Donnerstag , 8. Dezember 2016
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Nicht nur Schnee und Eis stellen neuerdings die Metronom Eisenbahngesellschaft vor Herausforderungen. Foto: be
Nicht nur Schnee und Eis stellen neuerdings die Metronom Eisenbahngesellschaft vor Herausforderungen. Foto: be

Unruhige Fahrt für Metronom

dth Uelzen. Gab es dicke Luft in der Chefetage, die den technischen Geschäftsführer Jan Görnemann zum Weggang bei der Metronom Eisenbahngesellschaft bewogen hat? Auf LZ-Nachfrage wollte sich Görnemann selbst nicht dazu äußern, er sei „weisungsgebunden“. Und bei der Metronom-Pressestelle sagt Harald Lukaschewsky auf mehrmaliges Nachfragen: „Ich kann Ihnen keine Gründe nennen, weil ich keine kenne.“ Aber aus Kreisen der Belegschaft und dem Branchenumfeld heißt es hinter vorgehaltener Hand, dass es Differenzen über die strategische Ausrichtung von Metronom gegeben haben soll — Differenzen sowohl innerhalb der Geschäftsführung als auch gegenüber dem Mutterunternehmen Netinera. Dem widerspricht Wolfgang Kloppenburg, Vorstandsvorsitzender der Osthannoversche Eisenbahnen (OHE), die Metronom übergeordnet ist: „Wir sind nicht im Groll auseinandergegangen.“ Görnemann habe sich beruflich neu orientieren wollen.

Die Angestellten von einem von Deutschlands größten privaten Eisenbahnunternehmen erfuhren angeblich erst einen Tag vor Görnemanns Amtsniederlegung von dessen Abschied zum Jahresende, heißt es aus Mitarbeiterkreisen. Der Weggang des technischen Leiters kommt zur Unzeit: Denn 2016 warten noch große Herausforderungen auf das Unternehmen mit Sitz in Uelzen. Das Metronom-Altnetz zwischen Bremen, Cuxhaven, Hamburg, Uelzen und Göttingen wird bald neu ausgeschrieben (siehe Infokasten).

Derzeit hat der kaufmännische Geschäftsführer Dr. Lorenz Kasch kommissarisch auch die technische Leitung von Metronom übernommen, bis ein Nachfolger für Görnemann gefunden ist. Kasch war im vergangenen Mai aus Berlin von Netinera zu Metronom an die Ilmenau gewechselt. OHE-Vorstandsvorsitzender Kloppenburg zeigt sich zuversichtlich, dass Kasch die Aufgabe mit Unterstützung aus der Konzerngruppe meistern wird. Kasch war seinerzeit bei der Zentrale in Berlin verantwortlich für die Betreuung des Wachstums der Gruppe im Schienenverkehr. Kloppenburg sagt: „Herr Kasch ist geradezu prädestiniert. Wir werden das gemeinsam schaffen!“

Zu Görnemanns kurzfristigem Abschied sagt Kloppenburg: „Herr Görnemann war fünf Jahre bei Metronom, hat viel geleistet und hinterlässt große Fußstapfen.“ So bedankte sich Metronom auch per Pressemitteilung „für seinen persönlichen Einsatz und seine Innovationskraft (…) und für den zum Fahrplanwechsel 2015 neu aufgenommenen Verkehrsvertrag Enno“. Neuerdings bedient Metronom unter dem Namen „Enno“ das Schienennetz zwischen Hannover, Wolfsburg und Hildesheim.

In Belegschaftskreisen ist man dennoch irritiert, dass Görnemann, der stets Kontakt zum Zugpersonal gesucht habe, ohne ein Wort des Abschieds sein Amt niedergelegt habe. Das sei nicht seine Art, heißt es.

Görnemann ist bei Metronom seit 2010 der nunmehr sechste Geschäftsführer, der das Unternehmen verlässt. 2010 hatte sich Metronom von den Gründungs-Geschäftsführern Henning Weize und Dr. Carsten Hein getrennt. Teile der Belegschaft hatten damals sogar eine Zerschlagung des Unternehmens befürchtet. Es folgte der damalige OHE-Vorstand Wolfgang Birlin als Geschäftsführer. Später übernahm Heinrich Stoßenreuther den technischen Bereich. Im Verlauf des Jahres 2011 bildeten dann Görnemann und Frank Höhler die Doppelspitze. Vergangenes Jahr wurde Höhler von Kasch ersetzt und nun hat auch Görnemann sein Amt niedergelegt, steht offiziell laut Kloppenburg aber noch für wenige Monate auf der Metronom-Gehaltsliste.

Schienennetz steht vor der Ausschreibung
Bereits seit 2003 bedient die Metronom Eisenbahngesellschaft das sogenannte Hansenetz zwischen Bremen, Hamburg, Uelzen, Hannover und Göttingen. Und seit 2007 die Strecke Cuxhaven-Hamburg. Rainer Peters, Sprecher der Landesnahverkehrgesellschaft Niedersachsen (LNVG), sagt: „In wenigen Wochen werden wir die Ausschreibung für die Regionalstrecke Cuxhaven-Hamburg im EU-Amtsblatt veröffentlichen.“ Dann hätten Bewerber vier bis fünf Monate Zeit, ein Angebot für den Betrieb ab Dezember 2018 abzugeben. Es geht dort um 1,4 Millionen Zugkilometer auf einer Strecke, die noch mit Diesellok bespannten Zügen befahren werden muss. Voraussichtlich werde sich in der Ausschreibung auch eine neue Vorschrift niederschlagen, wonach das Betriebspersonal des bisherigen Anbieters übernommen werden soll. Die Züge werden indes von der LNVG zur Verfügung gestellt. Voraussichtlich im Herbst werde laut Peters die Ausschreibung des Hansenetzes mit 7,6 Millionen Zugkilometern folgen. Dann müsste sich Metronom auch wieder auf seiner angestammten Strecke dem Wettbewerb unter anderem mit der Bahn-Tochter „DB Regio“ stellen.

Noch steht es aber nicht fest, ob die Deutsche Bahn ihren Hut tatsächlich in den Ring wirft. „Wir werden uns die Ausschreibungsunterlagen genau ansehen und uns dann entscheiden“, sagt Bahn-Sprecher Egbert Meyer-Lovis auf LZ-Nachfrage. Zuletzt war die DB auch in Schleswig-Holstein erfolgreich, hat die Ausschreibung der Regionalverkehrsstrecke zwischen Hamburg und Sylt gegen die Nord-Ostsee-Bahn (NOB) gewonnen und bedient die Strecke mit der Tochter DB Regio wieder ab Dezember 2016. dth