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Auch im Unterhafen des Schiffshebewerk Scharnebeck müssen Binnenschiffer auf dem Weg nach Hamburg derzeit eine Zwangspause eingelegen. Die Schleuse Geesthacht ist wegen Eisgangs gesperrt. Foto: t&w
Auch im Unterhafen des Schiffshebewerk Scharnebeck müssen Binnenschiffer auf dem Weg nach Hamburg derzeit eine Zwangspause eingelegen. Die Schleuse Geesthacht ist wegen Eisgangs gesperrt. Foto: t&w

Binnenschifffahrt: Neuer Rekord bei Güterumschlag

dth Scharnebeck/Geesthacht. Jetzt liegen die Zahlen nach dem letzten Quartal vor. Zwar sind die Werte hinter den Erwartungen für die Binnenschifffahrt im Hamburger Hafenhinterland zurückgeblieben. Dennoch: 2015 war ein Rekordjahr im Gütertransport für das Schiffshebewerk in Scharnebeck – und das trotz des insgesamt zurückgegangenen Güterumschlags im Hamburger Hafen. Am Schiffshebewerk Scharnebeck sowie der Schleuse Uelzen wurde der Vorjahreswert von rund elf Millionen transportierten Ladungstonnen erneut erreicht, dabei hatte das Wasser- und Schifffahrtsamt (WSA) Uelzen zuletzt noch auf einen Wert von 11,5 Millionen Tonnen gehofft. Besonders stark ist der Anteil des Container-Transports gewachsen, um rund 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahr – auf mehr als 99 000 Standardcontainer (TEU : „Twenty-foot Equivalent Unit“/ 20-Fuß-Einheit). 2014 waren es noch rund 82 000 TEU. Allerdings sind viele der Container leer.

Verschiedene Faktoren spielen für den wachsenden Gütertransport auf dem Elbe-Seitenkanal eine Rolle. So profitierte der sogenannte „Heide-Suez“ im vergangenen Jahr vom anhaltenden Niedrigwasser der Elbe, sodass nicht neun von zehn, sondern zehn von zehn Binnenschiffen, die aus Hamburg kamen, in Höhe Artlenburg in den Elbe-Seitenkanal abbogen. Gleichzeitig stieg die transportierte Gütermenge in TEU im Hafenhinterland gegen den Trend des Hamburger Hafens (zuletzt minus 9,2 Prozent), legte im ersten Dreivierteljahr 2015 ein Plus von einem Prozent hin auf insgesamt 4,5 Millionen TEU. Überdurchschnittlich legte dabei der Container-Transport auf der Schiene zu. Der kleinste Teil des Container-Umschlags entfällt mit gut zwei Prozent auf das Binnenschiff. Foto t&w Schiffshebewerk Scharnebeck Wetter Winter Eis ESK

So bargen die mehr als 99 000 Standardcontainer, die 2015 das Schiffshebewerk von oder in Richtung Hamburg passierten, rund 700 000 Ladungstonnen – von insgesamt elf Millionen. Das Gros machen die Massen- und Schüttgüter aus wie Kohle, Getreide oder Erze.

Nach Angaben des WSA Lauenburg summierte sich die transportierte Gesamtladung für Elbe und Elbe-Seitenkanal im Jahr 2015 sogar auf insgesamt 11 182 000 Ladungstonnen, die an der Messstelle Geesthacht gezählt wurden.

Davon verteilten sich rund 846 000 Ladungstonnen auf mehr als 105 000 Standardcontainer, rund 9000 Container mehr als im Vorjahr. Allerdings waren nur knapp 60 Prozent der insgesamt transportierten Container auch beladen. Diese Quote bewegt sich seit Jahren auf einem ähnlichen Niveau. Das bestätigt auch Bengt van Beuningen von „Hafen Hamburg Marketing“: „Wir gehen davon aus, dass der Anteil der Leercontainer sich in einem Bereich von 40 bis 45 Prozent im Binnenschiff-Hinterlandverkehr des Hamburger Hafens bewegen dürfte.“

Auch im näheren Umfeld des Hamburger Hafens ist der Aufwand für den Transport von Leercontainern immens: Schätzungen der Hamburg Port Authority (HPA) zufolge entfallen mehr als eine Million Lkw-Fahrten pro Jahr allein auf die Leercontainerlogistik. Im 2012 initiierten Arbeitskreis Leercontainerlogistik erarbeitet die HPA gemeinsam mit Hafenunternehmen und Verbänden Konzepte zur Verbesserung der logistischen Prozesse und zur Entlastung der Straßeninfrastruktur, vor allem der Köhlbrandquerung. Einen der wesentlichen Ansätze für die Entlastung der Straßeninfrastruktur bildet die Verlagerung von Leercontainermengen auf andere Verkehrsträger, wie zum Beispiel das Binnenschiff, teilt die HPA mit. Die Arbeiten beispielsweise zur Herstellung einer größeren Wassertiefe im Bereich Neuhöfer Kanal sollen jetzt fortgesetzt werden. Derzeit ist die Binnenschiffsabfertigung zwischen Leercontainerdepot in Hamburgs Osten und den großen Containerterminals aufgrund nicht ausreichender Wassertiefe nur während des Hochwassers möglich.

Die Stärkung des Binnenschiffes im Hamburger Hafen könnte sich auch positiv auf die Entwicklung des Binnenschiffverkehrs im Hinterland auswirken. Der steht derzeit allerdings weitgehend still. Wegen Eisgangs hatte das WSA Lauenburg die Schleuse Geesthacht bereits am Mittwoch gesperrt. So legten auch Binnenschiffer im Elbe-Seitenkanal bei Scharnebeck eine Zwangspause ein. Wann die Sperrung wieder aufgehoben wird, stand gestern noch nicht fest. Das sei witterungsabhängig, hieß es.