Donnerstag , 8. Dezember 2016
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Wie lautet die Artikelnummer und ist die Packung auch noch komplett gefüllt? Manfred Kühne, Verena Baumhauer und ihre Kollegen aus der Apotheke im Klinikum prüfen bei der jährlichen Inventur jeden einzelnen der rund 1900 verschiedenen Artikel. Foto: t&w
Wie lautet die Artikelnummer und ist die Packung auch noch komplett gefüllt? Manfred Kühne, Verena Baumhauer und ihre Kollegen aus der Apotheke im Klinikum prüfen bei der jährlichen Inventur jeden einzelnen der rund 1900 verschiedenen Artikel. Foto: t&w

Zählen und auflisten: In vielen Lüneburger Unternehmen und Betrieben steht in diesen Tagen Inventur an

us Lüneburg. Nur für einen Tag kann Manfred Kühne die Apotheke schließen, dann muss alles gezählt und erfasst sein. Acht Zählteams zu je zwei Mitarbeiterinnen hat der Leitende Apotheker des Lüneburger Klinikums zusammengestellt, „die eine zählt, die andere schreibt“. Mit Liste und Kugelschreiber bestückt widmen sie sich den Schachteln, Dosen, Tüten und Beuteln, die in den blauen Regalreihen im Komplex an der Bögelstraße lagern. Bis unter die Decke reicht der Vorrat an Arznei- und Hilfsmitteln, 1900 verschiedene Artikel sind es, die von den Damen in Weiß akribisch erfasst und in Listen eingetragen werden. Nach vier Stunden ist die Prozedur vorüber, der aufwändigste Teil der jährlichen Inventur geschafft.

„Als Apotheker gelten wir als Vollkaufleute, daher kommen auch wir um die Inventur nicht herum“, sagt Kühne. Wie andere Betriebe und Unternehmen, muss auch er einmal pro Jahr auflisten, wie groß sein Warenbestand ist. Geprüft wird, ob Soll und Ist übereinstimmen, die Zahlen in den Büchern mit der Anzahl der Tabletten, Pillen, Pflaster, Spritzen und Kanülen identisch sind.

In der Regel wählen Unternehmen — passend zum Geschäftsjahr — den 31. Dezember als Stichtag für die Inventur. Mit Rücksicht auf die Urlaubswünsche seiner Mitarbeiter aber lässt Manfred Kühne sie immer etwas vorverlegen, schließlich müssen alle an diesem Tag mit anpacken. Denn obwohl Waren­ein- und Warenausgang auch in der Klinikum-Apotheke elektronisch erfasst werden, erfolgt das Zählen und Erfassen nach wie vor per Hand. Bei einer halbstündigen Einweisung wird erläutert, worauf zu achten ist: unter anderem auf einheitliche Kugelschreiberfarbe, wie Korrekturen vorzunehmen sind und dass die Benutzung von Tipp-Ex verboten ist — „alles, um Zweifel an der korrekten Durchführung zu vermeiden“.

Zur Inventur zählen auch die Bestände in der Sterilabteilung. Dort sind die Artikel für die Frühchen gelagert, auch die Präparate für die Krebspatienten im „Laminar-Airflow-Bereich“ müssen erfasst werden. „Ein Riesen-Akt“, wie Kühne sagt. Allein zwanzig Minuten dauert es, bis die Mitarbeiter sich umgezogen haben und den Bereich betreten können. Nicht nur einmal im Jahr, sondern einmal pro Monat wird der Bestand der in zwei Panzerschränken lagernden Betäubungsmittel überprüft — eine Vorgabe des Betäubungsmittelgesetzes.

Artikel im Wert von rund 1,2 Millionen Euro lagern in der Apotheke, die sieben Kliniken in der Region beliefert. Treten Differenzen zwischen Soll und Ist auf, wird erneut gezählt. Doch nicht immer geht die Summe auf, in diesem Jahr blieben 1200 Euro offen. „Das ist im Vergleich zu früher wenig, da waren es schon mal bis zu 10000 Euro“, sagt Kühne.

„Gute Vorbereitung ist das A und O“, sagt Rüdiger Stieler, Geschäftsführer und Inhaber des Elektronik-Fachmarkts Expert Stieler. Rund 20000 Artikel führt der Unternehmer in seinem Markt in der Goseburg, von der Mini-Batterie bis zur Kühl-Gefrier-Kombination. Zwar werden alle Artikel per Scanner eingelesen, dazu müssen aber vor allem die größeren zuvor in Position gebracht werden. „Die manuelle Vorarbeit spart viel Zeit“, erläutert Stieler, der als Stichtag stets den 31. März wählt. „Über Weihnachten und zum Jahreswechsel ist hier noch viel Bewegung, da wäre eine Inventur störend.“

Der benachbarte Handelshof arbeitet ohne Stichtagsregelung. „Wir machen permanent Inventur“, sagt Betriebsleiter Ralf Bruns. Ermöglicht wird dies durch eine komplett auf Elektronik ausgerichtete Warenwirtschaft. So werden die Artikel bereits beim Wareneingang im System erfasst, an den Kassen wird dann per Strichcode registriert, was rausgeht. So hat Bruns stets einen tagesaktuellen Überblick über die 40000 Artikel, die der Handelshof anbietet. Zweimal im Jahr wird zusätzlich Inventur gemacht. Bei Differenzen wird nachgeprüft, außerdem werden Stichproben gemacht.

„Inventur macht immer Spaß“, findet Marion Adam und spricht damit wohl auch für ihre Mitarbeiter beim Lüneburger Optiker Brillen Curdt. „Es gibt Kaffee, Kekse und belegte Brötchen, und wir lachen viel“, berichtet die Geschäftsführerin. Bereits am 28. Dezember begannen sie, die verschiedenen Brillenmodelle vorzusortieren, am nächsten Tag kamen Kontaktpflegemittel und Außenstände dran, auch müssen angefertigte oder in Auftrag gegebene Brillen aus der Werkstatt erfasst werden. Am 31. Dezember werden die Bestände dann handschriftlich in Listen aufgenommen. „Wir haben das auch mal mit einem Scanner probiert, aber das dauerte am Ende länger“, sagt Marion Adam. Schließen muss sie ihr Geschäft in der Bäckerstraße wegen der laufenden Inventur nicht, „an Silvester ist es meist etwas ruhiger“. Auch für sie persönlich, denn danach geht es dann erstmal in den Urlaub.