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Durch den Verkauf von Raketen und Böllern haben die Mitarbeiter in den Einkaufsläden, wie hier Patrick Lübberstedt von Edeka Neukauf, alle Hände voll zu tun. Foto: t&w
Durch den Verkauf von Raketen und Böllern haben die Mitarbeiter in den Einkaufsläden, wie hier Patrick Lübberstedt von Edeka Neukauf, alle Hände voll zu tun. Foto: t&w

Der Verkauf von Raketen und Böllern startet

mm Lüneburg. Ein buntes und lautes Spektakel verspricht das Feuerwerk Galaxy Dancer mit mehr als 200 Schuss, die Box Mega Gun Fire hat 1000 Knalleffekte zu bieten, die Raketen Flying Legends steigen bis zu 90 Meter gen Himmel. Ab sofort sind die Regale in vielen Geschäften mit Feuerwerkskörpern gefüllt. Der Verkauf startet. Bis Donnerstagnachmittag haben Lüneburger Zeit, sich mit Böllern und Raketen einzudecken. Doch die Knallerei birgt Gefahren. Immer wieder passieren Unfälle mit Verletzungen und Verbrennungen. Damit aus der leuchtenden Faszination kein Albtraum wird, geben Polizei und Feuerwehr Tipps für den richtigen Umgang. Die Stadt bittet um Rücksicht in der Nähe von Flüchtlingsheimen und auf dem Kalkberg.

Deutsche lieben ihr Feuerwerk. Das zeigen die Zahlen. Im vergangenen Jahr gaben die Bundesbürger für Silvesterknaller rund 129 Millionen Euro aus. Der Verband der pyrotechnischen Industrie erwartet für diesen Jahreswechsel einen ähnlichen Umsatz. Auch Andreas Brinkmann, Marktleiter bei Edeka Neukauf an der Sülztorstraße, hofft auf ein gutes Geschäft. Er hat beobachtet, dass der Beliebtheitsgrad von Batteriefeuerwerken stetig steige, am meisten verkauft würden aber immer noch Raketen.

Doch was des einen Freud, kann des anderen Leid sein. Feuerwehr, Rettungsdienst und Polizei haben an Silvester immer viel zu tun. Sie sind zur Stelle, wenn es brennt oder sich jemand verletzt hat. Am besten ist aber, es kommt gar nicht erst zu brenzligen Situationen.
So sollte generell nur Feuerwerk mit der Zulassung von der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) gekauft werden. Durch illegale Einfuhr gelangen jedoch zunehmend auch nicht zugelassene und gefälschte Feuerwerkskörper in den Handel, die etwa zu kurze Zündschnüre haben oder unzureichend verarbeitet sind.

Feuerwerkfans sollten auf eigene „Basteleien“ verzichten, denn das Hantieren mit Schwarzpulver ist hochgefährlich. Oft würde unterschätzt, dass es bereits durch Stöße, Reibung, Elektrostatik oder jede Art von Zündung zu explosiven Reaktionen kommen könnte. Feuerwerkskörper sollten nie aus der Hand gezündet werden. Raketen sollten grundsätzlich senkrecht und aus sicheren Behältern abgefeuert werden, beispielsweise aus leeren Flaschen im Getränkekasten.

Außer Verbrennungen ist die zweithäufigste Verletzung durch Feuerwerk ein Hörschaden. Diese Gefahr werde häufig unterschätzt, da der Schaden wegen der kurzen Dauer des Geräusches oft nicht als schmerzhaft empfunden werde. „Explodierende Feuerwerkskörper erreichen in einem Umkreis von zwei Metern einen Lärmpegel von bis zu 160 Dezibel. Der entstandene Hörschaden wird oft erst später bemerkt, zum Beispiel Knalltraumata, Trommelfellperforation oder Hörstürze“, sagen die Experten der Feuerwehr.

Drinnen sollte darauf geachtet werden, dass sprühendes Tischfeuerwerk beim Abbrennen immer auf einer feuerfesten Unterlage steht. Weiter rät die Feuerwehr: Alkoholisierte Personen sollten den Umgang mit Böllern, Kanonenschlägen und Raketen vermeiden und das Anzünden der Feuerwerkskörper anderen überlassen.

An einigen Stellen ist es sogar verboten, Feuerwerk abzubrennen. Wie in unmittelbarer Nähe von Kirchen, Krankenhäusern, Kinder- und Altersheimen sowie Reetdach- und Fachwerkhäusern. Die Stadt bittet um einen Verzicht in der Altstadt sowie um Rücksichtnahme in der Nähe von Flüchtlingsheimen. Viele der Bewohner seien traumatisiert. „Donnerschläge, Blitze und Schwarzpulvergeruch wecken bei ihnen furchtbare Erinnerungen. Insbesondere Kleinkindern ist es schwer zu erklären, dass dies nichts mit Krieg zu tun hat“, sagt Sozialdezernentin Pia Steinrücke.

Tabu fürs Feuerwerk ist der Kalkberg. Aus Naturschutzgründen ist es hier nicht gestattet, selbst Böller oder Raketen zu entzünden.

Ein entspannter Jahreswechsel glückt am besten, wenn man sich an folgende Tipps hält:

  • Auf die richtige Kleidung achten. Gerade Fleece und Kunststoffgewebe sind leicht entflammbar und sollten deshalb nicht getragen werden.
  • Wohnung vor Brandgefahren schützen. Auf Balkonen und Terrassen sollten leicht entflammbare Gegenstände weggestellt, Fenster und Türen geschlossen werden.
  • Knallkörper niemals in geschlossenen Räumen verwenden. Raketen nur im Freien mit Sicherheitsabstand zu anderen Menschen, Autos und Gebäuden zünden.
  • Nicht gezündete Feuerwerkskörper (Blindgänger) niemals noch einmal anzünden.
  • Feuerwerk darf nur vom 31. Dezember bis 1. Januar abgebrannt werden. Pyrotechnische Munition darf mit Schreckschuss- und Signalwaffen nur von Silvester, 15 Uhr, bis 1. Januar, 5 Uhr, verschossen werden.
  • Besonders gefährlich und daher verboten sind selbstgebaute Knallkörper.
  • Keinesfalls sollten pyrotechnische Artikel unter, auf oder gar nach fahrenden Fahrzeugen geworfen werden.
  • Mit Feuerwerkskörpern niemals nach Personen werfen oder auf Personen schießen.
  • Kinder und Jugendliche nur ungefährliche Artikel abbrennen lassen und sie dabei beaufsichtigen.