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Ein Wolf, aufgenommen an einem frühen Morgen auf dem Truppenübungsplatz Munster Nord: Das Territorium des dort ansässigen Rudels reicht bis in die Samtgemeinde Amelinghausen im Landkreis Lüneburg. Foto: nh/nabu/jürgen borris
Ein Wolf, aufgenommen an einem frühen Morgen auf dem Truppenübungsplatz Munster Nord: Das Territorium des dort ansässigen Rudels reicht bis in die Samtgemeinde Amelinghausen im Landkreis Lüneburg. Foto: nh/nabu/jürgen borris

Wolf zum Abschuss freigeben? — Podiumsdiskussion in Oedeme

cec Lüneburg. Ginge es nach Redezeitanteil während der Podiumsdiskussion im Gymnasium Oedeme, hätte der Wolf in Niedersachsen vermutlich schlechte Karten. Zum Thema „Ist der Wolf ein willkommener Heimkehrer oder eine wilde Bestie?“ hatten die Schüler vier Experten eingeladen. Kaum von ihnen zu bremsen in seinem Redefluss war Wendelin Schmücker, Vorstandsmitglied bei der Vereinigung Deutscher Landesschafszuchtverbände (VDL), der mit Aussagen polarisierte wie „Wenn es so weitergeht, haben wir hier bald keine Weidetiere mehr und müssen uns das Essen woanders suchen“ über „Wenn man alle Weiden in Niedersachsen wolfssicher einzäunen würde, würde das 156 Millionen Euro kosten“ bis hin zu „Ein Wolf frisst ein Kilo Fleisch am Tag. Wenn man bedenkt, dass in anderen Teilen der Welt Kinder hungern, müssen wir uns fragen, ob wir das tragen wollen“.

Gemäßigter in ihren Äußerungen zeigten sich seine Diskussionspartner, Wolfsberater Uwe Martens, Jäger Peter Burkhardt und Schäfer Thomas Rebre, so dass Lehrer und Schüler im Publikum am Ende insgesamt ein ausgewogenes Bild über die Situation in Niedersachsen erhielten. Nach Schätzungen leben hier 65 bis 70 Wölfe – in sieben Rudeln plus einige Wanderwölfe.

Neben Revierverhalten, Vor- und Nachteilen der Wiederansiedlung, Folgen der Wolfswiederkehr für Schäfer und Tierwelt drehte sich die Diskussion vor allem um sogenannte „Problemwölfe“, die mit Negativschlagzeilen ein schlechtes Licht auf die gesamte Art werfen: In Goldenstedt im Landkreis Vechta macht derzeit eine Wölfin von sich reden, die binnen eines Jahres mehr als 100 Nutztiere gerissen haben soll. Abschießen oder nicht?

Thomas Rebre: Für den Schäfer ist die Rückkehr der Wölfe bislang unproblematisch. Mit der Wiederansiedlung hat er seine Strategie geändert, baue nicht mehr Zäune, damit die Schafe nicht ausbrechen, sondern, damit die Wölfe nicht einbrechen. „Wir haben seit 2003 die Schutzmaßnahmen intensiver ausgebaut. Bauen Elektrozäune, die höher sind.“ Der Schäfer bekomme von den Wölfen kaum etwas mit, sehe sie nie. „Wenn ich morgens zu meinen Schafen komme, weiß ich sehr genau, ob nachts etwas gewesen ist. Ich habe auch mal eine Kamera aufgehängt, zu sehen waren Mufflons, Rehe, Touristen, aber keine Wölfe.“ Dem Ruf nach dem Staat setzt er Eigenverantwortung entgegen: „Jeder kehre vor seiner eigenen Tür. Viele Kleinschafhalter schützen ihre Tiere nicht ausreichend. Man darf nicht nur über Problemwölfe schimpfen, sondern muss auch selber handeln.“ Auch wenn die Nachteile der Wölfe oft beschrien würden – „kosten Geld, machen Arbeit, fressen alle Rehe weg“ – spricht er ihnen ein Existenzrecht zu: „Denn für den Artenschutz ist das eine tolle Sache.“

