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Durch den Disney-Film Aristocats wurde Moritz Interesse für das Harfenspiel geweckt. Der Zehnjährige liebt Klang und Aussehen seines Instrumentes. Foto: t&w
Durch den Disney-Film Aristocats wurde Moritz Interesse für das Harfenspiel geweckt. Der Zehnjährige liebt Klang und Aussehen seines Instrumentes. Foto: t&w

Vom Ballett zur Harfe + + + Mit LZplay-Video

emi Horndorf. „Mein Sohn überrascht mich immer wieder“, sagt Manfred Großmann. Bis vor wenigen Jahren tanzte Moritz aus Horndorf leidenschaftlich gern Ballett, aber als der einzige Junge neben ihm aufgehört hatte, verlor auch er die Lust. „Daraufhin kam er zu mir und sagte, ,Papa, ich will jetzt Harfe lernen“, erzählt der Vater. Rund vier Jahre sind seitdem vergangen. Moritz ist inzwischen zehn Jahre alt, kann viele Stücke auswendig und versetzt seine Eltern bei Wohnzimmerkonzerten regelmäßig in andächtiges Staunen.

Ein Dezemberabend im Reins­torfer Ortsteil Horndorf, kurz vor Weihnachten. Dunkelheit hat sich über Häuser und Straßen gesenkt, es ist viel zu warm für diese Jahreszeit. Im Großmannschen Wohnzimmer prasselt dennoch Feuer im Kamin, auf dem Esstisch flackern die Flammen der Adventskerzen, in gemütlichen Polstersesseln lehnen sich Manfred und Tanja Großmann zurück und lauschen den Klängen, die ihr Sohn seiner Harfe entlockt.

Moritz sitzt in Alltagskleidung und Strümpfen auf einem Stuhl vor seinem Instrument. Mit großen Augen und halb geöffnetem Mund schaut er auf seine Finger, die über die roten, schwarzen und weißen Saiten gleiten. Während die Saiten schwingen und klingen, ist er völlig versunken. Erst, als er sie mit den Händen zum Schweigen gebracht hat, huscht ein Lächeln über sein Gesicht.

Die Harfe ist eines der ältesten Musikinstrumente und stammt aus dem Orient. Das Ins­trument gehört zur Familie der „Chordophone“ — das heißt, der Klang wird mittels gespannter Saiten erzeugt. Heute werden bei Konzerten auf der ganzen Welt gewöhnlich bis zu 1,80 Meter hohe Doppelpedalharfen mit 46 oder 47 Saiten eingesetzt. Moritz spielt eine kleinere Hakenharfe ohne Pedale, die 34 Saiten hat.

Auf das Instrument wurde der Zehnjährige durch den Zeichentrickfilm „Aristocats“ von Walt Disney aufmerksam. „Da­rin kam auch eine Harfe vor. Ich fand den Klang toll und das Ins­trument sah einfach schön aus, das hat mich inspiriert“, sagt Moritz. „Ich mag den Ton, er ist anders als bei anderen Instrumenten und noch ein bisschen sanfter als beim Klavier.“

Als Moritz die Idee seinen Eltern vorstellte, waren sie sofort begeistert — obwohl das Harfenspiel nicht unbedingt zu den günstigsten Freizeitbeschäftigungen zählt. „Das Instrument kostet ab 2000 Euro aufwärts“, sagt Tanja Großmann. „Wir haben Moritz gesagt, dass er schon ein paar Jahre dranbleiben muss.“ Damit ihr Sohn ausprobieren konnte, ob das Instrument wirklich etwas für ihn ist, mieteten die Eltern zunächst eine Harfe. Moritz bekam Unterricht an der Lüneburger Musikschule, die ersten Auftritte in Kirchen — und schließlich vor drei Jahren sein eigenes Zupfinstrument.
Langsame Kirchen- und Weihnachtslieder sind dabei eigentlich gar nicht so sein Ding, lieber spielt er schnelle Stücke — auch wenn die ganz schön schwer sein können. „Wenn man schnell spielt und eine Note nicht kurz genug hält, dann gibt es so ein knatschendes Geräusch“, erklärt er. „Damit das nicht passiert, muss man viel üben.“

Dazu müssen seine Eltern ihn heute zwar manchmal etwas überreden, aber Moritz ist drangeblieben an dem ziemlich untypischen Hobby. Ballett tanzen, Harfe spielen — „eigentlich ist das ja mehr etwas für Mädchen“, sagt der Zehnjährige. „Aber ich schäme mich nicht dafür. Warum sollen nicht auch Jungs Ballett machen?“ Er selbst hat das Tanzen auch nicht aufgegeben, möchte demnächst Hip-Hop lernen. Moritz ist eben immer für eine Überraschung gut.