Donnerstag , 8. Dezember 2016
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Haben eine gemeinsame Stellungnahme beim Landkreis Harburg eingereicht (v.l.): Bürgermeisterin Meike Moog-Steffens (Stadt Schneverdingen), Dr. Ing. Saskia Oldenburg (Industrieberatung Umwelt, Wistedt), Andreas Ristau (Bauamtsleiter, Samtgemeinde Salzhausen), Claus Bohling (Geschäftsführer Industrieberatung Umwelt, Wistedt), Bürgermeister Olaf Muus (SG Hanstedt), Dr. Konrad Asemissen (Kanzlei Dombert Rechtsanwälte, Potsdam), Bürgermeisterin Sabine Schlüter (Gemeinde Bispingen), Bürgermeister Dr. Peter Dörsam (SG Tostedt), Thomas Burmester (Fachbereichsleiter Bauen / Bauleitplanung, SG Jesteburg), Marc Wedemann (Bauamt, SG Salzhausen). Foto: nh
Haben eine gemeinsame Stellungnahme beim Landkreis Harburg eingereicht (v.l.): Bürgermeisterin Meike Moog-Steffens (Stadt Schneverdingen), Dr. Ing. Saskia Oldenburg (Industrieberatung Umwelt, Wistedt), Andreas Ristau (Bauamtsleiter, Samtgemeinde Salzhausen), Claus Bohling (Geschäftsführer Industrieberatung Umwelt, Wistedt), Bürgermeister Olaf Muus (SG Hanstedt), Dr. Konrad Asemissen (Kanzlei Dombert Rechtsanwälte, Potsdam), Bürgermeisterin Sabine Schlüter (Gemeinde Bispingen), Bürgermeister Dr. Peter Dörsam (SG Tostedt), Thomas Burmester (Fachbereichsleiter Bauen / Bauleitplanung, SG Jesteburg), Marc Wedemann (Bauamt, SG Salzhausen). Foto: nh

Heidewasser: Kommunen kritisieren Antrag

dth Salzhausen/Hanstedt. „Die Hamburger sollen endlich die Hosen herunterlassen“, sagte der damalige Hanstedter Samtgemeindebürgermeister Volker Hintz. Und sein Tostedter Amtskollege Dirk Bostelmann sagte zum Förderantrag von „Hamburg Wasser“: „Das sind 15 Aktenordner Blabla und nur ein bisschen über Bedarf und die Hintergründe.“ Das war vor sechs Jahren, als insgesamt vier Bürgermeister gemeinsam gegen den Wasserdurst aus Hamburg mit einem gemeinsamen Papier aufbegehrten. Das wasserrechtliche Genehmigungsverfahren beim Landkreis Harburg läuft nach einem Neustart immer noch. Mittlerweile sind es 17 Aktenordner, die Amtsinhaber haben gewechselt, der Ton auch. Aber die Kritik ist geblieben: Jetzt erheben sieben Samtgemeinden und Städte mit einem Gutachten Einwände gegen den Antrag von Hamburg Wasser und immer mehr Kommunen schließen sich an.

Die Samtgemeinden Jesteburg, Salzhausen, Tostedt und Hanstedt, die Gemeinden Bispingen und Seevetal sowie die Stadt Schneverdingen haben gemeinsam ein Gutachten beim Büro „Industrieberatung Umwelt“ in Wistedt in Auftrag gegeben. Die Ergebnisse liegen mittlerweile vor und bilden die Grundlage für eine gemeinsame Stellungnahme beim Landkreis Harburg als Genehmigungsbehörde. Nach Angaben von Hanstedts Samtgemeindebürgermeister Olaf Muus, zugleich Vereinsvorsitzender des Naturparks Lüneburger Heide, haben sich unterdessen auch die Samtgemeinden Amelinghausen und Hollenstedt sowie die Gemeinde Stelle bei den Kritikern eingereiht.

Dabei betonen die Kommunen, dass sie einerseits grundsätzlich den Bedarf der Hamburger Wasserwerke nach Grundwasser in der Nordheide sehen, wollen aber selber nicht dahinter zurückstehen.

Wie berichtet, beantragen die Hamburger Wasserwerke (HWW), 18,4 Millionen Kubikmeter Wasser jährlich in der Heide abpumpen zu dürfen, um damit einen Teil des Wasserdurstes der Hansestadt Hamburg zu stillen. Bei der ersten Version des Antrags waren bereits mehr als 2000 Stellungnahmen eingegangen. Der Landkreis Harburg wies zuletzt darauf hin, dass diese weiterhin Gültigkeit besitzen. Die Kommunen legen jetzt trotzdem nach.

„Wir sprechen bei dem erneuerten Antrag über ganz andere Qualitäten“, sagt beispielsweise Salzhausens Samtgemeindebürgermeister Wolfgang Krause. So war das Grundwasserströmungsmodell seinerzeit noch nicht Bestandteil der Antragsunterlagen. Und nicht nur da sehen die Kommunen jetzt Nachbesserungsbedarf.
Eine Kernforderung ist, dass die HWW keine Förder-Bewilligung, sondern maximal eine „gehobene Erlaubnis“ für maximal 10 bis 15 Jahre erhalten und die Fördermengen auf Basis eines umfangreichen Monitorings dynamisch angepasst werden, anstatt einer festen Menge für 30 Jahre. Und den Kommunen müsse „Vorrang bezüglich der Daseinsvorsorge der Wasserförderung garantiert werden“. Krause: „Wir haben auch ein eigenes Wasserwerk und es darf nicht sein, dass wir durch die Förderung von HWW Nachteile haben.“

Außerdem fordern die Kommunen eine Stilllegung der im Naturschutzgebiet Lüneburger Heide aktiven und ein Verbot neuer Brunnen. Kritisch wird zudem in dem gemeinsamen Papier angemerkt, das von Hanstedts Samtgemeindebürgermeister Olaf Muus initiiert wurde, dass beim Antrag immer wieder auf die positiven Auswirkungen der kommenden Verwaltungsvereinbarung zwischen Hamburg und Niedersachsen hingewiesen wird. Darin sollen weitere Regeln für die Wasserförderung festgehalten werden. Doch der Entwurf der Vereinbarung war den Kommunen bislang nicht bekannt.

Salzhausens Samtgemeindebürgermeister Krause sagt: „Wir werden mit Landkreis und HWW sprechen, welche unserer Forderungen erfüllt werden können. Sollte das in weiten Teilen nicht möglich sein, müssen wir mit unseren Räten über weitergehende Schritte sprechen.“ Dann sei auch eine Klage nicht auszuschließen.