Wendelin Schmücker: Der Berufsschäfer berichtete von einem landwirtschaftlichen Betrieb in Wietzendorf (Heidekreis), auf dem die Wölfe tagsüber über den Hof liefen und für Unsicherheit sorgten: „Das Kind darf nicht mehr über den Hof gehen, um die Großmutter zu besuchen.“ Die Familie habe sich extra ein Quad angeschafft, um die Wölfe zu vertreiben. Angesichts solcher Beispiele seien die laxe Haltung seitens der Bundes- und Landesregierung zu beklagen: „Solche Fälle werden in zunehmender Weise vorkommen“, glaubt Schmücker, „und es gibt keinen Plan.“ Lediglich die Zäune für bessere Sicherungsmaßnahmen zu bezuschussen, sei der falsche Weg. „Die Folgekosten, die tägliche Arbeitsleistung, sind viel höher, diese müssten erstattet werden.“ Auch seien 15 000 Euro Ausgleich für gerissene Tiere im Zeitraum von drei Jahren zu mager: „Die haben die Goldenstedter bereits jetzt geknackt.“ Die wirtschaftliche Schmerzgrenze vieler Schäfer sei erreicht, für die sich die starken Absicherungsmaßnahmen nicht mehr rentierten. Von einst 120 000 Schafen in Sachsen beispielsweise seien heute nur noch 70 000 geblieben. „Die Schafe werden das erste sein, was aus der Kulturlandschaft verschwindet, der Wolf holt sich aber auch Rinder und Pferde.“ Schmücker plädiert dafür, gefährliche Wölfe zum Abschuss freizugeben: „Problemwölfe müssen sofort entnommen werden.“

Peter Burkhardt: Der Jäger sieht im Wolf im Bereich Lüchow-Dannenberg einen aus forstlicher Sicht begrüßenswerten Mitjäger bei dem Ziel, wieder stabile Laub-Mischwälder aufzuforsten. „Wir haben hier so viel Wild, dass nicht ins Gewicht fällt, was der Wolf jagt.“ Auch sei er willkommener als Waschbären, Marderhunde oder nordamerikanische Nerze, die viele heimische Tiere verdrängten. Die angebliche Rückkehr sei zudem kein neues Phänomen. „Die sind immer mal wieder da. Im Bereich Gartow-Gorleben haben wir Nachweise von 1949.“ Die Aufnahme ins Jagdrecht bringt in den Augen Burkhardts nichts, besser sei es, einzelne Wölfe zu entnehmen. „Denn es sind immer wieder dieselben Tiere, Schafsspezialisten, die auffällig werden.“ Die Ausgangssituation für Wölfe sei in Niedersachsen regional sehr unterschiedlich, in Goldenstedt kämen ungünstige Faktoren zusammen: Zum einen gebe es zu wenig Beute in der Natur, zum anderen seien die Schafe leicht zu erbeuten. „Nehmt endlich die Wölfin da weg, dann haben wir die Diskussion nicht mehr.“

Uwe Martens: Würde der Herdenschutz ausreichend intensiviert, könnten auch die Goldenstedter mit den Wölfen leben, ist sich der Wolfsberater sicher. Auch er spricht sich dafür aus, Abschussmöglichkeiten zu schaffen. „Generell müssen Menschen überall auf der Welt gefährliche Tiere töten dürfen. Wir können nicht erwarten, dass der Inder mit dem Tiger lebt, wenn wir nicht mit dem Wolf klarkommen.“

15 Kommentare

  1. dieses thema wird uns bestimmt noch verfolgen, solange es wölfe gibt. welch ein glück, für den wolf, wenn er nicht bruno heißt.sonst wäre er schon tot. wenn bei uns alles erschossen werden soll, was angeblich probleme bereitet, gäbe es ein mordsgeballer und nirgendwo wäre es mehr sicher. der förster sollte schon mal damit anfangen, entweder die wölfe zu vegetarier umzuerziehen, oder sie zumindest wärend der brut und setz-zeit an die leine zu legen. die wildschweine gleich mit. und den rehen sollte er mal erklären, wann sie über die strasse laufen dürfen. immer wenn ein auto kommt, vorher nach links und dann nach rechts schauen, könnte man den rehen doch beibringen, oder? und die hölzernen dreibeine an den strassenrändern müsste man nachts dringends beleuchten, damit der autofahrer auch weiß, wie er zu fahren hat.

  2. Rüdiger Bultmann

    Dämonisieren ist ein teuflisches Spiel. Wendelin Schmücker, so wie Sie ihn hier beschrieben haben, hört bestimmt auf den Zweitnamen Lydia Bundeskasper. Hauptsache, ein Erregungsthema gestattet ihnen, ihre zusammengepülschten Mosersüppchen vor großem Publikum ganz heiß aufzukochen, um sie anderen stundenlang ins Ohr zu löffeln, dann sind solche Leute in ihrem Element. Lasst endlich die paar harmlosen Wölfe in Ruhe! Es gibt keinen anderen Teufel als den, den wir in unserem eigenen Herzen haben.

