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Matthias Hoffmann beim Kita-Streik. 6000 Erzieherinnen und Sozialarbeiter hatten damals in Lüneburg demonstriert, sie waren aus mehreren Städten Niedersachsens gekommen. Foto: A/t&w
Matthias Hoffmann beim Kita-Streik. 6000 Erzieherinnen und Sozialarbeiter hatten damals in Lüneburg demonstriert, sie waren aus mehreren Städten Niedersachsens gekommen. Foto: A/t&w

Dienstleistungsgewerkschaft ver.di freut sich über steigende Mitgliederzahlen

ca Lüneburg. Jahrelang gingen Gewerkschaften Anhänger von der Fahne, für den ver.di-Bezirk Lüneburger Heide geht es in eine andere Richtung. Der hiesige ver.di-Chef Matthias Hoffmann freut sich, dass seine Mitgliederzahlen steigen. Am Jahresende dürfte es ein gutes Prozent mehr sein. Das mag auf den ersten Blick bescheiden ausschauen, doch auf den zweiten wird der Erfolg größer. Denn Hoffmann und seine Kollegen kämpfen damit, dass es einen Personalabbau bei Bundes- und Landesbehörden gibt, auch Krankenkassen und Sparkassen reduzieren. Und in den wachsenden Markt der Seniorenheime kommt die Gewerkschaft nur mühsam hinein: „Die sind oft nicht tarifgebunden, geschweige denn, dass es einen Betriebsrat gibt.“
In den sechs Kreisen im Nordosten Niedersachsens, die zum Bezirk gehören, zählt die Dienstleistungsgewerkschaft knapp 17300 Mitglieder. Als ver.di vor eineinhalb Jahrzehnten gegründet wurde, waren es rund 20000. Da ist jedes Plus ein doppelter Gewinn.

Die Gewerkschafter fahren sicher auch eine gewisse Ernte ein: Im vergangenen Jahr versetzte der wochenlange Kita-Streik das Land in Aufregung. Ver.di hatte im Schnitt zehn Prozent mehr Lohn für Beschäftigte im sozialen Bereich gefordert. Auch wenn es am Ende nicht so kam und es einen zweiten Anlauf brauchte, damit die Mitglieder das Ergebnis abnickten, lohnte sich der kämpfe­rische Geist — gerade bei Sozialarbeitern und Erzieherinnen machte man ein Plus.

Gleiches gilt laut Hoffmann für den Tarifstreit bei der Post: „Der erste Post-Streik etwa in Adendorf, Lüneburg, Walsrode und Celle war ein Kampf gegen den Abbau fair bezahlter Arbeitsplätze bei der Post AG und Aufbau schlechter bezahlter Arbeitsplätze bei den Töchtern.“ Hoffmann sagt selbstbewusst: „Wir gehen gestärkt aus dem Jahr heraus.“

Das ist nicht alles. Beschäftigte suchen verstärkt die Solidarität und den Service der Arbeitnehmervertretung, weil in manchen Unternehmen der Umgang rauer wird. Die Gewerkschaft begleitete Mitglieder in mehr als 200 Rechtsstreitigkeiten vor Arbeits- und Sozialgerichten.
Im kommenden Jahr beginnt eine neue Tarifrunde mit Bund und Kommunen, klar für Hoffmann, dass die Gewerkschaft wieder versuchen will, möglichst viel für ihre Mitglieder herauszuholen. Das ist im Interesse der Kollegen. Aber vielleicht kann sich der Gewerkschafter am Ende des kommenden Jahres über ein weiteres Plus freuen.