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Insgesamt 109 Stoffbeutel haben Schülerinnen der Georg-Sonnin-Schule genäht und sie mit Hygieneartikeln des täglichen Bedarfs gefüllt. Jetzt haben sie an den Ehrenamtskoordinator der Stadt Lüneburg, Martin Boeing, übergeben. Foto: t&w
Insgesamt 109 Stoffbeutel haben Schülerinnen der Georg-Sonnin-Schule genäht und sie mit Hygieneartikeln des täglichen Bedarfs gefüllt. Jetzt haben sie an den Ehrenamtskoordinator der Stadt Lüneburg, Martin Boeing, übergeben. Foto: t&w

Aktion „Sew a smile“ zieht Kreise

emi Lüneburg. Von Bad Tölz bis Berlin, von Freiburg bis Flensburg: Rund 2000 Menschen in Deutschland sind derzeit im Nähfieber — sie gestalten Stoffbeutel für Flüchtlinge, in denen diese ihre Habseligkeiten verschließen und auf dem Rücken transportieren können. Die bundesweite Aktion „Sew a smile“ (Deutsch: „ein Lächeln nähen“) ist jetzt auch an den Berufsbildenden Schulen (BBS) in Lüneburg angekommen.

24 Schülerinnen der einjährigen Berufsfachschule Textiltechnik und der Sprachlernklasse an der Georg-Sonnin-Schule (BBS II) haben innerhalb von drei Wochen 109 Beutel genäht und sie mit Hygieneartikeln gefüllt. Jetzt wurden die „Smilebags“ an den Ehrenamtskoordinator der Stadt Lüneburg, Martin Boeing, übergeben, der sie direkt weiter zur Turnhalle der Berufsbildenden Schulen fuhr. In der neuen Notunterkunft sind inzwischen die ersten Flüchtlinge angekommen.

Den Anstoß, an der Aktion teilzunehmen, gaben bei den Schülerinnen der einjährigen Berufsfachschule Textiltechnik die bewegenden Fluchtgeschichten ihrer damaligen Klassenkameradinnen: „Die Schülerinnen aus Syrien haben erzählt, wie ihre Väter Geld zusammengekratzt haben und mit Kindern und Frauen in eine winzige Nussschale gestiegen sind“, erzählt Fachpraxislehrerin Anne Thurau. „Am Ende der Geschichte haben alle geheult.“ Thurau hatte im Internet von dem bundesweiten Nähprojekt gelesen. Als sie es ihren Schülern vorstellte, war die Begeisterung groß. Schnell nahm die Aktion Fahrt auf.

Die Stoffe und Kordeln für die Produktion der Smilebags wurden unter anderem von den Firmen „Alles für Selbstmacher“ aus Hamburg und „Baumeister“ aus Lüneburg gespendet. Für die Kinder nähten die Textiltechnik-Schüler kleine Beutel, für ihre Mütter farblich dazu passende größere, die Stofftaschen für die Männer wurden eher schlicht gehalten.

Lisa Schmidt war sofort von der Aktion überzeugt. „Wir wussten, dass den Neuankömmlingen Taschen oder Koffer fehlen“, sagt die 17-Jährige. Häufig können die Flüchtlinge die Kleidungsstücke und Hygieneartikel, die sie von den Helfern bekommen, nicht mitnehmen oder müssen sie in Plastiktüten transportieren. „Das hat uns gezeigt, dass man helfen muss.“

Nachdem die Schülerinnen mehr als 60 Taschen fertiggestellt hatten, arbeiteten sie auch die Schüler der Sprachlernklassen BVT-A und BVT-B um Lehrerin Regina Rydzyk in die Produktion ein. Eine ganz neue Herausforderung für die Sprachschüler. „Am Anfang war es ein bisschen schwierig“, sagt Gorica Jovic, „aber dann wurde es immer leichter. Das hat sehr viel Spaß gemacht.“

Schließlich steckten die Jugendlichen Shampoo und Duschgel, Zahnpasta und Zahnbürsten — Lehrer hatten dafür gespendet — in die Beutel, zogen die Kordeln zu und übergaben sie an Martin Boeing. Der Ehrenamtskoordinator war beeindruckt: „Dass eine Sprachlernklasse beteiligt war, zeigt, dass hier schon etwas zusammenwächst. Die Aktion ist wichtig, um etwas zur Willkommenskultur beizutragen. Ich fände es schön, wenn hieraus eine kleine Kooperation erwächst.“ Dagegen hätten auch die Schülerinnen sicher nichts einzuwenden.

Mehr zur Aktion „Sew a Smile“ sowie eine Näh-Anleitung gibt es auf www.sewasmile.de im Internet.