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Anfang 2015 riefen Christiane Kause und ihre Mitstreiter vom Kunstverein dazu auf, Fotos von zeitgenössischen Brunnen für eine Ausstellung im Kunstfleck einzureichen. Damit gaben sie den Stein des Anstoßes für eine Diskussion um das Wasserspiel auf dem Marktplatz, das in den Augen vieler eher ein Trauerspiel ist. Foto: t&w
Anfang 2015 riefen Christiane Kause und ihre Mitstreiter vom Kunstverein dazu auf, Fotos von zeitgenössischen Brunnen für eine Ausstellung im Kunstfleck einzureichen. Damit gaben sie den Stein des Anstoßes für eine Diskussion um das Wasserspiel auf dem Marktplatz, das in den Augen vieler eher ein Trauerspiel ist. Foto: t&w

Kunstverein Dahlenburg möchte Ortskernsanierung mit neuem Brunnen endlich abrunden

cec Dahlenburg. Hinter vorgehaltener Hand nennen ihn viele nur „Pissrinne“. Schon im Sommer liegt die Assoziation nahe, wenn man sich den Brunnen auf dem Dahlenburger Marktplatz anschaut. Rechts und links in fahlgrauen Beton eingefasst läuft das Wasser aus dem Stein am oberen Ende unaufgeregt dahin bis zum unter einem Löcherrost verborgenen Abfluss. Im Winter ist es schlimmer. Der Brunnen ist ausgestellt, im vermoosten unteren Becken sammeln sich Regenreste und Müll. Und seit der Flecken 2014 direkt neben dem Bauwerk Parkplätze ausgewiesen hat, ist vermutlich auch den Fürsprechern der Anlage eins der letzten Argumente ausgegangen, die Situation so zu belassen, wie sie ist. Der Kunstverein Dahlenburg hat sich seit Anfang 2015 dafür stark gemacht, eine Veränderung zu bewirken — und dabei nicht wenige Unterstützer gefunden. Jetzt liegt es in den Händen von Politik und Verwaltung, die Wünsche der Bürger nicht versickern zu lassen.

Gut angekommen sei das Wasserspiel von Anfang an nicht, erinnert sich Christiane Kause, Vorsitzende des Kunstvereins Region Dahlenburg: „Immer mal wieder wurde gesprächsweise Unmut laut.“

Die Brunnengestaltung war Bestandteil der Ortskern-Sanierung, die 2002 in die Planung ging und für die 2005 Baubeginn war. „Die Lüneburger Planerin hatte einige abwegige Vorstellungen, die nachträglich korrigiert werden mussten“, so Kause. So habe die Architektin beispielsweise den Markt als Sandplatz gestaltet, was sich im Alltag als nicht praktikabel erwies. Er wurde im Nachhinein wieder gepflastert. Auch habe sie Bänke aus unbehandelten Eichen-Bohlen aufstellen lassen. „Sie trockneten so gut wie nie, man wurde immer nass, wenn man drauf saß.“

Farbe in die Brunnendebatte brachten Unbekannte im November: Sie verpassten dem Wasserspiel neue Strickkleider – inklusive Fontänen, Fischen und Fröschen. Foto: be
Farbe in die Brunnendebatte brachten Unbekannte im November: Sie verpassten dem Wasserspiel neue Strickkleider – inklusive Fontänen, Fischen und Fröschen. Foto: be

Die Bänke wurden ausgetauscht, stehen heute im Schwimmbad, wo die Nässe nicht weiter stört. Nur der Brunnen hält weiter die Stellung — eine optische Abgrenzung der Treppen zur Straße. Und mehr nicht, meint Kause: „Ein Brunnen soll doch ein Ort der Erfrischung, des Ruhens und der Regeneration sein. Aber man sieht das Wasser überhaupt nicht. Es gibt kein Hindernis, keine Bewegung, kein Lichtspiel. Nichts plätschert, rauscht, erfrischt. Nichts dergleichen.“

