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Der Neue ist seit gestern im Amt: Claudio Patrik Schrock-Opitz leitet die Marketinggesellschaft. Der Mann aus Ostfriesland beginnt seinen neuen Job, während die Stadt die Sülfmeistertage feiert. Foto: t&w
Der Neue ist seit gestern im Amt: Claudio Patrik Schrock-Opitz leitet die Marketinggesellschaft. Der Mann aus Ostfriesland beginnt seinen neuen Job, während die Stadt die Sülfmeistertage feiert. Foto: t&w

Claudio Patrik Schrock-Opitz: „Evolution statt Revolution“

ca Lüneburg. Der Start ist ungewöhnlich: Die Stadt feiert eines ihrer größten Feste, und der neue Chef des Veranstalters, die Lüneburg Marketing GmbH (LMG) kommt quasi als Zuschauer dazu. Seit dem 1. Oktober ist Claudio Patrik Schrock-Opitz im Amt. Heute, Freitag, starten die Sülfmeistertage, bis Sonntag taucht die Salzstadt ein in die Wettkämpfe rund um das Kopefest. Der Marketing-Mann hat einen so festen Händedruck, der automatisch symbolisiert: Schrock-Opitz, Jahrgang 1966, will seinen Job sehr entschieden anpacken.

Herr Schrock-Opitz, welchen Eindruck haben Sie, wenn Sie jetzt durch die Stadt gehen?
Schrock-Opitz: Interims-Chef Jens Sporleder hat mich heute geführt und den Akteuren vorgestellt. Was ich gesehen habe, begeistert mich. Ich bin dankbar, dass das Veranstaltungs-Team um Mirko Wenzel, die vielen ehren- und hauptamtlichen Helfer sowie die Sponsoren und Gönner so gut vorgearbeitet haben. Ich möchte in den nächsten Tagen alles in mich aufnehmen. Mit seinem Bezug auf die Geschichte hat das Fest etwas Authentisches. Ich kenne das aus Norden, dort gibt es das Wikinger-Lager. Auch hier haben die Menschen einen Blick aufs Detail, die Stände und die Kleidung, das wirkt liebevoll.

Ihr Vorgänger ist gegangen und hat ein Minus hinterlassen. Wie sieht Ihr Start aus?
Schrock-Opitz: Da habe ich eine positive Botschaft. Herr Sporleder und Team haben die bisherigen Veranstaltungen mit einer schwarzen Null abgeschlossen. Alle Veranstaltungen in diesem Jahr sind wirtschaftlich gelaufen. Das ist ein gutes Fundament.

Ihr Etat ist überschaubar. Wie können Sie damit agieren und Neues entwickeln?
Schrock-Opitz: Ich würde sagen, er ist sachgerecht. Aber es gilt zunächst die Devise: Idee ersetzt Budget. Dinge sollen sich rechnen. Also müssen wir Partnerschaften eingehen, zusätzliche Sponsoren finden und binden. Es gilt auch: Evolution statt Revolution. Mit dem Team und den Gesellschaftern werden wir uns die Veranstaltungen anschauen, um das Konzept zu analysieren. Es ist heute zu früh, zu sagen, was Neues kommen kann.

Sie haben Gesellschafter mit widerstreitenden Interessen. Die Schausteller freuen sich über den Weihnachtsmarkt vor dem Rathaus, die Marktbeschicker weichen zähneknirschend. Wie bekommen Sie alle unter einen Hut?
Schrock-Opitz: Da will ich Gespräche führen. Wir müssen auf Augenhöhe sein und mit Augenmaß verhandeln immer zum Wohle Lüneburgs.

Sie sind auch für die Entwicklung des Tourismus zuständig. Die Dauerwerbesendung Rote Rosen schaufelt Touristen in die Stadt. Werden es irgendwann zu viele?
Schrock-Opitz: Bei den Gästen und Übernachtungen sehe ich noch Luft. Es gab bis Juli 2015 ein Plus von gut sieben Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Ich möchte gerne unter anderem Kreuzfahrtreedereien ansprechen, die in Hamburg festmachen. Tagestouren per Bus müssen nicht nur nach Berlin oder Bremen gehen, die können sehr gerne auch in Lüneburg die Autobahn verlassen. Die Stadt hat sieben Millionen Tagestouristen im Jahr. Die bringen dem Handel und der Gastronomie Wertschöpfung. Davon profitiert die Region. Ausbaufähig sind zum Beispiel die Wohnmobil-Tage, da könnte man Hersteller gewinnen, die sich präsentieren. Die Herren schauen sich die Fahrzeuge an, die Damen nutzen das Wellness-Programm im SaLü oder umgekehrt.

Wie schaut es für Sie persönlich aus, haben Sie eine Wohnung gefunden?
Schrock-Opitz: Ja, drei Kilometer von meinem Arbeitsplatz entfernt. Meine Partnerin kommt später hinzu, mein Sohn und meine Tochter sind inzwischen erwachsen und haben ihre Lebensplanung andernorts gestartet.

Haben Sie schon einen Lieblingsplatz entdeckt?
Schrock-Opitz: Ich mag den Hafen mit dem Alten Kran und die Gastronomie. Da sitze ich gerne. Aber Lüneburg hat ja mehr zu bieten, das Drei-Sparten-Theater, die Museen, eine runde Sache, mit der man auch werben kann.