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Biotonne oder selbst kompostieren? Diese Frage müssen sich Grundstückseigentümer derzeit stellen  und sie bis 31. Januar auch der GfA beantworten. Foto: t&w
Biotonne oder selbst kompostieren? Diese Frage müssen sich Grundstückseigentümer derzeit stellen und sie bis 31. Januar auch der GfA beantworten. Foto: t&w

GfA rechnet nicht in Tonnen

cec Reppenstedt. Bislang war die Biotonne für Einwohner in der Fläche des Landkreises Lüneburg optional. Das ändert sich zum 1. Januar. Ab dann müssen per Kreislaufwirtschaftsgesetz Bioabfälle flächendeckend vom Hausmüll getrennt gesammelt werden, so wie bereits im Lüneburger Stadtgebiet. Dabei haben Grundstückseigentümer im Kreis die Wahl, ob sie die Biotonne nutzen oder im eigenen Garten kompostieren. Rund 27000 Schreiben hat der kommunale Entsorger GfA dieser Tage an die Haushalte im Kreis verschickt, um abzufragen, wer auf die Tonne setzt, und wer lieber selbst kompostiert. Rentner Helmut Kürschner aus Reppenstedt hat sich bereits entschieden. Denn nach seinen Berechnungen kostet ihn eine 120-Liter-Biotonne deutlich mehr Gebühren als einen vergleichbaren Haushalt in der Stadt. In seinen Augen eine Ungerechtigkeit: „Wir zahlen im Landkreis mehr als das Dreifache. Das regt mich auf. Zu dem Preis werde ich das nicht machen, sondern selber kompostieren.“

Im Jahr würde den ehemaligen Krankenpfleger die Biotonne 69,48 Euro kosten. Ein Lüneburger Haushalt hingegen zahlt für die 120-Liter-Tonne 54 Euro, ohne Service sogar nur 21,60 Euro. „Wie kann es zu einer so großen Differenz kommen“, fragt der 79-jährige Kürschner. Man könne hier nicht Äpfel mit Birnen vergleichen, entgegnet ihm GfA-Vorstand Hubert Ringe. „Man darf nicht die einzelne Tonne kalkulieren, sondern muss bei solchen Berechnungen immer das gesamte Abfallsystem sehen. Weder in der Stadt, noch im Kreis ist die Biotonnen-Abfuhr kostendeckend, sie wird jeweils vom Restmüll subventioniert.“

Das System — damit sind nicht nur Bio- und Restmüll gemeint. Auch die Papier-, Sperrmüll-, Grünabfall-, Elektro- und Metallschrottabholung zählen dazu, ebenso wie die Sammlung von Problemabfällen.

Dass der Unterschied der Gebühren für die Biotonne in Stadt und Landkreis so gewaltig ist, liege zum einen daran, dass Kreis und Stadt ihre Müllgebühren-Satzungen unabhängig voneinander nach jeweils eigenen Kriterien gestalten. „Am Ende muss aber überall plus/minus Null herauskommen, müssen die Einnahmen die Kosten decken. Wir dürfen keine Gewinne erwirtschaften. Ist dies der Fall, müssen wir diese dem Bürger zurückgeben.“ Wie sich das in Sachen Biotonne im Kreis gestalten wird, stehe noch in den Sternen. Bislang seien schätzungsweise 5000 der 27000 Schreiben zurückgekommen, die Frist läuft bis Ende Januar. „Dann müssen wir sehen, wie die Rückläufe sind, wie die Anschlussquoten sind, und dann gegebenenfalls irgendwann nochmal rechnen, immer mit Blick auf den Gesamtkomplex aus Bio- und Restmülltonne“, so Ringe.

Anschlussquote — das ist auch das Stichwort für die weiteren Gründe des hohen Preisunterschiedes. 5700 Haushalte im Kreis hatten Ende 2012 schon freiwillig eine Biotonne im Mülltrennungs-Repertoire. Gegenüber 36700 Restabfallbehältern ist das eine Anschlussquote von gerade mal rund 16 Prozent. In der Stadt hingegen ist das Verhältnis mit 13400 Biotonnen zu 17600 Restmülltonnen deutlich dichter, die Anschlussquote hier beträgt rund 76 Prozent. Was sich auf die Abfuhrkosten auswirke: „Man kann Stadt und Kreis auch nicht 1:1 vergleichen, weil die Fahrwege aufgrund der Siedlungsstruktur in den ländlichen Bereichen deutlich weiter sind“, sagt Hubert Ringe. Auf dem Land arbeite die GfA bereits aus Rationalisierungsgründen nicht mehr mit Zweierteams auf den Restmüll-Wagen, sondern setze sogenannte Seitenlader ein, die per Joystick vom Fahrer allein bedient werden können. „Ansonsten wären hier die Restmüllkosten auch nochmal deutlich höher.“

Alles in allem würden aber sowohl Stadt, als auch Landkreis in einem „Müllgebühren-Paradies“ leben, so zumindest die Rückmeldung, die der GfA-Vorstand manchmal im Kontakt mit Abfuhrgesellschaften anderer Regionen erfahre. Kostenlose Sperrmüll- und Grünabfallsammlungen wie hier würde es woanders beispielsweise kaum noch geben. „Denken Sie nur an den Kreis Uelzen“, erinnert Ringe, „da wurde die kostenlose Sperrmüllsammlung abgeschafft und auf Druck dann wieder eine Abfuhr eingeführt.“