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Der designierte Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Lüneburg, Thomas Piehl, war der Überraschungsgast der Hohnstorfer Eiswette 2016. Foto: t&w
Der designierte Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Lüneburg, Thomas Piehl, war der Überraschungsgast der Hohnstorfer Eiswette 2016. Foto: t&w

Himmlischer Beistand bei Eiswette + + + Mit LZplay-Video

dth Hohnstorf/Elbe. Der etwas andere Neujahrsempfang: Vorsichtig schwebte das Raumschiff Enterprise der Marke Eigenbau ans Elbufer und hisste an einem Mini-Mast eine ebenso kleine Flagge mit dem Hohnstorfer Wappen. Schließlich traute sich vor Publikum und den mit Zylindern behüteten Ehrengästen der 23. Hohnstorfer Eiswette die Besatzung hervor: Eckhard Panz in alter Sternenflottenuniform à la Mister Spock und Thomas Lohmann ganz irdisch im Anorak, aber dafür mit Fernrohr. Gemeinsam stellten die Wettpaten, trotz des Frostes, fest: „De Elv geiht.“ Als Überraschungsgast stellte sich Thomas Piehl, der designierte Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Lüneburg, dem anschließenden Rededuell mit Bürgermeister André Feit. Während Feit humorvoll austeilte, ging der hanseatisch geprägte Banker mit Pointen, nun ja … eher sparsam um. Dafür rückte er in seiner Rede die Hohnstorfer in die Nähe einer Gemeinschaft von Dieben.

Doch zunächst hatte Feit etwas nachzuholen, überreichte seinem Lauenburger Amtskollegen Andreas Thiede am Elb-ufer ein vergessenes Präsent: ein kleines Fernrohr. Dazu Feit: „Damit kannst du von deinem Amtszimmer Ausschau halten, ob die Hohnstorfer schon wieder obszöne Gesten in deine Richtung machen. Und du kannst damit aber auch Ausschau halten nach abgesprungenen oder auch nach neuen chinesischen Investoren.“ Mit ihm froren am Elbufer neben Landrat, Bundes- und Landtagsabgeordneten auch Dr. Patrick Wendisch und Jürgen Albrecht, Vertreter der Bremer Eiswette. Die Bremer Eiswette von 1828 gilt als „Mutter aller Eiswetten“, laut Feit sehen die Hohnstorfer aber die Bremer Eiswette allenfalls „als sehr viel ältere Schwester“.

Im Saal im Hohnstorfer Fährhaus vor rund 200 Gästen stellte Feit schließlich den noch stellvertretenden Sparkassenvorstand Thomas Piehl vor, der kräftig am Stuhl seines Vorgesetzten säge. Der gebürtige Hamburger habe im Falle der Arbeitslosigkeit noch eine berufliche Alternative dank seines LKW-Führerscheins, den er bei der Bundeswehr erworben hatte („Er war kein Mensch, er war kein Tier, er war ein Panzergrenadier.“). Piehl, der laut André Feit Betrüger und Halsabschneider kollegial grüße, sei als Banker schließlich 2009 von Hamburg zur Sparkasse Lüneburg gewechselt, als einer, „der noch nicht bis zur kompletten Unfähigkeit befördert worden war“.

Piehl hingegen betonte, dass es eine Ehre sei, bei der Hohns-torfer Eiswette reden zu dürfen — und die Bremer Eiswette habe für ihn als gebürtigen Hamburger ohnehin keine Bedeutung. Dem Historiker Feit warf er vor, schlecht recherchiert zu haben. In Kenntnis der bisherigen Gastredner sei er sicher, dass auch er „als Unbeliebter in Hohnstorf in guten Kreisen ist“. Er erinnerte sich daran, dass Unbekannte in Hohnstorf ihm vor Jahren bei einem Tennispunktspiel das Portemonnaie gestohlen hatten. „Ich will jetzt nicht sagen, ich bin hier bei Dieben zu Hause. Wenn Sie mein Portemonnaie, meinen Führerschein und meinen Personalausweis heute rausrücken, würde ich das aus all meinen Reden wieder rausstreichen …“ Ob der Diebstahl eine Folge der „mageren Zinsen“ (Feit) war, blieb offen.

