Donnerstag , 8. Dezember 2016
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Spielen verbindet: Hannah Ohlendorf und Eva Sommerfeld (beide 14) haben mit Greta (7), Ali (6) und Maschda (13) Spaß bei einer Runde Mensch ärgere Dich nicht. Martina Forster von der St. Mariengemeinde, Feras Aldakhlallah, Michael Bielawny vom Vorstand der Kolpingfamilie und Mohammed Saiid (hinten v.l.) schauen zu. Foto: t&w
Spielen verbindet: Hannah Ohlendorf und Eva Sommerfeld (beide 14) haben mit Greta (7), Ali (6) und Maschda (13) Spaß bei einer Runde Mensch ärgere Dich nicht. Martina Forster von der St. Mariengemeinde, Feras Aldakhlallah, Michael Bielawny vom Vorstand der Kolpingfamilie und Mohammed Saiid (hinten v.l.) schauen zu. Foto: t&w

Zu Gast im Café International

as Lüneburg. Vor drei Monaten ist Feras Aldakhlallah nach Lüneburg gekommen und lebt seitdem in der Flüchtlingsunterkunft in Rettmer. Am vergangenen Sonnabend ist der Syrer einer der rund 50 Gäste, die sich im „Café International“ im Gemeindehaus der katholischen Gemeinde St. Marien eingefunden haben. Bei Tee, Kaffee, süßem und salzigem Gebäck tauschen sich die Flüchtlinge, die aus verschiedenen Ländern kommen, aus und nutzen die Möglichkeit, mit ihren Gastgebern Deutsch zu sprechen beziehungsweise zu lernen. Organisiert haben das Café Ehrenamtliche der Kolpingfamilie und der St. Mariengemeinde.

Feras Aldakhlallah hat etwas auf dem Herzen. Aber nach drei Monaten ist sein Deutsch natürlich noch nicht so gut. Neben Arabisch spricht er Französisch. Michael Bielawny, der zum Vorstand der Kolpingfamilie Lüneburg gehört, übersetzt, dass sich der Syrer im Namen der anderen für die Einrichtung des Café International bedanke. Und dann rollt der 38-Jährige ein Plakat auf und hält es mit einem strahlenden Lächeln hoch. Darauf steht: Syrische und irakische Flüchtlinge in Deutschland zeigen dem deutschen Volk Dank und Anerkennung für den herzlichen Empfang und wünschen ein fröhliches Weihnachtsfest. Unterzeichnet ist mit Camp Rettmer. Der Großteil der Gäste kommt daher.

Den Anstoß für das Café gab es Ende April. Damals hatte sich die Kolpingfamilie, ein katholischer Verbund, der sich sozial engagiert, im Gemeindehaus von St. Marien zu einem informativen Abend zum Thema „Flüchtlinge und Asylbewerber in Lüneburg“ getroffen. Schnell war klar, man wollte etwas tun. „In Winsen gibt es so ein Angebot bereits seit zwei Jahren. Dort haben wir uns von den Erfahrungen berichten lassen“, sagt Michael Bielawny. Den Flüchtlingen einen Ort der Begegnung zu schaffen, wo sie auch die Möglichkeit haben, Deutsch zu sprechen, war die Intention. „Handzettel wurden im Vorfeld in allen Unterkünften verteilt. Da Frau Bendorf sehr aktiv ist, kommen viele aus Rettmer.“ Carmen Maria Bendorf ist Ortsvorsteherin von Rettmer, gehört aber auch zur Mariengemeinde und damit zu den rund 20 Ehrenamtlichen, die sich im Café engagieren.

Erstmals öffnete das „Café International“ am 17. Oktober, seither gibt es das Angebot immer am 1. und 3. Sonnabend des Monats von 14 bis 16 Uhr im Gemeindehaus von St. Marien. Durchschnittlich kommen 50 bis 60 Flüchtlinge. An jedem Tisch sitzen Ehrenamtliche, die anhand eines Buches anbieten, ein bisschen Deutsch zu lernen. Doch das ist kein Muss, betont Bielawny. Wer kommt, um einfach nur Spaß und Unterhaltung zu haben, ist genauso herzlich willkommen.

Majd Ottmann (15) beherrscht die deutsche Sprache schon ziemlich perfekt. Vor sechs Monaten ist der Syrer mit seinem 22-jährigen Bruder nach Lüneburg gekommen. Er habe gleich die Oberschule am Wasserturm besucht, ist außerdem dem Jugendrotkreuz in Rettmer beigetreten. Majd ist glücklich. Vor einem Monat sind seine Eltern und Schwester Maschda (13) angekommen. Gemeinsam leben sie nun im Familien-Container im Camp Rettmer. Gemeinsam besuchen sie das Café International. Mit der Verständigung ist es für Maschda noch schwer, aber beim Spielen überwindet man bekanntlich Sprachbarrieren. Die 13-Jährige hat sich zu Ali (6) und Greta (7) dazugesellt, die mit Eva Sommerfeld und Hannah Ohlendorf eine Partie „Mensch ärgere Dich nicht“ spielen. Auch für die beiden 14-jährigen Lüneburger Schülerinnen ist es schöne Selbstverständlichkeit, sich an diesem Nachmittag zu engagieren. „Wir möchten, dass sich die Flüchtlinge aufgehoben fühlen“, so ihre Motivation. Und ihre Erfahrung: Übers miteinander Spielen lernt man auch den anderen kennen. Von Alis Mama Noor Hussien Atiya haben die deutschen ehrenamtlichen Helferinnen in der Küche übrigens auch etwas gelernt. Die 26-Jährige hat sie in die arabische Teezubereitung eingeweiht.

Wer das Projekt ehrenamtlich oder mit einer Spende unterstützen möchte, sendet eine Mail an cafeinternational@kath-kirche-lg.de