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Umweltschützer warnen seit langem: Zu viele Lebensmittel werden weggeworfen. Der niedersächische Landtag will etwas dagegen tun. Foto: nh
Umweltschützer warnen seit langem: Zu viele Lebensmittel werden weggeworfen. Der niedersächische Landtag will etwas dagegen tun. Foto: nh

Lebensmittel: Landtag kämpft gegen Verschwendung

off Lüneburg. Die Landfrauen im Landkreis Lüneburg kämpfen schon seit Jahren dagegen, jetzt nimmt sich auch der niedersächsische Landtag des Themas Lebensmittelverschwendung an. Nach einer umfangreichen Anhörung mit unterschiedlichen Experten im Unterausschuss Verbraucherschutz haben die Parteien einen gemeinsamen Antrag formuliert, den der Landtag jetzt beschlossen hat. Danach soll unter anderem eine Arbeitsgruppe zur Minimierung der Lebensmittelverschwendung mit Vertretern aller relevanten Akteure eingerichtet werden. „82 Kilogramm Lebensmittel werden aktuell pro Kopf und Jahr weggeworfen“, berichtet die grüne Landtagsabgeordnete Miriam Staudte aus der Anhörung. „Das entspricht in Niedersachsen einer Anbaufläche von 75 000 Hektar.“

Während der Anhörung kamen Vertreter unterschiedlicher Branchen zu Wort, „dabei ist deutlich geworden, dass die Ursachen für die Lebensmittelverschwendung vielseitig sind“, sagt Staudte. „Und deswegen brauchen wir eine Arbeitsgruppe aus allen relevanten Akteuren wie Produzenten, Gastronomie, Handel und Verbraucher-Experten.“ Schon auf dem Acker würden zwei von drei Salatköpfen untergepflügt und die dreibeinige Möhre findet sich auch nicht im Supermarktregal, berichtet Staudte von der Anhörung. Aus den Berichten der Gastronomie-Vertreter sei außerdem deutlich geworden, „dass einige gesetzliche Regelungen das Wegwerfen von Lebensmitteln begünstigen. Alles, was auf dem Büfett nicht verbraucht wird, muss weggeworfen werden,“ so die Grüne.

Wie das Problem konkret bekämpft werden kann, soll nun die Arbeitsgruppe ermitteln. Einige Ideen sind während der Anhörung schon diskutiert worden. „So macht das Mindesthaltbarkeitsdatum bei manchen Lebensmitteln wie Reis oder anderen Trockenwaren überhaupt keinen Sinn“, sagt Staudte.

Auch müssten 40 Minuten vor Ladenschluss nicht mehr alle 20 verschiedenen Brotsorten da sein. Für sinnvoll hält die Abgeordnete zudem die Einführung verschiedener Handelsklassen ähnlich wie beim Spargel auch bei anderem Gemüse. „Denn nur, weil eine Gurke krumm ist oder ein Salat ein braunes Blatt hat, muss das Gemüse nicht gleich weggeworfen werden.“

Auch die Einrichtung einer Datenbank mit vorbildlichen Beispielen ist geplant, „so können alle von bereits erprobten Best-Practice-Lösungen profitieren“, sagt Staudte. Andere Länder wie Frankreich begegnen dem Problem deutlich konsequenter als Deutschland. „Dort sind große Lebensmittelketten verpflichtet, Nahrungsmittel an gemeinnützige Organisationen abzugeben statt wegzuwerfen“, sagt Staudte. Das Land will den Handel zumindest darin unterstützen und bestärken, es den Lebensmittelketten in Frankreich nachzumachen.

Praktisch wie gewohnt gehen indes die Landfrauen gegen das Verschwenden von Lebensmitteln vor. Mit Aktionen unter dem Motto „Lebenmittel verwenden statt verschwenden“ wenden sich die Landfrauen auch im Kreis Lüneburg an Kinder und Jugendliche, zeigen ihnen bei gemeinsamen Kochtagen, was man aus trockenem Brot noch alles zubereiten kann und wie man sich organisiert, um das Verderben von Lebensmitteln zu verhindern.

Seit Jahren setzen sich die Landfrauenvereine zudem für die Einführung eines Schulfachs „Lebens- und Alltagsökonomie“ ein – bisher allerdings vergeblich. Auch die rot-grüne Landesregierung lehnt den Vorstoß bisher ab, auf LZ-Nachfrage argumentierte das Kultusministerium vor Kurzem so: „In den Schulen lernen unsere Kinder und Jugendlichen schon jetzt in unterschiedlichen Unterrichtsfächern viel, zum Beispiel über gesunde Ernährung, Verbraucherschutz, das Handeln als Konsument, über Nachhaltigkeit, Schutz der Umwelt oder eine selbstbestimmte Lebensführung“. Diese Inhalte seien durch die Kerncurricula bereits verbindlich vorgeschrieben.