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Bei Zufriedenheit klafft noch eine Lücke zwischen Ost und West

mm Lüneburg. Wer 41 Jahre oder älter ist und in Ostdeutschland lebt, ist unzufriedener mit seinem Leben als jemand, der gleichalt ist und in Westdeutschland lebt. Jüngere Semester, die noch in der DDR aufwuchsen, fühlen sich jedoch besser, die Unterschiede in der Lebenszufriedenheit im Vergleich zu Gleichaltrigen im Westen werden kleiner. Das zeigt eine neue Studie der Leuphana Universität Lüneburg.

Die Forscher haben die Entwicklung im Zeitverlauf seit 1990 untersucht. Danach hat sich der Unterschied in puncto Lebenszufriedenheit zwischen Ost und West in den ersten Jahren nach der Wende zwar verkleinert, bleibt seit Mitte der 90er-Jahre aber stabil. Das verändert sich jetzt. Die Unterschiede in der Lebenszufriedenheit sinken bei jüngeren Befragten, die Angleichung zwischen Ost und West wird größer.

So stellen die Lüneburger Wissenschaftler um Professor Christian Pfeifer vom Institut für Volkswirtschaftslehre bei denen nach 1984 geborenen Befragten, also der jüngsten untersuchten Altersgruppe, die in der ehemaligen DDR vielleicht noch den Kindergarten besucht hat, „keine signifikanten Unterschiede“ bei der Lebenszufriedenheit mehr fest. Bei Älteren, wie in der Gruppe der vor 1945 Geborenen, bestünden diese mit großen Abständen fort. Aber auch in der Altersgruppe der nach dem Krieg und vor 1974 Geborenen ist die Ost-West-Differenz vorhanden.

Die Analyse zeige „neue Ergebnisse“, die bisherige Forschungen noch nicht darstellen konnten, sagt Professor Pfeifer. So habe man herausfinden können, dass die Unterschiede in der Lebenszufriedenheit zwar mit Haushaltseinkommen und Erwerbsstatus zusammenhängen, aber nicht nur. Es gäbe „einen erheblichen Abstand“, der allein durch diese beiden Variablen nicht zu erklären sei, sagt Professor Pfeifer.

Mehr noch seien psychologische Einflüsse maßgeblich. Denn als das DDR-Regime zusammenbrach, gingen auch Identitäten und Einstellungen verloren. Und „die Anerkennung der Lebensleistung hat auf die Zufriedenheit einen stärkeren Einfluss als monetäre Faktoren“, erklärt Pfeifer.

Gerade bei der jüngeren Generation, die überwiegend im wiedervereinigten Deutschland sozialisiert wurde, zeichne sich deshalb eine echte Angleichung der Lebenszufriedenheit ab, sagt der 38-Jährige.

Für die Analyse nutzten die Lüneburger Wissenschaftler Daten aus dem Sozioökonomischen Panel von 1992 bis 2013. In der Wiederholungs­befragung werden jedes Jahr im Auftrag des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung rund 30000 Bürger nach Einkommen und Erwerbstätigkeit, aber auch zu Gesundheit, Bildung oder persönlichen Einstellungen befragt.

Die Studie ist bereits als Arbeitspapier erschienen und soll im Frühjahr einfließen in ein Sonderheft zur Wiedervereinigung.