissen, wohin ihn die Karawane des Lebens noch führt. Saeid Vakili lächelt, aber er gibt keine Antwort. Eine Ungewissheit wie im Märchen. Vielleicht hilft nur die Devise des Schriftstellers Erich Kästner: „Das Leben ist immer lebensgefährlich.“ Und manchmal unglaublich wunderbar wie bei Aladin.