    • Lieber Herr Bultmann,
      so unentspannt heute? Es ist doch Weihnachten!
      Aber es scheint Ihnen wie Ebenezer Scrooge zu gehen – sind sie auch zu anderen Zeiten so verkrampft?
      Der Mann hat doch nur seine Sichtweise geschildert – das darf er doch noch.
      Sie müssen ihn deshalb nicht gleich runterbellen.

      Es hätte gereicht zu schreiben :
      Dämonisieren ist ein teuflisches Spiel.
      Lasst endlich die paar harmlosen Wölfe in Ruhe!

      Damit hätten Sie – ohne persönlich zu werden – Ihre Meinung kundgetan.

  3. Wie gut sollen die Goldenstedter den noch aufrüsten ? Schäfer Tino Barth hat die Vorgaben schon um 100% übertroffen und ihm werden trotzdem Schafe gerissen. Und was passiert ? Nichts außer lauter verbaler Absichtserklärungen und leerer Worthülsen und Vertröstungen.
    Schäfer, die keinen Wolf im Umfeld haben, können fein Werbung machen. Schade, dass Herr Barth oder andere Betroffene, die schon Opfer von Wolfsrissen wurden, nicht zu dieser Diskussion geladen wurden.

    • Kerstin, wenn so was wieder stattfindet, würden sie mich auch einladen? ich bin ein menschen und tierfreund, gehöre keiner lobby an und kann selbständig denken. ist so was erwünscht?

  4. Na ja, Herr Bruns, auch wenn Vergleiche immer hinken: aber nehmen wir mal an, Einbrecher haben schon drei mal ihr Heim ausgeraubt, obwohl sie mit teuren Maßnahmen alles versucht haben, es sicher zu machen. Da der Staat das Gewaltmonopol hat, würden Sie die Polizei in der Pflicht sehen, für eine gewisse Sicherheit zu sorgen. Würden nun die Einbrecher gefasst, würden Sie sicher darauf hoffen, dass man sie für einige Zeit einsperrt, damit die Schäden nicht immer größer werden. Einen frei lebenden Wolf kann man nicht in ein Gehege sperren, deshalb gibt es das Konzept der finalen Entnahme. Selbst, wenn Sie Veganer sein sollten, werden auch Ihretwegen Tiere getötet, kein Mensch kann sich dem entziehen. Weshalb muss man also die Entnahme eines nicht händelbaren Exemplars dramatisieren. Dann ist es schon eher ein Drama, welche psychischen Folgen ein Wohnungseinbruch für die Betroffenen hat, nämlich gravierende. Nicht anders geht es den Weidetierhaltern, die miterlebt haben, wie Beutetiere mit durchbissenen Kehlen, heraushängenden Därmen, tiefen Fleischwunden röchelnd da liegen und noch dazu vielleicht in Elektronetzen hängen, durch die noch alle paar Sekunden ein Stromschlag kommt. Dass Präventionsmaßnahmen auf die Dauer wirksam sind, hat sich als Märchen erwiesen. Fakt ist zudem, dass es einerseits nicht möglich ist, sämtliche Weidetiere in Deutschland wolfssicher einzuzäunen und andererseits dem Natur- und Artenschutz eklatant zuwider laufen würde.

    • Tierhalter
      Fakt ist zudem, dass es einerseits nicht möglich ist, sämtliche Weidetiere in Deutschland wolfssicher einzuzäunen und andererseits dem Natur- und Artenschutz eklatant zuwider laufen würde.
      Wie artgerecht sind denn 3 1/2 monate leinenpflicht? wer nimmt da rücksicht auf hunde? übrigens, der schlachthof ist voll mit opfern der menschen. wer regt sich da auf?

    • Tierhalter
      was sie so schön plastisch beschrieben haben, können sie regelmäßig im schachthof bewundern. und nur, weil jeder an sich selbst denkt, ist noch lange nicht an alle gedacht. ich bin kein veganer, aber jemand , der sein fleischkonsum stark eingeschränkt hat, weil ich eben weiß, wie verlogen bei uns argumentiert wird. oder werden die weidetiere bei uns tot gekuschelt? auf der speisekarte können sie ihre lieblinge wiederfinden. und nur, weil der wolf schneller war, als wir, wird sich aufgeregt? natürlich nicht. auch hier geht es nur ums geld und nicht um das tier.

    • wie Beutetiere mit durchbissenen Kehlen, heraushängenden Därmen, tiefen Fleischwunden röchelnd da liegen
      alle achtung, so zäh sind weidetiere? wer hätte das gedacht.