Geschweige denn, dass man sich setzen könnte. Die Bohlen am Kopf der Wasseranlage seien, wenn auch nur schwer zu erkennen, als Bank gedacht, die aber niemand nutze. Weitere Bänke gibt es nicht. Und seit nebenan die Parkbuchten eingeführt wurden, sei es mit der möglichen Ruhe ohnehin endgültig vorbei. „Die Autos stehen so dicht, dass sie mit der Kühlerhaube über den Brunnenrand ragen“, erklärt die Kunstvereins-Vorsitzende, „und die teuren Lichtelemente leuchten jetzt die Autos von unten an.“

In einer Hauruck-Aktion habe man vor einigen Jahren versucht, wenigstens den Brunnenkopf zu verschönern. Mit Eigenmitteln mauerten einige Ratsherren einen Findling auf die bis dato nackte Wasserdüse — und eigenhändig, „mehr schlecht als recht, nach dem Motto Ein Stein ist immer schön …“, sagt Kause mit vielsagendem Blick.

Die Kunstkennerin macht den Ratsmitgliedern, die damals die Pläne durchgewinkt haben, keinen Vorwurf: „Insgesamt ist die Ortskernsanierung gelungen. Dahlenburg ist sehr viel freundlicher geworden.“ Der runde Marktplatz käme durch die neue Verkehrsführung viel deutlicher heraus, die Kirche sei besser präsentiert.

Allein in Sachen Wasserspiel habe Fachwissen gefehlt. „Für einen Laien ist es schwer zu erkennen, ob ein Wasserlauf etwas taugt oder nicht. Man muss sich auskennen und Vorstellungskraft entwickeln.“

Um die Dahlenburger zu ermutigen, aus der Deckung zu kommen und ihre Kritik nicht nur im Stillen zu äußern, stieß der Kunstverein Anfang 2015 mit einem Aufruf die öffentliche Diskussion an: Für eine Ausstellung zum Thema sollten Fotos von zeitgenössischen Brunnen anderenorts eingereicht werden. Sie endete mit einer regen Podiumsdiskussion Ende November, bei der sich auch Vertreter der Verwaltung und aller Fraktionen ein Bild machten.

Umgeben von Fotos gelungener Brunnenanlagen aus Kreuzlingen (Schweiz) und Ochsenfurt, aus Dannenberg und Reykjavik (Island), Marienbad (Tschechien) und Höxter ließ Christiane Kause Kommunalpolitiker und Bürger zu Wort kommen.

Davor, die „tollen Bilder“ als Vorbild für den künftigen Brunnen zu nehmen, warnte ein Bürger. „Der neue Ansatz muss sein, was passt hier hin“, erklärte er. Dass die Bürger des Fleckens nicht „erst hinterher“ beteiligt werden, forderte ein anderer Besucher. Fontäne und Beleuchtung für den Brunnen waren in der Diskussion geäußerte Wünsche.

Die seitlichen Lichtelemente des Brunnens strahlen derzeit vor allem Autos von unten an. Foto: nh
Die seitlichen Lichtelemente des Brunnens strahlen derzeit vor allem Autos von unten an. Foto: nh

Kause und ihre Mitstreiter freute die reichliche Resonanz: „Jetzt wollen wir am Ball bleiben und mit dem Rat des Fleckens und dem Samtgemeindebürgermeister sprechen, wie man weiter verfahren kann.“

Gegenüber der LZ winkt Letzterer gleich ab. „Das ist Fleckenangelegenheit“, sagt Christoph Maltzan. Auch in seiner Funktion als Gemeindedirektor werde er das Thema nicht aufgreifen: „Weil wir andere Baustellen haben wie das ehemalige Schützenhaus. Ich sehe hier die Fleckenpolitik gefragt.“

Flecken-Bürgermeister Ullrich Rambusch gibt sich offen: Derzeit sei man noch mit Haushaltsberatungen beschäftigt. „Aber in einer der nächsten öffentlichen Bauausschusssitzungen werden wir das Thema aufgreifen, damit die Bevölkerung auch zuhören kann.“ Probleme sieht er dabei, Mittel locker zu machen. „Die Ortskernsanierung wurde ja schon mit Fördermitteln gemacht, da gibt es sicher nicht nochmal welche.“

Scheint also so, als werde noch einiges Wasser die Neetze hinunterfließen, bis sich etwas bewegt.