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Bundesweit werden wieder Wintervögel gezählt, die hier abgebildete Kohlmeise zählt zu den am häufigsten zu beobachtenden Vögeln. Foto: A/nabu
Bundesweit werden wieder Wintervögel gezählt, die hier abgebildete Kohlmeise zählt zu den am häufigsten zu beobachtenden Vögeln. Foto: A/nabu

Die Stunde der Wintervögel

jen Lüneburg. Sie hüpft quirlig von Ast zu Ast, pickt hier und da ein Körnchen vom Boden. Gemeint ist die Kohlmeise. Charakteristisch für sie sind der gelbe Bauch, von einem schwarzen Mittelstreifen durchzogen, und ihr schwarzer Kopf mit den leuchtend weißen Wangen. Wenn der Naturschutzbund (Nabu) zur Zählung anlässlich der Stunde der Wintervögel aufruft, ist die Kohlmeise regelmäßig eines der am häufigsten beobachteten Tiere. In diesem Jahr sind Naturfreunde vom 8. bis 10. Januar (Freitag bis Sonntag) zum Mitmachen aufgerufen.

Im Jahr 2015 machten 77000 Menschen bei der Aktion mit, zählten in 53000 Gärten und Parks insgesamt mehr als zwei Millionen Wintervögel. Mit durchschnittlich 5,98 Tieren pro Garten lag der Haussperling an der Spitze, gefolgt von der Kohlmeise (4,92), dem Feldsperling (3,98), der Blaumeise (3,67) und der Amsel (3,61).

Verschiedene Meisenarten erwartet auch der Lüneburger Vogelkundler Heinz Georg Düllberg auf den „Spitzenplätzen“, wenn es in der Region zum sechsten Mal in die Stunde der Wintervögel geht. Gute Chancen gebe es auch, einen Dompfaff zu entdecken, mit großem Glück einen Kreuzschnäbler oder Seidenschwanz.

Die Kohlmeise gehört zu den „Standvögeln“. Das bedeutet, sie bleibt das ganze Jahr über in Deutschland. Gleichzeitig gibt es auch viele Arten, die aus dem Norden und Osten nach Mitteleuropa ziehen, um dort ihr Winterquartier aufzuschlagen. Manchmal sind in der Region außerdem die sogenannten „Invasionsvögel“ zu finden. Ist die Nahrung knapp, machen sich diese Vögel auf die Reise und suchen einen Ort zum Überwintern. In diesem Winter dürfte das Vorkommen der reiselustigen Vögel eher mager sein — die milden Temperaturen, auch im Norden und im Osten, bietet den Invasionsvögeln in ihren angestammten Gebieten bisher ausreichend Futter.

Ziel der Stunde der Wintervögel, die die wohl größte wissenschaftliche Mitmachaktion in Deutschland ist, besteht darin, ein möglichst genaues Bild von der Vogelwelt in deutschen Städten und Dörfern zu erhalten. Dabei geht es nicht nur um heimische Vogelarten, auch um Erkenntnisse über Vögel, die aus kälteren Regionen kommen. Im Vordergrund steht die Ermittlung der Häufigkeiten und Trends von Populationen. Als Dank für die Hilfe, Veränderungen in der Vogelwelt festzustellen, verlost der Nabu unter allen Teilnehmern Preise.

Gänse und Schwäne als Stammgäste

Was Naturfreunde während der Stunde der Wintervögel 60 Minuten lang tun, praktizieren Hobbyvogelkundler und auch Wissenschaftler das ganze Jahr über, auch jetzt im Winter, wenn die Zählungen der Wintergäste anstehen. Sie beobachten und zählen in der freien Natur Vögel, um Erkenntnisse über die Entwicklungen der Populationen zu erlangen. Die Zahlen werden an die Staatliche Vogelschutzwarte in Hannover gemeldet.

Mehr als 20000 oder auch 30000 Wintergäste halten sich an manchen Tagen in der Region auf, weiß der Experte Heinz Georg Düllberg von der Vogelkundlichen Arbeitsgemeinschaft Lüneburg. Manche bleiben ein paar Tage, manche den ganzen Winter. Die Wintergäste ziehen aus dem nördlichen Russland, an den Küsten entlang, nach Deutschland, teilweise auch weiter bis in die Niederlande — jeweils abhängig von den Temperaturen im Norden und Osten Europas.

Blässgänse, Tundrasaatgänse, Singschwäne und Zwergschwäne seien die am häufigsten anzutreffenden Wintergäste in der Region, erklärt Düllberg. 20 Männer und Frauen groß ist der Stamm der Helfer, die regelmäßig links und rechts der Elbe unterwegs sind, um die Tiere zu zählen.

450 Singschwäne hat Düllberg selbst gerade in einer Woche in der Nähe von Preten, gleich hinter der Grenze zu Mecklenburg-Vorpommern, beobachtet und gezählt. Besonders interessiert sind die Vogelkundler immer, wenn sie Tiere mit einer Beringung antreffen. Mit dem Spektiv, einem leistungsstarken Beobachtungsfernrohr, ist aus 100 Metern die Gravur auf dem Ring zu erkennen, am Computer lässt sich ermitteln, wo der Vogel seine Beringung erhalten hat und wo er schon beobachtet wurde. pet

Und so funktioniert es:

Erstens: Vögel zählen. Beobachten Sie eine Stunde lang Vögel am Futterhäuschen, im Garten, auf dem Balkon oder im Park um die Ecke — möglichst von einem guten Beobachtungsposten. Notieren Sie von jeder Art die höchste Anzahl an Vögeln, die im Laufe dieser Zeit gleichzeitig zu sehen waren. Nutzen Sie dafür die Zählhilfe, die unter www.nabu.de zu finden ist. Dort finden Sie auch das Meldeformular, in das die Ergebnisse eingetragen werden können.

Zweitens: Ergebnisse melden. Die gesammelten Informationen können Sie dem Nabu per Internet, Post oder Telefon zukommen lassen. Möchten Sie Ihre Beobachtungen via Internet weiterleiten, nutzen Sie das Online-Meldeformular. Meldeformular per Post an: Nabu, Stunde der Wintervögel, 10469 Berlin. Unter der kostenlosen Nummer Tel. 0800/1157115 können die Daten am 9. und 10. Januar von 10 bis 18 Uhr mitgeteilt werden. Meldeschluss ist der 18. Januar.