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150 Schaulustige versammelten sich am Montagnachmittag im Lüneburger Glockenhaus, um sich die unliebsamen Geschenke anderer anzusehen. Viele fanden einen neuen Abnehmer.  Foto: t&w
150 Schaulustige versammelten sich am Montagnachmittag im Lüneburger Glockenhaus, um sich die unliebsamen Geschenke anderer anzusehen. Viele fanden einen neuen Abnehmer. Foto: t&w

Bei der „3. Nacht der langen Gesichter“ finden unliebsame Präsente neue Besitzer

ap Lüneburg. Die Liebsten zu beschenken ist nicht so einfach. Da kann man schon mal den Geschmack der Enkelin verfehlen. Aber vielleicht freut sich über die Kette aus echten Edelsteinen, den Messing-Kleiderhaken oder den hölzernen Weinständer ja jemand anders? Die unterschiedlichen Geschmäcker trafen jetzt im Glockenhaus bei der „3. Nacht der langen Gesichter“ aufeinander — einer Auktion, bei der unliebsame Weihnachtsgeschenke versteigert wurden. 30 Prozent des Erlöses gingen dabei je zur Hälfte an die Lüneburger Kindertafel und die Stiftung Medien- und Onlinesucht, 70 Prozent an den unglücklich Beschenkten. 60 Geschenke kamen insgesamt zusammen.

Auch Künstler Jan Balyon beteiligt sich bei der Spendenauktion. Das frisch gemalte Werk "Lüneburg in der Sonne" kommt mit einem Erlös von 240 Euro der Lüneburger Kindertafel und der Stiftung Online- und Mediensucht zugute.  Foto: t&w
Auch Künstler Jan Balyon beteiligt sich bei der Spendenauktion. Das frisch gemalte Werk „Lüneburg in der Sonne“ kommt mit einem Erlös von 240 Euro der Lüneburger Kindertafel und der Stiftung Online- und Mediensucht zugute. Foto: t&w

„Zwei Giraffen aus Südafrika, wem fehlen die noch in seiner Sammlung?“, fragt Auktionator Bernd Werner und hält die hölzernen Figuren hoch. „Ist das Ebenholz?“, fragt eine Dame im Publikum zurück. „Das weiß ich nicht, aber sind Sie mit 3 Euro dabei?“ Er erntet ein klares Nein — und Lachen im Saal. Ebenso widerspenstig reagieren die rund 150 Schaulustigen auf den Finanzmanager Deluxe 2016 für 45 Euro, der eigentlich sogar 75 kosten sollte. „So viel? Damit sollte man doch Geld sparen“, scherzt Werner und legt das Päckchen zurück.

Jan Gunsebom kam ohne Vorstellungen und ging mit kabellosen Kopfhörern und elektrischen Kerzen für den Weihnachtsbaum. Der dreifache Vater unterstützt gern den guten Zweck der Auktion. Foto: t&w
Jan Gunsebom kam ohne Vorstellungen und ging mit kabellosen Kopfhörern und elektrischen Kerzen für den Weihnachtsbaum. Der dreifache Vater unterstützt gern den guten Zweck der Auktion. Foto: t&w

Andere schlagen dafür doppelt zu. Zum Beispiel Jan Gunsebom. „Ich bin ohne Vorstellungen gekommen und wollte mir das mal angucken“, sagt der Vater, der kabellose Kopfhörern und Weihnachtsbaumkerzen ersteigert. „Wir haben alle unterschiedliche Musikgeschmäcker, jetzt kann ich durchs Haus laufen mit meiner Musik auf den Ohren“, sagt Gunsebom. Künstler Jan Balyon malt derweil ein Bild der Hansestadt, es wird ebenfalls für den guten Zweck versteigert. „Lüneburg in der Sonne“, tauft es Werner, der es als teuerstes Objekt des Nachmittages für 240 Euro unter die Leute bringt.

„Es läuft sehr gut heute, auch wenn die Präsente im Vergleich zu den letzten beiden Jahren nicht ganz so hochpreisig sind“, findet Werner, der bei der Moderation von Jens-Uwe Thümer unterstützt wird. Mit schroffen Kommentaren und witzigen Sprüchen versteigern sie selbst bizarre Objekte. Was für manche aussieht wie ein Stück Holz, ist für andere ein Stück Geschichte — 15 Euro bietet Arnhild Zorr-Werner für einen klobigen Weinständer. „Das Holz ist von einem 1000 Jahre alten Olivenbaum“, weiß sie und freut sich sehr über ihre neue Errungenschaft.

Bernd Werner versucht einen elektrischen Tischgrill mit einem Anfangsgebot von fünf Euro unter die Leute zu bringen. Mit Erfolg: Für 13 Euro verlässt der Mini-Grill das Glockenhaus.  Foto: t&w
Bernd Werner versucht einen elektrischen Tischgrill mit einem Anfangsgebot von fünf Euro unter die Leute zu bringen. Mit Erfolg: Für 13 Euro verlässt der Mini-Grill das Glockenhaus. Foto: t&w