  5. Schützt die Tierhalter vor Ahnungslosigkeit und Angsthasen

    Alles, was Sie schildern, KÖNNTE so sein, wenn es vorkäme. Tut es aber nicht. Sie malen den Teufel an die Wand, weil Sie auch zu den „Bundeskaspern“ gehören. Herr Bultmann hatte es oben schon ausgeführt, das sind Leute, die herumrennen und schwarz malen, weil sie ganz generell eine übertrieben pessimistische Erwartungshaltung haben; immer und überall das Schlimmste befürchten und es damit selbst eigentlich erst heraufbeschwören. (Denken Sie an die weit überdurchschnittlichen Scheidungsraten unter AfDlern.)

    Ich sage: Herzlich willkommen, Canis lupus! Die Angst, dass ein Wolf hierzulande Menschen zu nahe kommen oder gar bedrohen könnte, entspringt purer Hysterie und peinlicher Unwissenheit.Wer sich vor Isegrim fürchtet, sollte nicht die Polizei rufen, sondern zum Psychiater gehen oder seine Wohnung nicht mehr verlassen. Es könnte ihm ja der Himmel auf den Kopf fallen. Wölfe müssen den Menschen – aus gutem Grund – meiden. Der angeblich mit Verstand begabte Mensch hat diese wunderbaren Lebewesen im Unverstand in unseren Breiten vollständig ausgerottet. Es ist endlich an der Zeit, dieses unverzeihliche Verbrechen an unseren Mitgeschöpfen wiedergutzumachen und den Tieren eine neue, geschützte Heimat zu geben.

    Wer mit einer großkalibrigen Flinte durchs Unterholz stapft und ein unschuldiges, überaus seltenes Tier meuchelt – ob aus Absicht oder Versehen –, muss hart bestraft werden. Keine Gnade mit Kreideberg und Lopausee-Pistoleros, kein Verständnis für Angsthasen und Querulanten. Der Wolf gehört in unsere herrlichen Wälder – je früher, je mehr, desto besser. Dass ein einsamer Wolf im Hasenburger Wald, in der Region Bienenbüttel bzw. Medingen oder in der Göhrde einem Wanderer gefährlich werden könnte, ist im Übrigen genauso wahrscheinlich, wie Rotkäppchen in einem Supermarkt zu begegnen, in dem der „große böse Wolf“ an der Fleischtheke Schnitzel verkauft.

    Der Generalverdacht gegen unsere Wölfe ist übelste mittelalterliche Hetze.

    Markus Brauer

  6. @Markus Brauer

    Sie haben gerufen? Da bin ich.

    Wie verbissen muss man sein, wenn man es nicht einmal hier lassen kann?
    Dieses Phänomen ist aber bei den Kommentatoren durchgängig zu beobachten – also hoffentlich kein Krankheitsbild.

    Mein Großvater sagte auch immer: Wer sich in die Gefahr begibt, kommt darin um.

    Also sprechen wir in Zukunft nicht mehr über unsere „Besorgnis“, sondern denken nur noch positiv.
    Das wird es richten!

    Schöne neue Welt.

    • Herrje, immer wieder dieselbe unsägliche Paranoia in Bezug auf Tiere, die uns und unseren Lieben (potentiell) gefährlich werden können.
      Als pauschale Lösung rufen die Angsthasen immer „Tötet es!“ – das ist aber doch irrational und unausgegoren. Denn wenn sich die Damen und Herren der Tötet-denWolf-Lobby mal die Statistiken anschauen würden, dann sollten sie zu allererst mal das Auto sofort verbieten. Wie viele Kinder werden pro Jahr durch Autos getötet oder verletzt? Und auch mindestens dieselbe Menge Schafe, Rehe, Pferde, Kühe. Seltsamerweise schreit da niemand, denn es ist ja so bequem, wenn man selber fährt. Es sind immer die anderen, die weg müssen. Und wie hoch ist die Anzahl der Tiere, die von wildernden Hunden und Katzen getötet werden? Interessiert niemanden, oder?

      Es wäre schön, wenn man das Ganze mal sinnvoll in Relation rücken würde und die Emotionen aussen vor ließe. Ja, es ist durchaus so, dass Wölfe mal Schafe reissen. Aber die Schäfer müssen auch selber dafür sorgen, dass die Schafe geschützt werden. Kostet Geld? Ja, klar! Aber das ist, mit Verlaub, Cost of doing Business. Und wenn es nicht reicht, dann ist die Schafhaltung halt ein Geschäft, welches als Lebenserwerb nicht taugt. Das haben Küfer und Korbmacher auch schon mitgemacht und sich etwas anderes gesucht.

