Donnerstag , 8. Dezember 2016
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Kurt Moehring (l.) und Bauherr Onur Cetin betrachten die Lage im Keller: Tragende Wände hängen in der Luft, Balken sind verrottet, der Untergrund hat nachgegeben. Fazit: Das Haus ist nicht zu retten. In den oberen Geschossen gibt es nur noch wenige Fenster und Türen, die unter den Denkmalschutz fallen. Foto: t&w
Kurt Moehring (l.) und Bauherr Onur Cetin betrachten die Lage im Keller: Tragende Wände hängen in der Luft, Balken sind verrottet, der Untergrund hat nachgegeben. Fazit: Das Haus ist nicht zu retten. In den oberen Geschossen gibt es nur noch wenige Fenster und Türen, die unter den Denkmalschutz fallen. Foto: t&w

Denkmalgeschütztes Haus an der Egersdorffstraße ist nicht zu retten

ca Lüneburg. Das Haus an der Egersdorffstraße ist nicht zu halten, die Schäden sind so massiv, dass es in den nächsten Wochen abgetragen werden muss. Es besteht Einsturzgefahr. Das ist das Fazit einer Runde, die jetzt in dem ehemaligen Friseursalon zusammenkam: Vertreter der Stadt, Eigentümer sowie Gutachter. Wie berichtet, hatten Verwaltung und Eigentümer den Gehweg aus Sicherheitsgründen absperren lassen.

Dass es Probleme am Gebäude gibt, weiß die Bauverwaltung seit Anfang des Jahres. Kunden des Friseurs hätten sich gemeldet, von Neigungen des Bodens erzählt, schildert Stadtbaurätin Heike Gundermann. Die Stadt habe sich mit dem damaligen Besitzer in Verbindung gesetzt, sich die Lage angeschaut und Gutachten zur Standsicherheit und zum Zustand der Kon­struktion des Fachwerkbaus gefordert. Der Mann verkaufte das Haus. Die neuen Eigentümer planten, das Gebäude zu sanieren und holten Expertisen ein. Die machten Mut, der Statiker hielt es für möglich, eine Bodenplatte unter das Gebäude zu schieben. Im Herbst schickte die Stadt eine Baugenehmigung.

Doch es kam anders. Als ein verfüllter Keller freigelegt wurde, stellte sich durch ein zusätzliches Gutachten he­raus, dass der Baugrund nur „bedingt tragfähig“ ist. Die Fachwerkkon­struktion sie zwar widerstandsfähig, weil sie auch Bewegungen bis zu einem gewissen Grad aushalte, doch es könne sein, dass einzelne Gefache herausfallen. Daher kamen vor zwei Wochen die Absperrgitter.

Im Keller sieht es dramatisch aus. Ein kleiner Bach zieht sich durch den Boden, tragende Wände hängen in der Luft. Durch das ganze Haus schlagen Risse. Der Boden, der aus „organischem Material“ besteht, rottet und wird durch das Wasser abgetragen. Es könne sich um aufsteigendes Grundwasser oder eine Quelle handeln, erklärt die Stadtbaurätin. Auch liege das Gebäude im Senkungsgebiet, das spiele eventuell eine Rolle bei Absackungen.

Ins Reich der Verleumdung verweisen Eigentümer und Stadt Gerüchte sowie anonyme Schreiben, eins liegt auch der LZ vor, nach denen die neuen Besitzer osteuropäische Handwerker ins Haus geschickt haben, um Tabula rasa zu machen. Gundermann: „Solche Schäden haben keine Schwarzarbeiter verursacht.“ Im Gegenteil, es habe viele Versuche gegeben, das Haus zu retten.

Eigentlich müssen bei denkmalgeschützten Häusern vor einem Abbruch besondere Untersuchungen und Kostenvoranschläge eingereicht werden, welche die „Unrentierbarkeit“ einer Sanierung belegen. Doch die Wirklichkeit ist aus Sicht Heike Gundermanns eindeutig. Die Schäden sind gewaltig, Reparaturen kaum zumutbar, die Gefahr zudem augenscheinlich: „Ich habe selten ein Haus in diesem Zustand gesehen.“

Der Eigentümer sagt, er und sein Partner haben neben dem „ordentlichen Kaufpreis“ bislang rund 50000 Euro in Gutachten und Arbeiten investiert. Nun kommen Ausgaben für den Abbruch obendrauf. Dabei ist offen, was er am Ende mit dem Grundstück machen kann. Der Unternehmer sagt: „Wir hatten alles geplant, Bauanträge gestellt, die Finanzierung geklärt.“ Alles Makulatur. „Wir können da auch nicht mit schweren Maschinen ran, die drohen einzusacken.“

Die Stadt fordert vor einer Bebauung Untersuchungen zu Baugrund und Wasserverhältnissen. Sie will auch ihre Mess­punkte in Sachen Senkungen auswerten. Es klingt nach langer Dauer und viel Geld. Der Bauherr stellt sich die Frage, die auch die Stadt beschäftigt: Wenn sein Haus von möglichen Senkungen und Wassereinbrüchen getroffen ist, wie schaut es in der Nachbarschaft aus? Das sollen Untersuchungen ergeben.