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In Sachen Alpha-Variante E geben sich die Deutsch Everner längst noch nicht geschlagen, kämpfen weiter gegen das dritte, womöglich sogar gegen ein viertes Gleis, das ihre Kommune durchschneiden würde. Jetzt hat die Gemeinde einen Anwalt mit der Wahrung ihrer Interessen beauftragt. Foto: A/t&w
In Sachen Alpha-Variante E geben sich die Deutsch Everner längst noch nicht geschlagen, kämpfen weiter gegen das dritte, womöglich sogar gegen ein viertes Gleis, das ihre Kommune durchschneiden würde. Jetzt hat die Gemeinde einen Anwalt mit der Wahrung ihrer Interessen beauftragt. Foto: A/t&w

Alpha-Variante E: Deutsch Evern mit Anwalt gegen drittes Gleis

kre Deutsch Evern. Als „historischen Erfolg“ wertete Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD) das Ergebnis des „Dialogforums Schiene Nord“. Mehr noch: Die Entscheidung für die Alpha-Variante E (LZ berichtete) sei ein „Meilenstein für die künftige Bürgerbeteiligung bei Großprojekten“. Deutsch Everns Bürgermeisterin Ulrike Walter (CDU) sieht dies anders. Und nicht nur sie.

Alpha-Variante E: Die Diskussion geht weiter

Verständigt hat sich das Forum auf die sogenannte Alpha-Variante E , die aus Sicht vieler Kritiker allerdings nicht geeignet ist, die Schieneninfrastruktur im Raum Bremen-Hamburg-Hannover zukunftsfähig zu machen. Im Gegenteil: „Mit der Realisierung der Alpha-Variante E werden sämtliche offiziellen verkehrs-, wirtschafts-, energie- und klimapolitischen Ziele ad absurdum geführt“, sagt Deutsch Everns Bürgermeisterin. Da die Gemeinde Deutsch Evern von dem vorgesehenen dreigleisigen Ausbau der Bestandsstrecke Lüneburg-Uelzen unmittelbar betroffen wäre, „werden wir alle juristischen Mittel ausschöpfen“, kündigt Walter an. Ein erster Schritt ist bereits getan: Die Gemeinde hat einen Fachanwalt engagiert, der prüfen soll, welche Möglichkeiten für Einwendungen bei der Aufstellung des Bundesverkehrswegeplans bestehen, in dem das Projekt verankert werden soll.

Der Kapmf geht weiter : "Es wird keine konfliktarme Trasse geben", mahnt BI-Sprecher Michael Hansen. Foto: A/t&w
Der Kampf in Sachen Alpha-Variante E geht weiter: „Es wird keine konfliktarme Trasse geben“, mahnt BI-Sprecher Michael Hansen. Foto: A/t&w

Zudem hat Deutsch Everns Gemeindedirektorin Stephanie Buntrock im Auftrag der Gemeinde neben Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) die Mitglieder des Bundesverkehrsausschusses angeschrieben, die sich in den nächsten Wochen mit dem Bundesverkehrswegeplan beschäftigten werden. „Es geht um einen dreigleisigen Ausbau der Bestandsstrecke zwischen Lüneburg und Uelzen, der bei hohen Kosten wenig Effekt bringt und ein hohes Konfliktpotenzial birgt“, heißt es in dem Schreiben. Auch mahnt sie, dass ein Vertreter der Bahn bereits von einem vierten Gleis zwischen Lüneburg und Uelzen spricht, sollte sich der entsprechende Bedarf ergeben. Das allerdings würde bedeuten, dass viele Häuser entlang der Strecke der Abrissbirne zum Opfer fallen würden, um Platz für den vierten Schienenstrang zu schaffen.

Kritisch sehen die Deutsch Everner ebenso, dass das Dialogforum sich nicht nur auf die Alpha-Variante E festgelegt hat, sondern auch gleich den Einstieg in das Planfeststellungsverfahren gefordert hat. „Bei dem hochgradig konfliktbeladenen Ausbau der Strecke Lüneburg-Uelzen ist dies rechtlich sehr problematisch und politisch nicht zu verstehen. Der Ausbau des dritten Gleises zwischen Lüneburg und Uelzen würde somit ohne Abwägung von Alternativen beginnen“, bemängeln die Deutsch Everner, die auch deutliche Kritik am Verfahren des Dialogforums in Celle üben: „Gern wird behauptet, das Dialogforum Schiene Nord habe sich mit 90 Prozent der Stimmen auf Alpha E verständigt“. Das treffe aber nicht zu. „Das Abschlussdokument wurde lediglich von zwei Dritteln der stimmberechtigen Mitglieder unterzeichnet.“ Zudem seien viele betroffene Gemeinden und Bürgerinitiativen nicht stimmberechtigt gewesen.“ Dazu zählte auch Deutsch Evern – trotz mehrfacher Anträge auf Aufnahme als stimmberechtigtes Mitglied in das Forum.

