Aktuell
Home | Lokales | Lüneplatt: Verein sucht nach alten Spielen
Der Kibbel liegt über der Kuhle, mit dem Kabbel wird er gleich in die Luft geschleudert – die Fänger warten auf den Wurf, beobachtet von Heiko Frese und Elke Schröder, auf deren Hof gespielt wird. Foto: t&w
Der Kibbel liegt über der Kuhle, mit dem Kabbel wird er gleich in die Luft geschleudert – die Fänger warten auf den Wurf, beobachtet von Heiko Frese und Elke Schröder, auf deren Hof gespielt wird. Foto: t&w

Lüneplatt: Verein sucht nach alten Spielen

pet Lüneburg. „Kibbel-Kabbel“, das Geschicklichkeits- und Fangspiel, das mit einem angespitzten Rundholz und einem Stock gespielt wird, gehört zu den bekannteren alten norddeutschen Spielen. Als in den 1950er-Jahren Kinder ihre Spielzeug oft noch selbst schnitzen oder basteln mussten, war „Kibbel-Kabbel“ besonders beliebt. Dass es in der Region um Lüneburg viele solcher Spiele gegeben hat, wissen Brigitte Dörling, Heiko Frese und Eckardt Fröling – sie wollen diese „plattdeutschen Spiele“ jetzt sammeln und veröffentlichen.

„Wir möchten die alten Spiele dokumentieren, wollen diese Schätze festhalten und sie am Leben erhalten“, erklärt Heiko Frese, 2. Vorsitzender des Vereins „Lüneplatt“, der sich seit mehr als drei Jahren für den Erhalt der niederdeutschen Sprache in der Region einsetzt und jetzt auch die Suche nach den Spielen auf den Weg gebracht hat. „Die alten Spiele sollen nicht in Vergessenheit geraten. Und vielleicht können wir damit auch Kinder wieder in Bewegung bringen“, meint Brigitte Dörling.
„Wir suchen Spiele aus Zeiten, als es noch keine Computerspiele gab und man noch nicht Monopoly in jedem Schrank hatte“, sagt Heiko Frese. Laufspiele, Fangspiele oder Fingerspiele werden gesucht.

„Es gab früher viele lokale und regionale Varianten von Spielen. Alles war noch nicht so vereinheitlicht wie heute“, weiß Heiko Frese. In Dahlenburg wurde ein Spiel vielleicht nach ganz anderen Regeln gespielt als in Amelinghausen. Frese und seine Mitstreiter suchen auch nach alten Traditionen aus den Dörfern, etwa zu Faslam, Pfingsten oder zu Ostern.

Wer „plattdeutsche“ Spiele kennt, ob aus dem Landkreis Lüneburg oder auch darüber hinaus, kann sich bei dem Trio melden. „Wir kommen dann gern zu den Menschen nach Hause, die uns von alten Spielen ihrer Kindheit, an die sie sich noch erinnern, erzählen wollen“, sagt Brigitte Dörling.

Was die Freunde der Niederdeutschen Sprache in der Region Lüneburg jetzt planen, haben Gleichgesinnte in Ostfriesland schon geschafft: Unter dem Titel „Wullt mit mi spölen?“ hat der Arbeitskreis Ostfriesische Landschaft Spiele gesammelt und in einem 354 Seiten starken Buch veröffentlicht.

Erste Spiele haben Brigitte Dörling, Heiko Frese und Eckardt Fröling schon zusammen, es sollen noch viele weitere werden. „Und die wollen wir dann auch angemessen veröffentlichen, mit Spielanleitungen und Illustrationen“, sagt Frese.

Wer alte plattdeutsche Spiele oder auch Bräuche kennt, kann sich wenden an Brigitte Dörling (Tel.: 05853/616), Heiko Frese (Tel.: 04131/8546860) oder Eckardt Fröling (Tel.: 04178/3169671).

Sportlicher Spaß leicht gemacht

Es gibt viele Varianten des „Kibbel-Kabbel“, auch „Kippel-Kappel“ genannt. Benötigt werden in jedem Fall ein Kibbel und ein Kabbel: Der Kibbel ist ein etwa 10 Zentimeter langes Holz, das an beiden Enden angespitzt ist. Der Kabbel ist ein knapp ein Meter langer Schlag- oder Wurfstock.

Für das Spiel muss eine Kuhle ausgegraben werden, über die quer der Kibbel gelegt wird, so dass man den Kabbel gut darunter schieben kann, um so den Kibbel in die Luft zu schleudern. Zwei Parteien spielen gegeneinander, eine bildet die Werfer, die andere die Fänger. Ein Kind der Werferpartei legt den Kibbel quer über die Kuhle, während die Fänger sich in einigen Metern Entfernung aufstellen.

Nun schleudert der Werfer seinen Kibbel mit Hilfe des Kabbels in die Luft und den Fängern entgegen, die nun versuchen müssen, den Kibbel zu fangen. Gelingt das, bekommt die Fängerpartei Punkte gutgeschrieben und darf drei Schritte auf die Kuhle zugehen. Der Fänger muss nun versuchen, mit dem Kibbel den quer über der Kuhle liegenden Kabbel zu treffen. Dafür gibt es wieder Punkte. Wird der Kibbel erst gar nicht gefangen, erhält die Werferpartei Punkte. Wer die meisten Punkte hat, ist Sieger.

One comment

  1. Ein angespritzes Holzstück das geworfen wird?! Na ich weiß ja nicht ob das den heutigen Sicherheitsstandarts entspricht 😀