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Foto: nh/nabu/jürgen borris
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Land glaubt nicht an Wolfsbegegnung

off Gartow/Hannover. Ist der Jogger im Gartower Forst tatsächlich zwei Wölfen begegnet? Während der zuständige Wolfsberater Peter Burkhardt keine Zweifel an den Schilderungen des Betroffenen hat, erklärt der Pressesprecher des Niedersächsischen Landesbetriebes für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN), Achim Stolz, am Mittwoch Abend in einer Stellungnahme: „Wolfsbüro und Umweltministerium gehen davon aus, dass es sich bei der beschriebenen Begegnung vermutlich nicht um Wölfe gehandelt hat.“

Aus Sicht des Wolfsbüros stellt sich der Vorfall wie folgt dar: Der Jogger habe dem Wolfsberater von einer Begegnung mit „zwei Caniden“ (hundeartige Tiere) – möglicherweise Jungwölfen – berichtet. In dem Zusammenhang habe er „eine Berührung an der Hand“ gespürt. Später sei ihm dann die Verletzung am Daumen aufgefallen, der Jogger sei davon ausgegangen, dass dafür die Jungwölfe verantwortlich sind. „Der Jogger wurde von dem Wolfsberater und einer Amtsveterinärin zum Hergang befragt“, erklärt Stolz.

Aus dieser Befragung ergeben sich aus Sicht des NLWKN Zweifel, ob die Verletzung tatsächlich die Folge einer Begegnung mit Wölfen ist. „Gründe dafür sind, dass das beschriebene Verhalten des Tieres für einen Wolf untypisch ist und Handkontakt sehr typisch für Hunde ist.“ Auch das beschriebene Aussehen der Tiere spreche eher für einen Hund.
Die Schlussfolgerung des Landes: „Es ist also nicht sicher, dass es sich tatsächlich um Wölfe gehandelt hat, eine DNA-Probe konnte nicht entnommen werden.“ Die Möglichkeit, dass die Verletzung auf andere Art entstanden ist, sei vom Betroffenen selbst eingeräumt worden.

Viel Lärm also um nichts? Wolfsberater Peter Burkhardt bleibt skeptisch. Er kenne die Jungwölfe, habe einen von ihnen zuletzt am 9. Januar gesehen. „Und das, was mir der Betroffene über die Tiere berichtet hat, passt zu ihnen.“ Auch den Jogger halte er für vertrauenswürdig, „dabei handelt es sich um einen Wolfsfreund, der sicherlich nicht daran interessiert ist, den Tieren irgendetwas Schlechtes zu wollen.“ Einen wissenschaftlichen Beweis für die Wolfsbegegnung könne auch er nicht liefern. „Ich halte die Schilderungen des Betroffenen allerdings für glaubwürdig.“
Klarstellen will Burkhardt allerdings nochmal, dass er kein Wolfsfeind sei. Im Gegenteil: „Ich freue mich, dass diese Tiere zurück sind und unsere Natur bereichern.“ Dennoch müsse man bei den einigen wenigen Wölfen, die in Niedersachsen immer wieder auffällig werden, handeln. „Ich rufe nicht dazu auf, in den Wald zu gehen und Wölfe abzuschießen“, sagt er. Die Entnahme, sprich die gezielte Tötung, könne nach einer sorgfältigen Prüfung nur der allerletzte Ausweg sein.

„Ich habe da dieselbe Meinung wie der grüne Umweltminister Schleswig-Holsteins, Robert Habeck“, sagt Wolfsberater Peter Burkhardt und zitiert aus einer Rede von Robert Habeck aus dem Mai 2015: „Wölfe, die durch problematisches Verhalten die Akzeptanz für die Wolfspopulation gefährden, sollten im Einzelfall ‚entnommen‘ werden dürfen, unter Beachtung der strengen Ausnahmeregelungen des Bundesnaturschutzgesetzes.“

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2 Kommentare

  1. Das NLWKN erfindet Gründe, um den Wolf aus der Schusslinie zu nehmen. Das ist idiologisch verbohrtes Vorgehen auf Kosten einer objektiven Betrachtung der gesamten Thematik. Letztendlich wird ein solches Verhalten der Verantwortlichen des NLWKN dem Wolf umso mehr schaden.