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Vor 20 Jahren wurde die erste Mechanisch-Biologische Abfallbehandlungsanlage des Landes eingeweiht. Das Schaubild zeigt die verschiedenen Stufen von der mechanischen Aufbereitung über die Intensiv- bis zur Nachrotte. Am Ende bleibt nur noch ein erdartiger Abfall, der auf der Deponie endgelagert wird.Foto: GfA
Vor 20 Jahren wurde die erste Mechanisch-Biologische Abfallbehandlungsanlage des Landes eingeweiht. Das Schaubild zeigt die verschiedenen Stufen von der mechanischen Aufbereitung über die Intensiv- bis zur Nachrotte. Am Ende bleibt nur noch ein erdartiger Abfall, der auf der Deponie endgelagert wird.Foto: GfA

Vor 20 Jahren wurde die erste Mechanisch-Biologische Abfallbehandlungsanlage des Landes eingeweiht

kre Bardowick. Der Winter hat mit Schnee und frostigen Temperaturen Einzug gehalten — und Hubert Ringe fühlt sich beim Blick aus seinem Bürofenster unwillkürlich an die Winterzeit vor 20 Jahren erinnert. Nur, dass damals die Temperaturen wirklich im Eiskeller waren. „Minus 24 Grad Celcius zeigte das Thermometer am 15. Dezember 1995. Der Vorstand des kommunalen Abfallentsorgers GfA erinnert sich genau. Es war der Tag, an dem die Anlage zur Mechanisch-Biologischen Vorbehandlung von Abfällen — kurz MBV genannt — auf dem GfA-Gelände in Bardowick feierlich eingeweiht werden sollte. „Es war so kalt, dass die Wasserzufuhr zur Anlage eingefroren war“, berichtet Ringe und fügt schmunzelnd hinzu: „Die Feier fand aber trotzdem statt.“

Und das ist in der Tat eine Nachricht wert. Denn der Bau der MBV war damals alles andere als unumstritten. In einer Zeit, in der viele in der Politik auf Verbrennungsanlagen gesetzt hatten, gingen die Lüneburger mit der MBV bewusst einen anderen Weg. Von manchen belächelt, von anderen angefeindet. Die MBV-Befürworter blieben trotzdem auf Kurs, überzeugt von der damals noch neuen Technik zur Abfallbehandlung. Oder wie es Hubert Ringe heute stolz formuliert: „Wir waren die Speerspitze einer neuen Entwicklung. Wir haben Meilensteine gesetzt.“

Und so funktioniert das Prinzip der Mechanisch-Biologischen Abfallbehandlung: Der angelieferte Siedlungsabfall — rund 70000 Tonnen pro Jahr — wird in der Anlage zunächst auf Transportbänder geladen. Über ein Siebverfahren werden Stör- und Wertstoffe wie Metalle und Kunststoffe, Plastik, Holz und Pappe, aber auch Steine aussortiert. Der Rest wandert in große Container. Abgeschlossene Behälter, die nach einem ausgeklügelten System bewässert und belüftet werden. Insgesamt 120 dieser Container stehen in einer Halle der GfA, in denen die Siedlungsabfälle der rund 170000 Bürger aus Stadt und Landkreis Lüneburg, aber auch aus den Landkreisen Uelzen und Lüchow-Dannenberg behandelt werden.

14 Tage fressen sich die Bakterien durch den Müll, sorgen für den Abbau organischer Bestandteile durch Kompostierung, sodass am Ende die Container nur noch etwa zu zwei Drittel befüllt sind. Danach geht der Inhalt für acht bis zehn Wochen in die sogenannte Nachrotte. Der so aufbereitete erdartige Abfall, noch etwa 15000 Tonnen — kann dann auf der Deponie in Bardowick eingebaut werden.

Das System der MBV hat die GfA in den vergangenen Jahren stetig optimiert und verfeinert. Vor allem die Idee, den Abfall in Containern statt in großen Mieten zu behandeln, war ein echter Quantensprung. Eine Technik, die GfA-Mitarbeiter Jörn Isenberg entwickelt hat. Die patentierte Technik weckt auch im Ausland großes Interesse. So wurde beispielsweise im vergangenen Jahr von der GfA eine Pilot-Container-Anlage in Brasilien aufgestellt.
In der heimischen Politik waren es die damalige niedersächsische Umweltministerin Monika Griefahn und der inzwischen verstorbene Lüneburger SPD-Landtagsabgeordnete Uwe Inselmann, die früh das Potenzial dieser Technik als Alternative zur Müllverbrennung erkannten. Das Land hatte deshalb den Bau von drei MBV-Anlagen in Niedersachsen gefördert: In Bassum, in Friesland/Wittmund — und als dritte die GfA-Anlage in Bardowick. „Die erste, die in Betrieb ging, war unsere“, freut sich Ringe. Und das, obwohl Petrus mit eisigen Minus-Temperaturen das Anfahren der Anlage erschwerte. 1998 wurde die „Arbeitsgemeinschaft Stoffspezifische Abfallbehandlung“ (ASA) ins Leben gerufen. Die Gründungsversammlung, wie könnte es anders sein, fand natürlich auch in Bardowick statt. Heute gehören der Arbeitsgemeinschaft rund 50 Betriebe aus ganz Deutschland an.

Die MBV hat sich neben der Müllverbrennung etabliert — „und das ist auch gut so“, findet GfA-Vorstand Hubert Ringe: „Denn dadurch können wichtige Wert- und Rohstoffe wiederverwertet werden. Das schont die Umwelt und letztlich unsere Deponie, die wir so länger betreiben können.“