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Über seine Reise auf die Krim hat der Ehlbecker Ernst Schlumbohm einen Bildervortrag erstellt, den er auch auf Plattdeutsch hält. Foto: bau
Über seine Reise auf die Krim hat der Ehlbecker Ernst Schlumbohm einen Bildervortrag erstellt, den er auch auf Plattdeutsch hält. Foto: bau

In Krisenzeiten auf der Krim

bau Ehlbeck. Ernst Schlumbohm kennt sich in Osteuropa und vor allem in der Ukraine aus. Mittlerweile zwölfmal hat der Ehlbecker das Land besucht — erst vor Kurzem bereiste er zwei Wochen lang die 2014 von Russland annektierte Halbinsel Krim. Über diese Tour hält der 77-Jährige unter dem Titel „Die Krim — von Ost-Kertsch bis West-Sewastopol“ einen Bildervortrag. Schlumbohm referiert am Dienstag, 12. Januar, ab 19.30 Uhr im Rahmen des plattdeutschen Stammtisches des Vereins RegioKult im Gasthaus Fehlhaber in Amelinghausen in plattdeutscher Sprache.

War der Ukraine-Konflikt zuletzt wieder aufgeflammt, wird Krim-Tataren vorgeworfen Strommasten auf ukraninischem Gebiet gesprengt zu haben, um die Stromversorgung auf die Krim zu kappen, so hat der Ehlbecker Schlumbohm doch andere Eindrücke von seiner Reise mit nach Hause gebracht: Als freundlich, friedlich, faszinierend beschreibt er die Halbinsel und die Menschen, die auf ihr leben. Zwei Wochen lang war der 77-Jährige dort im Spätsommer mit Gerd Garbers aus Amelinghausen unterwegs. Die beiden Heidjer waren über Moskau nach Simferopol geflogen und zunächst zu Gast bei Alexander „Sascha“ Baglaj und seiner Familie in Abrikosovka. Baglaj hatte Anfang der 1990er-Jahre für mehrere Monate als Praktikant auf dem Hof von Ernst Schlumbohm gearbeitet. Daraus entwickelte sich eine große Freundschaft mit gegenseitigen Besuchen. Und so begleitete Baglaj die beiden Deutschen bei ihrer Tour von Kertsch im Osten nach Sewastopol im Westen der Halbinsel im Schwarzen Meer.

Angst vor Unruhen oder Kämpfen hatte der 77-Jährige trotz zahlreicher Warnungen vor Reisen auf die Krim nicht. „Ich habe Sascha vertraut, dass alles ruhig bleibt“, sagt Schlumbohm. Und so war es auch. „Wir sind überall mit offenen Armen empfangen worden.“ Die Mehrheit der pro-russisch eingestellten Bevölkerung erwarte nach der Annektion Investitionen in die Wirtschaft und weiter deutlich sinkende Energiepreise.
Schlumbohm kennt sich in der Ukraine bestens aus. Entstanden ist die besondere Beziehung Anfang der 1990er-Jahre. Damals nahm der Ehlbecker im Rahmen eines mehrjährigen Programmes der Bundesrepublik Landwirte aus der ehemaligen Sowjetunion als Praktikanten bei sich auf, um ihnen Einblicke in die „freie Landwirtschaft“ zu geben. Daraus erwuchsen lang anhaltende Freundschaften.

1991 machte sich Schlumbohm mit einem alten VW Bulli voller Hilfsgüter zum ersten Mal auf den Weg in die Ukraine. Ein besonderes Abenteuer — nicht nur durch die mehr als 5300 Kilometer lange Fahrt. Auf der Krim haben die beiden Heidjer jetzt viel gesehen und erlebt. „Die Geschichte der Halbinsel und ihrer Städte mit vielen kulturellen Einflüssen ist faszinierend“, sagt Schlumbohm. So lebten und herrschten auf der Krim beispielsweise schon Griechen, Römer und Tataren.

In Feodossija und Sudak besuchten die beiden Deutschen unter anderem alte Genueser Festungen, in Kertsch die Ausgrabung einer griechischen Siedlung und eine Türkenfestung (Jenikakale) sowie in Stary Krim eine neue Tatarenkirche und ein armenisches Kloster. Aber auch das Krimgebirge bei Alusta war ein Ziel. Ferner wurde Jalta mit dem bekannten Liwidija Palast, Sommerresidenz des letzten russischen Zaren Nikolaus II., und dem vom deutschen Baron von Steingel umgebauten sogenannten Schwalbennest besichtigt.

Über seine aktuelle Reise hält Ernst Schlumbohm Bildervorträge. Wer Interesse hat, kann sich bei dem Ehlbecker über die E-Mail-Adresse schlumbohm- ernst@yahoo.de melden.

Geschichte der Krim

Die Krim ist eine Halbinsel im Schwarzen Meer. 1774 wurde die Krim vom Osmanischen Reich unabhängig und gelangte zunehmend unter den Einfluss der russischen Zaren. Katharina II. erklärte die Krim nach der Annektion 1783 „von nun an und für alle Zeiten“ als russisch.

1921 wurde die Krim zur autonomen sozialistischen Sowjetrepublik ausgerufen, 1945 dann unter Josef Stalin zur Oblast der Russischen Sowjetrepublik. Zum 300. Jahrestag der Vereinigung von Russen und Ukrainern, 1954, machte der aus der Ukraine stammende Kremlchef Nikita Chruschtschow die mehrheitlich von Russen bewohnte Krim zu einem Teil der Ukrainischen Sowjetrepublik.

Nach der Auflösung der Sowjetunion wurde die Krim Teil des nun unabhängigen ukrainischen Staates, ihr wurde aber 1992 der Status einer Autonomen Republik zugestanden. Der politische Umsturz in der Ukraine im Februar 2014 führte zum Wiederaufleben der Unabhängigkeitsbestrebungen der Krim. Die mehrheitlich russisch-stämmige Bevölkerung entschied sich in einem vom Westen abgelehnten Referendum am 16. März 2014 als Republik Krim für den Anschluss der Halbinsel in die Russische Föderation. bau