Donnerstag , 8. Dezember 2016
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Stammersbrücke war der name der kleinen Holzbrücke, die im Jahr 1909 bei der Rathsmühle die Ilmenau überspannte. Apotheker Ulrich Steiger hat sie als Kalendermotiv für den Monat April ausgewählt. An ihre Stelle ist ein schlichter Neubau getreten. Und wer genau hinschaut, erkennt, dass  die Wegeführung heute eine andere als damals ist. Foto: t&w
Stammersbrücke war der name der kleinen Holzbrücke, die im Jahr 1909 bei der Rathsmühle die Ilmenau überspannte. Apotheker Ulrich Steiger hat sie als Kalendermotiv für den Monat April ausgewählt. An ihre Stelle ist ein schlichter Neubau getreten. Und wer genau hinschaut, erkennt, dass die Wegeführung heute eine andere als damals ist. Foto: t&w

Jahreskalender 2016 von Ulrich Steiger erschienen

us Lüneburg. Wer ihn in die Hand bekommt, fängt sofort an zu blättern — und manchmal auch zu grübeln. Unweigerlich suchen die Jüngeren auf den Aufnahmen des Jahreskalenders der Einhorn-Apotheke nach bekannten, die Älteren eher nach versteckten oder nicht mehr vorhandenen Lüneburger Bauten, Winkeln oder Perspektiven. Auch mit der jetzt vorliegenden Ausgabe für das Jahr 2016 hat Apotheker Ulrich Steiger wieder zwölf städtische Motive in Kalenderform herausgegeben, die Lüneburg in Ansichten zeigt, als die Fotografie noch analog und Fotos noch Seltensheitswert hatten.

Ungewohntes bietet gleich das Kalenderblatt für den Monat Januar. Es zeigt eine Luftaufnahme, in deren Mittelpunkt die Johanniskirche und der 1907 errichtete Wasserturm zu sehen sind. Die Aufnahme selbst muss aber nach 1913 entstanden sein, da das Johanneum bereits seine beiden, in diesem Jahr ergänzten Seitenflügel besitzt. Im Vordergrund erstreckt sich die heutige Schießgrabenstraße, zum Zeitpunkt der Aufnahme noch als Allee mit jungem Baumbestand, die gern an sonntäglichen Nachmittagen als Flaniermeile des betuchten Bürgertums genutzt wurde.

Auch die Stammersbrücke kann man dort erkennen, die kleine Fußgänger-Holzbrücke vom Ende der Wandrahmstraße über die Ilmenau zum Wall an der Friedenstraße, dort, wo viele Jahre die Nordlandhalle stand und kürzlich der Wohnpark am Wasserturm errichtet wurde. Die Holzbrücke findet sich auch auf dem März-Blatt wieder, einer kitschig-schönen, handkolorierten Aufnahme aus dem Jahr 1909. Überhaupt bietet der Kalender viel Farbe fürs kommende Jahr, allein sechs Blätter zeigen das alte und oft verträumt wirkende Lüneburg in bunten Tönen.

Im November lenkt das Kalenderblatt den Blick des Lesers vom Kalkberg aus nach Westen. Während im Vordergrund die mit vier Schornsteinen bestückte Gipsbrennerei und gleich dahinter die hutzelige Gipsmühle auszumachen sind — beide Gebäude sind noch heute vorhanden –, schmiegen sich die ersten größeren Mietshäuser an den Schnellenberger Weg, dessen baumbestandene Allee sich am Horizont dem Gut zuschlängelt, dem die Straße ihren Namen verdankt. Und wer nach rechts schaut, kann mit scharfem Blick die Schule im Grimm mit ihrem typischen Dachreiter erkennen.

Es ist der dreizehnte Kalender in Folge, den Ulrich Steiger seit 2004 heraus- und gegen eine Spende in seiner Apotheke am Sand abgibt. 4000 Exemplare hat er davon drucken lassen, die Spenden kommen wie in jedem Jahr dem „Guten Nachbarn“ zu. „Beim letzten Kalender waren die Lüneburger besonders spendenfreudig“, erzählt der Apotheker. 7300 Euro hat er eingenommen, „eine Rekordsumme“, wie Steiger stolz berichtet. Inzwischen hat die Kalender-Aktion insgesamt mehr als 60000 Euro eingebracht. Die Motive dieses Kalenders wie auch aller vorangegangenen sind auch im Internet unter www.einhorn-apo.net abrufbar. Selbst ältere Ausgaben des Kalenders ab dem Jahr 2007 sind in der Einhorn-Apotheke noch zu haben.

Viele der Kalenderbilder für 2016 stammen aus der Sammlung von Rolf Petrenz, aber auch aus der eigenen Sammlung und aus dem Stadtarchiv sind Motive entnommen. Für den nächsten Kalender werden insbesondere Aufnahmen der westlichen Lüneburger Altstadt rund um die Michaeliskirche gesucht. Steiger hofft deshalb auf weitere Unterstützer. „Wir würden uns freuen, wenn Privatpersonen, Hausbesitzer oder Sammler uns Außenaufnahmen zur Verfügung stellen.“ Gesucht werden Fotos vom Beginn der Fotografie bis etwa 1920.