      Kommt mal alle aus eurer Rotkäppchenwelt (und aus der der-Wolf-ist-edel-Welt) und schaut nüchtern auf die Sache: der Wolf ist ein sinnvoller Teil dieser Welt, hat aber auch Nebenwirkungen. Genau wie Autos, Heizungen und Medizin. Die will ja auch keiner abschaffen – oder?

  7. in erster linie sind es schäfer, die stimmung gegen den wolf machen. kann man in norwegen gut erkennen. schafe sind dumm, dank des menschen. deren instinkte sind verkümmert. deswegen halten schweden schafe hinter zäunen und haben hütehunde. norweger lassen ihre schafe in der wildnis frei rumlaufen und ballern deswegen gern jeden wolf ab. in schweden gibt es hunderte wölfe und norwegen ca 2 dutzend. was sagt uns das? ist der mensch dämlich, bekommt es das tier zu spüren.

  8. Cottbus (dpo) – Bislang hielten Forscher die Rückkehr des Wolfes in deutsche Wälder für ungefährlich. Doch was nun in der Lausitz geschah, dürfte selbst die Lüneburger Verteidiger des Raubtieres zum Umdenken zwingen. In der Brandenburger Gemeinde Drehnow im Norden von Cottbus soll ein besonders hinterhältiges Exemplar eine Frührentnerin gefressen, sich dann als ebenjene ausgegeben und anschließend auch deren Enkelin verschlungen haben. Außer dem Wolf, der bei dem Vorfall zu Tode kam, wurde glücklicherweise niemand verletzt.

    Zuvor soll die kleine Marie Müller (8) laut Polizeibericht von ihrer Mutter Mandy Müller (25) mit einer Flasche Wein und Gebäck zum Haus ihrer Großmutter (42) geschickt worden sein. Gegen Mandy Müller prüft die Staatsanwaltschaft derzeit rechtliche Schritte wegen Vernachlässigung der elterlichen Sorge. „Ein Kind mehrere Kilometer durch den Wald zu schicken, ist grob fahrlässig – erst recht, wenn es dazu missbraucht wird, um Alkoholika zu transportieren“, erklärte ein Polizeisprecher.

    Die Ermittlungen ergaben, dass sich der Wolf auf bislang noch ungeklärte Weise Zugang zum Haus der Großmutter verschafft hat. Anschließend muss er die wehrlose Frau gefressen und ihre Kleidung angelegt haben – beides Verhaltensweisen, die Wölfe normalerweise nicht an den Tag legen.

    Bislang ist zudem noch ungeklärt, wie es dem Tier gelungen sein soll, mit seinen Pfoten die Knöpfe an der Kleidung der Frührentnerin zu schließen.

    Die Kleidung der Großmutter dürfte dem Wolf anschließend dabei geholfen haben, die inzwischen am Haus angekommene Marie Müller zu täuschen und ebenfalls zu fressen.

    Tiermediziner gaben zu Bedenken, dass dies der erste Fall ist, in dem ein Wolf seine Opfer lebend verschlungen hat. „Es ist uns ein Rätsel, wie es dem hundegroßen Tier gelungen ist, ein Kind und eine ausgewachsene Frau komplett zu verschlingen, ohne ihnen auch nur die geringste Verletzung zuzufügen oder dabei schlicht zu platzen. Immerhin ist ein Wolfsmagen kaum größer als ein Fußball. Auch müsste er dabei seinen Kiefer ausgerenkt haben wie eine Schlange.“

    Nur durch das beherzte und heldenhafte Eingreifen eines aufmerksamen Nachbarn konnten die Frau und das Mädchen gerettet werden. Der 45-jährige Forstbeamte wartete nach eigenen Angaben den Mittagsschlaf des Tieres ab, befreite Großmutter und Kind durch gekonnte Schnitte am Bauch des Wolfes, legte stattdessen Steine hinein und nähte ihn wieder zu.

    Der Wolf soll – obwohl nur wenige Minuten zuvor eine Operation mit medizinisch nicht geeignetem Gerät an ihm durchgeführt wurde – wenig später den Tatort verlassen haben und in einen nahegelegenen, nicht ordnungsgemäß abgedeckten Brunnen gestürzt sein.

    Mehrere Bürgerinitiativen fordern nun, dass Wölfe in Deutschland wieder zum Abschuss und damit zur Ausrottung freigegeben werden, damit sich ein derartiges Drama nicht wiederholt.

    Quelle: http://www.der-postillon.com/2015/04/brandenburg-als-gromutter-verkleideter.html