Wetteinsatz für guten Zweck
Allein rund 900 Euro an Spenden sind beim abschließenden Matjesessen der 23. Hohnstorfer Eiswette zusammengekommen, berichtet Hohnstorfs Bürgermeister André Feit (CDU). Hinzu kommen die Erlöse aus rund 50 Wetteinsätzen von jeweils sieben Euro. Ob „de Elv steiht oder geiht“, haben die Wettpaten bereits mit galaktischer Unterstützung beantwortet. Die Antwort, was mit den gesammelten Spenden passieren soll, überließ bei der Veranstaltung Bürgermeister Feit den rund 200 Gästen. Sie sprachen sich mit großer Mehrheit für „Jugendarbeit, Bänke und Blumen“ aus.

„Der Gemeinderat wird diesen Wunsch mit Leben erfüllen“, sagte jetzt André Feit auf LZ-Nachfrage. Im vergangenen Jahr waren bei der Eiswette insgesamt rund 1000 Euro an Spenden eingesammelt worden. Das Geld wurde für die Flüchtlingsarbeit in der Gemeinde zur Verfügung gestellt, um beispielsweise Dolmetscherdienste zu bezahlen. Feit: „Die Gemeinde hat einen ähnlichen Topf mit 2000 Euro und da ist auch noch genug Geld da.“ Deshalb sei es sinnvoll, die neuen Spenden anderweitig in Hohnstorf einem guten Zweck zuzuführen.

„Übergewichtig und bequem“
Nachdenklich stimmte Hohnstorfs ehrenamtlicher Bürgermeister André Feit, als er eindringlich an die zurückliegenden Terrorangriffe in Paris erinnerte. Als Zeichen der Solidarität mit Frankreich prangte denn auch die Tricolore an der Wand hinterm Rednerpult. Und Feit sprach über das eigene Werteverständnis und eine bequeme Gesellschaft. Auszüge aus seiner Rede: „Meine Damen und Herren, in unserem Nachbarland Frankreich ist im letzten Jahr der Terror eingefallen. Dort waren Menschen zusammengekommen, um genauso wie wir heute nett beisammen zu sein, zu feiern, sich zu amüsieren, Spaß und Freude zu haben. Und genau in so einem Moment erschienen gewissenlose Verbrecher und zwar genauso unerwartet und heimtückisch, als wenn hier plötzlich die Türen auffliegen würden und nicht die Bedienungen mit Getränkenachschub hereinkämen, sondern stattdessen Mörder mit Maschinenpistolen ().“ Mord bleibe Mord, auch wenn die Täter versuchten, ihre grausamen Verbrechen mit Religion zu rechtfertigen. Aber: „Ich stelle mir die Frage: Sind uns diese Menschen dadurch überlegen? Nicht moralisch, nicht technisch, nicht von der Schulbildung her oder von der Allgemeinbildung, sondern von ihrem Fanatismus, von ihrem Willen, sich für ihre Ideen, ihre Überzeugungen so massiv, ohne Rücksicht auf ihre Person, einzusetzen. Solchen Menschen werden wir gegenübertreten müssen, um unsere Freiheit, unsere Demokratie zu verteidigen. Wir, die wir satt sind, die wir übergewichtig und bequem geworden sind, die ein festes Dach über dem Kopf haben, ein warmes Zuhause, die wir keine Entbehrungen mehr kennen und keine Gefahren. Die allermeisten von uns hier sind in den sorgenfreien und friedlichen Wohlstand hineingeboren. Wer von uns ist bereit, sein bequemes Leben für die Verteidigung von Freiheit und Demokratie zu geben ()?“