Aktuell
Home | Lokales | Erbpacht: „Das Sozialverträgliche hinkt sehr“
Reinhild und Walter Büsch vor ihrem Haus auf dem Grundstück am Oedemer Weg. Durch den neuen Erbpachtvertrag mit der Stadt sind ihre Kosten drastisch gestiegen. Foto: t&w
Reinhild und Walter Büsch vor ihrem Haus auf dem Grundstück am Oedemer Weg. Durch den neuen Erbpachtvertrag mit der Stadt sind ihre Kosten drastisch gestiegen. Foto: t&w

Erbpacht: „Das Sozialverträgliche hinkt sehr“

us Lüneburg. Bezahlbarer Wohnraum auch für Menschen mit geringem Einkommen – in Lüneburg bekommt dieses Thema mit wachsender Attraktivität immer mehr Brisanz. Politik und Verwaltung geloben zu handeln, bis 2021 sollen 700 neue Wohnungen im preisgünstigen Segment entstehen. Doch während im Neubaubereich erste Schritte unternommen werden, droht in einem anderen Bereich die soziale Balance aus dem Gleichgewicht zu geraten: Eigenheimbesitzer mit alten Erbpachtverträgen werden kräftig zur Kasse gebeten (LZ berichtete). Manche trifft es besonders hart und unvorbereitet.

„Bislang haben wir 350 Euro gezahlt, jetzt sind es knapp 6000 Euro“, sagt Walter Büsch. Vor zwei Jahren erhielten er und seine Frau Post von der Stadt, dem Ehepaar wurde eine Verlängerung des Erbbau-Pachtvertrages angeboten, der bereits 1924 von Walter Büschs Großvater für das Grundstück am Oedemer Weg abgeschlossen wurde. Weil für sie die Kostensteigerung nicht tragbar war, sahen sie sich gezwungen, das Haus zu verkaufen. Doch auch dieser Weg scheint ihnen nahezu versperrt: „Wir haben es angeboten, aber bei Erbpacht schrecken alle zurück“, sagt der 69-Jährige. Regelmäßig seien potentielle Käufer abgesprungen, zuletzt wurden ihnen 200 000 Euro für Vorder- und Nebenhaus auf dem 1350 Quadratmeter großen Grundstück geboten – weit entfernt von den 450 000 Euro, die von einem ortsansässigen Makler ursprünglich genannt wurden. Sie beschlossen, zu bleiben, nicht zuletzt, weil sie das Vorderhaus vermieten können und Walter Büsch als gelernter Polier bei anfallenden Reparaturen selbst Hand anlegen kann. „Unsere Einnahmen aus der Miete sollte eigentlich unsere Rente aufbessern, aber die gehen jetzt für den Pachtzins drauf.“
Besonders ärgert ihn, dass die Stadt mit zweierlei Maß messe: „Woanders will die Stadt günstigen Wohnraum anbieten, aber bei den vielen alteingesessenen Lüneburgern, die ihr kleines Haus in Erbpacht gekauft haben, schlagen sie ordentlich drauf. Das Sozialverträgliche hinkt da sehr.“

Auch vermutet er, dass der Lüwobau, die als kommunales Unternehmen im Speicherviertel Wohnungen auf Grundstücken mit Erbpacht errichtet, möglicherweise günstigere Zinsen eingeräumt wurden. Dazu sagt Stadtpressesprecher Daniel Gritz: „Die Lüwobau zahlt den ortsüblichen Zinssatz.“ Auch den Vorwurf, die Stadt messe mit zweierlei Maß, lässt er nicht gelten: „Die Stadt Lüneburg lässt auch Bewohner von Eigenheimen nicht im Regen stehen, deren Haus sich auf einem Erbpachtgrundstück befindet und die nur ein geringes Einkommen haben. Auch diese Lüneburger haben einen Anspruch auf Wohngeld, wenn ihr Einkommen eine bestimmte Grenze nicht übersteigt.“

Was für Mieter der Mietzuschuss sei, ist bei Eigenheimbesitzern der Lastenzuschuss, für beide gelten die selben Einkommensgrenzen. „Diese Grenzen sind zum 1. Januar für Lüneburg um mehr als 20 Prozent erhöht worden“, erläutert Gritz. So erhalte derjenige Wohngeld, dessen Monatseinkommen 987 Euro nicht übersteige, zuvor waren es 820 Euro. Außerdem gelte ein Schonvermögen von 60 000 Euro.

Walter und Reinhild Büsch hoffen, dass nicht bald weitere Erhöhungen kommen, die laut Pachtvertrag alle zwei Jahre möglich seien. Denn auch die 6000 Euro, die sie als Grunderwerbsteuer an das Finanzamt zahlen mussten, seien ein „Hammer“ gewesen. Die Steuer wird sowohl bei Neuabschlüssen als auch bei Verlängerungen fällig, wie Nils Böhnke vom Finanzamt Lüneburg erklärt: „Mit der Verlängerung erwirbt man das grundstücksgleiche Recht erneut, so, als schließe man den Vertrag erstmalig ab.“ .
Das Ehepaar vom Oedemer Weg zieht ernüchtert Bilanz: „Wir raten allen jungen Menschen, bloß die Finger von Erbpachtverträgen zu lassen.“

2 Kommentare

  1. der artikel taugt nichts, kommt öfters vor.Diese Grenzen sind zum 1. Januar für Lüneburg um mehr als 20 Prozent erhöht worden“, erläutert Gritz. So erhalte derjenige Wohngeld, dessen Monatseinkommen 987 Euro nicht übersteige, zuvor waren es 820 Euro. Brutto oder Netto? wenn ein rentner 900 euro ausbezahlt bekommt, bekommt er brutto ca 1000 euro, muss dieses aber versteuern und landet weit unter 987 euro.

  2. Zitat: „Die Stadt Lüneburg lässt auch Bewohner von Eigenheimen nicht im Regen stehen, deren Haus sich auf einem Erbpachtgrundstück befindet und die nur ein geringes Einkommen haben. Auch diese Lüneburger haben einen Anspruch auf Wohngeld, wenn ihr Einkommen eine bestimmte Grenze nicht übersteigt.“

    Ehre, wem Ehre gebührt. Wohngeld wird vom Bund und vom Land finanziert, die mildtätige Stadt Lüneburg zahlt k e i n e n Cent dazu! Im Gegenteil: Über das Wohngeld läßt sich die Stadt ihre Wucherzinsen sogar von Bund und Land subventionieren!

    @Klaus Bruns: Ob brutto oder netto können Sie unter
    http://www.wohngeldrechner.nrw.de/WgRechner/wogp/cgi/call-TSO.rexx?P%28wgrbwlkm%29;NS
    ausrechnen.