Aktuell
Home | Lokales | Keine Melodie vom Rathausturm
Richard Madla (l.) und Peter Lackmann nehmen die Glocken im Rathausturm ab. Die Mechanik muss gewartet, der Glockenstuhl, also die tragende Konstruktion, erneuert werden. Foto: sp
Richard Madla (l.) und Peter Lackmann nehmen die Glocken im Rathausturm ab. Die Mechanik muss gewartet, der Glockenstuhl, also die tragende Konstruktion, erneuert werden. Foto: sp

Keine Melodie vom Rathausturm

ca Lüneburg. Der Mond muss die nächsten Wochen ohne die Melodien des Lüneburger Komponisten Johann Abraham Peter Schulz aufgehen: Das Glockenspiel auf dem Rathausturm ist verstummt. Das ist zwar im Winter normal, denn in der Frostperiode könnten die 41 Glocken aus Meißener Porzellan Schaden nehmen, wenn die Klöppel anschlagen. Doch in diesem Jahr ist etwas anders als sonst.

Die Monteure Richard Madla und Peter Lackmann haben die Klangkörper abgenommen. Fachleute erneuern die Lederbezüge der Klöppel. Das ist nur eine kleinere Reparatur, deutlich umfangreicher: Der Glockenstuhl, also das Tragwerk, muss erneuert werden.

„Die Holzkonstruktion hat Risse bekommen“, sagt Sarah Cramer von Clausbruch im Rathaus. Die Pressesprecherin der Stadt berichtet, dass Kosten für die Arbeiten mit rund 40000 Euro zu Buche schlagen. Aufgefallen seien die Schäden bei den regelmäßigen Inspektionen.

Das Glockenspiel erklang erstmals in der Silvesternacht 1955/1956. Da begann für Lüneburg ein „Jubeljahr“, die Salzstadt feierte ihren 1000. Geburtstag. Die Landeszeitung notierte damals: „Glockenspiele aus Porzellan gibt es noch nicht einmal seit drei Jahrzehnten. In ganz Deutschland hängen nur drei dieser Wunderwerke aus Porzellan: in Meißen, in der berühmten Böttgergasse am Atlantik-Haus in Bremen, der Stiftung des Kunstmäzens Roselius, und das größte jetzt im tausendjährigen Lüneburg. Professor Börner heißt der Erfinder der ersten Glocke aus dem edlen Material. Er und die Manufaktur in Meißen bewahren das Geheimnis ihrer Formung und Brennerei.“

Immer wieder bedarf das Glockenspiel der Wartung, abgebaut und überholt wurde es beispielsweise auch 1985. Ansonsten reichen meist kleinere Arbeiten, um etwa Rost zu entfernen. Im Frühjahr kann dann wieder eine altbekannte Weise erklingen: „Der Mond ist aufgegangen.“