Aktuell
Home | Lokales | Radio ffn schließt sein Hörfunkstudio in der Lüneburger Innenstadt
25 Jahre lang arbeitete Kai Rake im ffn-Studio direkt neben dem LZ-Gebäude. Jetzt sind die Räume hinter den oberen drei Fenstern leer geräumt, der 57-Jährige hat die Technik bei sich zu Hause aufgebaut. Foto: t&w
25 Jahre lang arbeitete Kai Rake im ffn-Studio direkt neben dem LZ-Gebäude. Jetzt sind die Räume hinter den oberen drei Fenstern leer geräumt, der 57-Jährige hat die Technik bei sich zu Hause aufgebaut. Foto: t&w

Radio ffn schließt sein Hörfunkstudio in der Lüneburger Innenstadt

mm Lüneburg. Sein zweites Zuhause ist für Kai Rake seit 25 Jahren direkt neben der LZ in Lüneburg das ffn-Hörfunkstudio Am Sande. Nun muss der Reporter seinen Arbeitsplatz räumen. Der Radiosender schließt das Studio. Der 57-jährige Journalist und Moderator arbeitet von nun an aus einem anderen Zuhause — seinem eigenen. Eine Tatsache, an die er sich erst noch gewöhnen muss.

„Als das Studio leer geräumt war, musste ich erstmal tief schlucken“, sagt Rake. Er steht auf dem Parkplatz vor dem Gebäude mit der Hausnummer 18, blickt hoch zu den Fenstern, hinter denen er ein Vierteljahrhundert gesessen hat, erinnert sich an viele Momente seines Schaffens. An Menschen, die ihn hier besuchten, an Moderationen, die glückten, und an solche, die missglückten, an schöne Momente seines Reporterlebens, die er hier nicht mehr haben wird.

Das Studio ist Geschichte. Es gibt ein neues, in Hamburg. Seit Anfang 2015 berichtet der Radiosender direkt aus der Metropole an der Elbe. Wie schon einmal, bevor im Jahr 1990 das Studio in Lüneburg eröffnet wurde.

Kai Rake war der erste, der hier arbeitete — und der letzte. Er begann als Radiojournalist 1988 seine Laufbahn bei ffn, erst im Hamburger Regionalstudio, dann in Lüneburg. Er ist ein Urgestein, kennt die Stadt wie seine Westenstasche — und die Stadt kennt ihn. Auch als „Castor-Kai“. Ein Spitzname, der ihm nicht so recht gefällt, der aber zutrifft. Als Reporter sei er bei allen Castor-Transporten nach Gorleben vor Ort gewesen, nur bei einem nicht, da kam ihm eine Blinddarm-Operation dazwischen. Er erlebte die Grenzöffnung hautnah mit, erinnert sich noch an die „Luft, die nach Benzin roch“, als die ersten Trabis herüber rollten. Rake sah viele Politiker kommen und gehen, war immer nah dran am Geschehen in der Stadt und der Region. Jetzt verfolgt er das von seinem Schlafzimmer aus — seinem neuen Arbeitszimmer.

Kai Rake wohnt in Kirchgellersen, zusammen mit seinem 16 Jahre alten Sohn und seiner 13-jährigen Tochter, er ist alleinerziehender Vater. Früher habe er sich gewünscht, häufiger zu Hause zu sein bei seinen beiden kleinen Kindern, um die er sich kümmern musste, für die er gern noch mehr Zeit gehabt hätte. Heute wünschen sich seine inzwischen nicht mehr so kleinen Kinder, dass der Papa auch mal aus dem Haus sei. Das wird nun seltener der Fall sein.

Die Studiotechnik hat Kai Rake bei sich im Schlafzimmer aufgebaut, von dem aus er Beiträge für die Regionalsendungen liefert. „Zwischendurch gehe ich runter und koche mir Spaghetti“, scherzt er und meint es doch ernst.

Bis jetzt fuhr er mittags heim, um für seine Kinder zu kochen. Ein echter Spagat, den der Papa hinlegte, jetzt braucht er sich nicht mehr zu verbiegen, ist dafür aber bei der Arbeit auf sich allein gestellt.

Bis jetzt hatte er stets Unterstützung: von Praktikanten, zuletzt von einer Volontärin, die nun im Hamburger Studio arbeitet. Von ffn heißt es, das neue Regionalstudio sei mit zwei Redakteuren und zwei Verkäufern besetzt. „Um dies kostenneutral zu gestalten, haben wir die Immobilie in Lüneburg zurückgegeben“, sagt Geschäftsführer Harald Gerung auf LZ-Nachfrage. An der Berichterstattung über Lüneburg und die Region ändere sich dadurch aber nichts. Die Qualität bleibe die gleiche.

Dafür sorgen soll Kai Rake, der seinen „kleinen Versuchsballon“ gestartet hat, die Arbeit von zu Hause, abseits des Stadtgeschehens. Zurzeit gibt es aber noch Gründe, die ihn wieder zu seinem alten Arbeitsplatz zurückbringen. Einer ist die Post, die er regelmäßig abholt. Ein anderer ein Fahrrad. Das steht in einem Ständer vor dem Gebäude. „Das muss ich irgendwann mal mitnehmen, gehört meiner Kollegin“, sagt er und geht — Richtung Stadt.