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Studenten der Uni Lüneburg  geben jungen Flüchtlingen Deutschunterricht. Foto: A./t&w
Studenten der Uni Lüneburg geben jungen Flüchtlingen Deutschunterricht. Foto: A./t&w

Uni Lüneburg: Studenten bringen Flüchtlingen Deutsch bei

lz Lüneburg. Im vergangenen Jahr hat das niedersächsische Wissenschaftsministerium das Projekt „Studierende unterstützen Flüchtlinge beim Spracherwerb“ gestartet. Die Idee: Lehramtsstudierende, die bereits Kompetenzen zur Vermittlung von Deutsch als Fremd- oder Zweitsprache erworben haben, geben jungen Flüchtlingen Deutschunterricht. Das Projekt folgt dem Konzept des Service Learning: Studierende setzen ihre theoretischen Kenntnisse bereits während des Studiums in die Praxis um, erwerben dabei Kompetenzen in der interkulturellen Sprachenvermittlung und erhalten dafür Leistungspunkte an ihrer Universität.

An der Leuphana Universität Lüneburg wird dieses Ziel mit dem Projekt „Pluralität als Lernchance“ (PluraL.) verfolgt. Dafür arbeiten die Professur für Didaktik der Deutschen Sprache am Institut für deutsche Sprache und Literatur und ihre Didaktik (IDD) und die Zentraleinrichtung Moderner Sprachen (ZeMoS) zusammen. In insgesamt fünf Seminaren werden rund 120 Studierende auf die Sprachförderung für Geflüchtete theoretisch und praktisch vorbereitet. In unterschiedlichen Lernsituationen wie z. B. dem Tandemlernen oder der Sprachförderung für große Gruppen arbeiten sie dabei direkt mit den Geflüchteten zusammen.

Die gemeinsamen Begegnungen, neuen Erfahrungen sowie die konkreten Chancen und Herausforderungen bilden die Grundlage für die Reflektion und Evaluation. Als Begleitangebot zu den Seminaren gab es eine Vortragsreihe zu Themen wie „Berichte aus der Praxis mit Geflüchteten“, „Alltagsrassismus“ oder „Grundfragen zum Asylrecht“ sowie Workshops zu den Themen Interkulturelle Begegnungen, Alphabetisierung, Traumatisierung und Trauererfahrung. Die intensive Zusammenarbeit mit Praxispartnern vor Ort hat sich dabei als besonders wichtig erwiesen.

„Eine intensive fachliche Vorbereitung und enge Betreuung bilden wesentliche Grundlagen für eine Sprachbildung, in der Studierende bereits in der Praxis professionell agieren sollen“, erläutert Leuphana-Professorin Astrid Neumann vom IDD. Vor dem Hintergrund der aktuellen Diskussionen sei es wichtig, Standards zu erarbeiten, die Studierende befähigen, einen Beitrag zu einer gerechten Verteilung von Bildungschancen und Teilhabe in der Gesellschaft zu leisten.

Die Universitäten Göttingen, Hildesheim und Lüneburg haben jetzt für ein Jahr die wissenschaftliche Begleitung des Projekts übernommen. Sie wollen gemeinsame Standards für die Qualifizierung im Bereich der Sprachförderung ableiten und digitale Lehrveranstaltungen entwickeln. Dabei sollen zunächst die notwendigen Inhalte und mediendidaktischen Konzepte für ein derartiges gesamtniedersächsisches Programm entwickelt und abgestimmt werden. Die Ergebnisse sollen anschließend allen lehramtsausbildenden Hochschulen in Niedersachsen zur Verfügung stehen und sie in die Lage versetzen, ihre Studierenden noch besser auf die Tätigkeit in der Flüchtlingsarbeit vorzubereiten. Das Mercator-Institut für Sprachförderung und Deutsch als Zweitsprache der Universität zu Köln fördert die wissenschaftliche Begleitung für ein Jahr mit insgesamt rund 110.000 Euro. Die drei Universitäten beteiligen sich mit Eigenmitteln in Höhe von insgesamt etwa 62.000 Euro.