Donnerstag , 8. Dezember 2016
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Links: Die heutige Front des Rathauses wurde erst später vor den Gebäudekomplex gesetzt.
Rechts: Der Vorgänger sah völlig anders aus. Daniel Frese zeichnete die Fassade im Stil der Renaissance im 16. Jahrhundert. Foto: t&w/Archiv
Links: Die heutige Front des Rathauses wurde erst später vor den Gebäudekomplex gesetzt. Rechts: Der Vorgänger sah völlig anders aus. Daniel Frese zeichnete die Fassade im Stil der Renaissance im 16. Jahrhundert. Foto: t&w/Archiv

Dritter Band zur Baugeschichte des Rathauses erscheint

ca Lüneburg. Schon mit bloßem Auge ist zu erkennen, irgendwann muss das Rathaus ganz anders ausgesehen haben: Fensterstürze, Mauerwerk, tragende Pfeiler in den Kellern — alles wirkt verrückt. Die ältesten Quellen erwähnen die Keimzelle des Rathauses, die Johannes-Kapelle, in der Mitte des 13. Jahrhunderts. Handwerker bauten an und um, über die Jahrhunderte wächst der Komplex aus mehreren Gebäuden zusammen.

Forscher um Prof. Dr. Joachim Ganzert haben den mittelalterlichen Verwaltungssitz seit 2008 in mehreren Schritten vermessen, erkundet und dokumentiert. In schweren Bänden haben sie ihre Ergebnisse zusammengefasst, der dritte und letzte ist nun erschienen.

Die Beiträge erklären die Siedlungsgeschichte der Stadt und warum das Rathaus mutmaßlich an diesem Platz errichtet wurde. Bekanntlich wuchs Lüneburg aus mehreren Kernen zusammen. Das Rathaus stand zunächst am neuen Markt, was darauf schließen lässt, dass es einen älteren gab.
Ein anderer Beitrag befasst sich mit der Rathauskapelle, stellt sie in Bezug zu anderen etwa in Prag und Goslar. Auch die Lage der Räume haben die Wissenschaftler in den Blick genommen und mit anderen Rathäusern verglichen.

Wer in dem Band blättert, bleibt immer wieder hängen. Mal bei der Geschichte des Niedergerichts. Dort, in der Nische an der rechten Rathausfront, urteilten die Herren über kleinere Vergehen, wie üble Nachrede. Üppig ausgestattet mit Malereien, die auch zeigen, in welcher Tradition sich die Richter sahen. So zeigt ein Gemälde Salomons biblisches Urteil über den Streit zweier Mütter um ihr Kind. Bekanntlich schlägt Salomo vor, das Kind mit einem Schwert zu teilen: Die Frau, die zustimmt, kann nicht die Mutter sein.

Eben solche Bilder oder eben auch die Deckenmalerei im ehemaligen Stadtarchiv, dazu die Schnitzereien und Gemälde und wunderbaren Fenster der Gerichtslaube und deren Herkunft und Symbolik prägen die Geschichte und Geschichten, die die Fachleute rund um das Rathaus zusammengetragen haben. Es ist kein leichtes Werk für den Nachttisch, aber auch für Laien, die sich für die Historie der Salzstadt interessieren, ein spannendes Buch.

Das Lüneburger Rathaus. Ergebnisse der Untersuchungen 2012 bis 2014. Herausgeber Joachim Ganzert, Michael Imhof Verlag. Preis: 49,95 Euro.

Historie
Um 1254 erste Erwähnung einer Kapelle „an dem radshuzse“. Das erste Rathaus aus der Mitte des 13. Jahrhunderts soll etwa in Höhe des heutigen Stadtarchivs gelegen haben.
1302 Hinweise auf das obere und untere Gewandhaus, es liegt heute hinter dem Huldigungssaal. Gewandhaus hieß es, weil dort Stoffe und Kleider angeboten wurden.
1330 Quellen erwähnen die Gerichtslaube, dort tagte damals der Rat.
1386 erhielt der Raum eine Heißluftheizung.
1379 gab es eine öffentliche Uhr am Rathaus, 1385 eine Rathausglocke.
1450 stellten Handwerker Matten für Fenster des Fürstensaales her, ein Jahr später wurde das Dach gedeckt.
1479 nennen alte Schriften den zum Marienplatz liegenden Kämmereiflügel und die Neue Schreiberei.
1567 wurde das zum Ochsenmarkt liegende neue Rathaus vollendet.
1706 Lüneburg huldigt dem Kurfürsten, der später König von England wird: Georg I. Dafür wurden Huldigungs- und Traubensaal hergerichtet.
1870 Die mehrfach veränderte Marktfassade des Rathauses entsteht in der Form, die wir heute noch bewundern. ca