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Der Lambertiplatz liegt heute leer da. Vor Jahrzehnten gab es dort eine Tankstelle. In den 60er-Jahren fielen angrenzende Bauten dem Senkungsteufel zum Opfer. Foto: A
Der Lambertiplatz liegt heute leer da. Vor Jahrzehnten gab es dort eine Tankstelle. In den 60er-Jahren fielen angrenzende Bauten dem Senkungsteufel zum Opfer. Foto: A

Warum St. Lamberti verschwand und wo sich noch Spuren finden

ca Lüneburg. Das Salz war ihr Schicksal: St. Lamberti. Die Kirche der Salzherren und ihrer Arbeiter profitierte vom Reichtum, den das weiße Gold schuf. Doch der Salzabbau und die Senkungen besiegelten auch den buchstäblichen Niedergang. 1860/61 brachen Arbeiter des Zimmermeisters Westphal und des Maurermeisters von der Heide das Gotteshaus ab. Es war ein Geschäft für die beiden Unternehmer: Die zahlten 13050 Taler für das Gebäude, durften dafür große Teile zur Wiederverwertung nutzen. Lukrativ war beispielsweise das Kupferdach, aber natürlich auch manche bauhistorische Kostbarkeit.

Das neue Heft der „Aufrisse“ des Arbeitskreises Lüneburger Altstadt (ALA) beschäftigt sich mit der seit anderthalb Jahrhunderten verschwundenen Kirche, an die heute nur noch der große abschüssige Platz erinnert. Autor Hans-Herbert Sellen stöbert Schätzen der dreischiffigen Hallenkirche nach.

Die Stadtarchäologie um Prof. Dr. Edgar Ring hat 1998 und 1999 in der Tiefe nach Spuren der alten Kirche geforscht und fand einige Mauer- und Friedhofsreste. Der Name St. Lambert geht auf einen Heiligen in Maastricht zurück, der 705 oder 706 wegen seines Glaubens sterben musste und als Märtyrer galt. 1269 gibt es eine erste schriftliche Erwähnung des Gotteshauses. Vermutlich kamen Menschen aus dem mittelalterlichen Industriebetrieb Saline in einer Kapelle zum Gebet zusammen. 1277 findet sich ein Hinweis auf das Lamberti-Haus, ein Hospital für altersschwache Arbeiter der Salzproduktion. Als Nachfolger fungiert das Heilig-Geist-Hospital, in dem heute die Heiligengeistschule zu Hause ist.

Um 1300 dürften Handwerker dann mit dem Bau begonnen haben. Immer zerrte und drückte der Boden durch den Salzabbau an der Kirche, denn sie stand an der sogenannten Abbruchkante. Wieder und wieder Reparaturen. Stadtchronist Volger notierte um 1861: Zwischen 1736 und 1738 seien „nach dem Vorschlage des Maurermeisters Haeseler die drei Gewölbe des Mittelschiffes vor der Orgel weggeräumt und durch Holz ersetzt (worden), welches man mit Gips bekleidete, die völlig schief stehenden Pfeiler (hat man) aber bis zum Gewölbe so unterfangen, dass sie ihre jetzige Pyramidengestalt bekamen“.

Es half alles nichts. Das Totenglöckchen läutete der anmutigen Backsteinschönheit — aus Kostengründen. Denn auch St. Nicolai war damals aus baulicher Sicht äußerst bedürftig. Sellen notiert, dass man 1859 den Abriss von St. Lamberti zugunsten der Schifferkirche im Wasserviertel beschloss. Die tote Kirche wird gefleddert.
Sellen wertet alte Unterlagen aus und schreibt, dass beispielsweise ein Sandsteinrelief von 1525 nicht in einem anderen Gotteshaus landet, sondern beim Eisengießereibesitzer und Hotelier Wellenkamp. In der Gartenmauer seines Hauses an der Kalandstraße prangte diese Plastik. Ein 1541 geweihtes Taufbecken hingegen fand seinen Platz in der Johanniskirche.

Ein weiteres Thema im Heft sind Grenzsteine. Der Name sagt es schon, sie markierten zum Beispiel die Grenzen der Stadt, aber auch von Gerichtsbezirken. Heute muss man schon genau hinschauen, um manche der kleinen Steinsäulen zu entdecken. Sellen hat beispielsweise eine Reihe in der Hasenburg ausgemacht, aber auch Auf der Hude am ehemaligen Außenhafen.

Erhältlich ist die Broschüre beim ALA, Untere Ohlingerstraße 7 (Eingang an der Neuen Straße). Zu erreichen ist der ALA unter %267727.

2 Kommentare

  1. Das Foto zeigt doch 4Orten, ging der Lamberti Platz früher bis dort hin?

    • Ich glaube sie sehen etwas schräg. Vierorten ist nach meiner Kenntnis am Ende der Grapengießerstrasse bevor „Auf der Altstadt“ beginnt. Dort wo auch die große Parkpalette ist. Früher war dort daneben die Schaubühne, später Sporthalle des Treubund. An den Lambertiplatz wie er auf dem Bild gezeigt wird kann ich mich so noch gut erinnern.

      Und was rechts im Vordergrund auch interessant ist. Dort verlief die Bundesstrasse 4. Stellen sie sich heute mal den ganzen Verkehr dort vor, der inzwischen über die A39 und die Ostumgehung läuft. Tja. Kurz hinter Lüneburg läuft er jetzt durch Melbeck, Grünhagen, Jelmstorf, Kirchweyhe und quält sich weiter nach Gifhorn und Braunschweig. Eine Verlängerung der Autobahn wäre vielleicht doch nicht so schlecht.