Nicht nach anerkannten Maßstäben gehandelt

Auch Teilnehmer wie Lüneburgs Erster Kreisrat Jürgen Krumböhmer bemängeln, dass bei der Festlegung auf die Alpha-Varinate E „nicht nach anerkannten Maßstäben mit fundierter Methodik gearbeitet wurde“. Zudem sei versäumt worden, die Grundaufgabe, die bedarfsgerechte Planung einer Verkehrsinfrakstruktur, zu lösen. Dennoch treiben die Bürgerinitiativen, die sich mit ihrem Votum beim Dialogforum durchsetzen konnten, die Realisierung der Alpha-Variante E weiter voran: „Um diese Strecke sicher in den Bundesverkehrswegeplan einzubringen, wird eine wichtige Aufgabe in der intensiven Betreuung der Entscheidungsträger gesehen“, heißt es in einem Rundschreiben an die Forum-Teilnehmer. „Der Geist des Abschlussdokuments muss bewahrt und behütet werden“, schwört Friedrich Karl-Bodin, Sprecher der Bürgerinitiative Ostheide, die Befürworter ein.

Der Bürgerinitiative Deutsch Evern, die beim Forum in Celle noch außen vor bleiben musste, wird jetzt aber die Mitarbeit angeboten. Für den Deutsch Everner BI-Sprecher Michael Hansen fast schon eine Provokation: „Wenn die Zustimmung zu diesem Papier die Voraussetzung zur Teilnahme an diesem Gremium ist, sind wir der falsche Partner“, lässt er Bodin wissen. In Deutsch Evern werde man weiter gegen den Bau eines dritten Gleises kämpfen.

Millionen für die Planung

Nach dem Aus für die Y-Trasse und der Entscheidung zum Ausbau bestehender Bahnstrecken in Niedersachsen (Alpha-Variante E) wollen Bahn und Land die Planungen mit Hochdruck angehen. Als erstes soll der zweigleisige Ausbau der Strecke von Rotenburg nach Verden angegangen werden, der bereits seit 30 Jahren im Bundesverkehrswegeplan steht, teilten Verkehrsministerium und Deutsche Bahn in Hannover mit. „Unser Ziel ist es, die Finanzierung schnell sicherzustellen und noch 2016 erste Planungsaufträge zu vergeben“, sagte der neue Planungschef der Bahn für das Großprojekt, Matthias Hudaff. Niedersachsen wird für die Planung zehn Millionen Euro als Vorfinanzierung bereitstellen, sagte Verkehrsminister Olaf Lies (SPD). „Ziel ist ein schneller Planungsbeginn.“ Der Ausbau zwischen Verden und Rotenburg habe Priorität. Die 27 Kilometer lange Strecke ist bislang ein Nadelöhr für Güterzüge auf der Fahrt von Hamburg Richtung Hannover oder Ruhrgebiet.

Außerdem vorgesehen ist der Ausbau der Strecke Nienburg-Minden sowie der sogenannten Amerika-Linie von Bremen nach Uelzen, über die Züge Richtung Ost- und Süddeutschland fahren sollen. Zwischen Lüneburg und Uelzen ist ein drittes Gleis geplant. Bahn und Land hatten sich dem vom Dialogforum Schiene Nord ausgearbeiteten Ausbaukonzept, der Alpha-Variante E, angeschlossen. In die weiteren Planungsschritte für das Großprojekt will die Bahn die Öffentlichkeit auch künftig einbinden. Voraussichtlich im Februar ist eine erste große Info-Veranstaltung vorgesehen. ↔lni

2 Kommentare

  1. verkehr vermeiden ist besser, als ihn zu fördern. der mensch und die umwelt würden es danken. der wirtschaft ist beides egal , hauptsache der profit stimmt. wer mehr schienen und strassen baut, bekommt die quittung und sonst nichts.

  2. Straubhaar: Die Globalisierung, wie wir sie früher gefeiert haben, mit Containern, Schiffen und Häfen, wird immer weniger relevant. Es kann ökonomisch nicht nachhaltig sein, Standardgüter zentral herzustellen und sie um die halbe Welt zu transportieren. Künftig wird wieder mehr vor Ort produziert, näher am Kunden. Wenn ich sehe, wozu 3D-Drucker fähig sind, wird sich da einiges tun.
    drittes Gleis,wo zu?