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Pastor Philipp Graffam, Fördervereinsvorsitzender Hans-Jürgen Rumpf und Kassenwart Manfred Maronde (v.l.) freuen sich, dass das Taufbecken aus dem 15. Jahrhundert nach monatelanger Reparatur zurück in der Lauenburger Maria-Magdalenen-Kirche ist. Foto: wb
Pastor Philipp Graffam, Fördervereinsvorsitzender Hans-Jürgen Rumpf und Kassenwart Manfred Maronde (v.l.) freuen sich, dass das Taufbecken aus dem 15. Jahrhundert nach monatelanger Reparatur zurück in der Lauenburger Maria-Magdalenen-Kirche ist. Foto: wb

Taufkessel kehrt in Lauenburger Kirche zurück

wb Lauenburg. Filigrane Handwerkskunst auf zentnerschwerem Metallwerk — ein Lüneburger Schwergewicht ist jetzt in die Lauenburger Maria-Magdalenen-Kirche zurückgekehrt. Nach monatelanger Reparaturarbeit in der Elmenhorster Bronzegießerei Wittkamp schleppten gleich drei Mitarbeiter des Lauenburger Friedhofs den Bronzekessel, den der Lüneburger Cord Vribusch 1466 goss, am Vormittag durch den Hintereingang in den Altarraum zurück.

Grund für den ungeplanten Ausflug des Taufbeckens im Sommer war ein Missgeschick im Frühjahr: „Mitten im Altarraum steht gewöhnlich der alte Taufkessel. Doch manchmal steht er hier im Weg und wird an den Rand geräumt“, beschreibt Manfred Maronde, Kassenwart des Kirchen-Fördervereins, die Vorgeschichte der Tragödie. Denn beim Verrücken des mehrere Zentner schweren Taufbeckens brach eines der vier Standbeine ab. Die Fachleute in Elmenhorst schweißten die 45 Zentimeter hohe Mönchsfigur wieder an — eine Arbeit, die sich der Förderverein, der die Instandsetzung finanzierte, einfacher vorgestellt hatte, als sie war: „Bei manchen mittelalterlichen Bronzearbeiten sind viele Lufteinschlüsse vorhanden, was Reparaturen sehr schwierig macht. Zum Glück haben Untersuchungen aber ergeben, dass die Bronze des Taufbeckens rein genug ist. Das Bein konnte wieder angeschweißt werden“, erklärt Maronde.

Die vier Trägerfiguren ähneln einem Taufbecken in Munster, die rechteckigen Reliefs am Kessel einem rund drei Jahrzehnte älteren Lüneburger Werk. Auffällig ist eines der drei großen Reliefbilder — die Kreuzigung Christi. Dort wendet sich Johannes mit seinem Gesicht von seinem Herrn ab. Hierfür gibt es ein Vorbild: ein Gemälde aus Holland, gefertigt vom Kunstmaler van Eyck. Das dritte Relief mit der Krönung der Maria könnte eine Eigenkomposition von Vribusch sein. Die Köpfe der Mönche ähneln dagegen jenen in Handorf bei Bardowick. Maronde: „Leider hat das Lauenburger Taufbecken keinen Bodenring, sonst wäre das Missgeschick beim Transport vermieden worden.“

Bis Weihnachten wird das Taufbecken noch am Rande platziert, also nicht seinen Platz direkt vor dem Altar einnehmen — um den geplanten Krippenspielen Raum zu geben. Nach den Feiertagen wird es mit Hilfe eines Hubwagens, wie Pastor Philipp Graffam betont, wieder ins Zentrum gerückt — so wie ein weiteres Projekt des Fördervereins: Möglichst  kommendes Jahr schon soll es dem Marienleuchter — dem mittleren in einer Reihe aus drei  Kerzenhaltern im Kirchengewölbe — an die Farbschichten gehen. Spenden werden hierfür bereits gesammelt. „Die Farbfassung muss dringend gemacht werden“, betont Fördervereinsvorsitzender Hans-Jürgen Rumpf und legt beim Anblick des Leuchters aus dem 15. Jahrhundert die Stirn in Falten: „Der sieht nicht mehr schön aus.“

In der Werkstatt der Lauenburger Restauratoren Gerold Ahrends und Yvonné Erdmann soll unter mehreren Schichten Farbe die ursprüngliche zum Vorschein kommen. Das Besondere an dem Leuchter: Auf der Altarseite ist Maria mit Jesuskind als Himmelskönigin auf der Mondsichel dargestellt, auf der Rückseite eine Anna Selbdritt.  Ein kleinerer gotischer Marienleuchter aus dem 16. Jahrhundert hängt neben der Orgel, die vor zwei Jahren ebenfalls mit Hilfe des Fördervereins instand gesetzt wurde.

Hintergrund
Der Verein der Freunde und Förderer der Maria-Magdalenen-Kirche in Lauenburg/Elbe besteht seit mehr als 30 Jahren. Die größten Maßnahmen, die vom Verein mit finanziert wurden, waren der Wiederaufbau des Turmhelms 1992 und der neue Glockenträger auf dem Friedhof 2003. Die Maria-Magdalenen-Kirche, die unter anderem durch Spenden des Fördervereins erhalten wird, ist eine frühkirchliche Hallenkirche. Über einem Sockel aus Findlingen ragt das Mauerwerk aus Backsteinen auf. Jede Seite schmücken fünf Spitzbogen-Fenster.