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Der Lüneburger Karl-Heinz Galas findet die Idee mit der Routen-Karte gut. Der 83-Jährige ist fast täglich mit seinem Rollator in der Innenstadt unterwegs. Foto: t&w
Der Lüneburger Karl-Heinz Galas findet die Idee mit der Routen-Karte gut. Der 83-Jährige ist fast täglich mit seinem Rollator in der Innenstadt unterwegs. Foto: t&w

Barrierefrei durch die Stadt

us Lüneburg. Der Weg zum Arzt, das Treffen mit Freunden und Bekannten, der Einkaufsbummel in der Innenstadt nicht selten kommen Menschen im Rollstuhl oder Senioren mit Rollator dabei in Situationen, die sie ihr Ziel nicht erreichen lassen. In der Regel sind es Treppen oder einzelne Stufen, fehlende Rampen, Unebenheiten auf Straßen und Fußgängerwegen, manchmal aber auch nur zu schmale Wegeführungen, die zu unüberwindbaren Barrieren werden. Hilfestellung kommt nun von Studenten der Lüneburger Universität. Im Rahmen des Zukunftsstadtprojekts „Lüneburg 2030+“ arbeiten sie an der „Vision einer barrierefreien Lüneburger Innenstadt“. Erste Ideen dazu stellten sie jetzt auf der Delegiertenversammlung des Seniorenbeirats der Stadt vor.

„Es geht uns bei dem Projekt nicht um Traumphantasien, sondern um Machbarkeit“, ordnete Keno Canzler vor den knapp 30 Delegierten im Sitzungssaal des Hospitals zum Großen Heiligen Geist das Konzept ein. Er gehört zu einer Gruppe von sechs Leuphana-Studenten, die sich zum Ziel gesetzt haben, Wege zur barrierefreien Mobilität in der Stadt zu finden im übertragenen wie konkreten Sinn: Vier Routen hat die Gruppe ausgearbeitet, aufgegliedert und farblich unterschieden in die Bereiche Gesundheit, Einkaufen, Kultur und Tourismus.

„Die Routen erheben nicht den Anspruch, die besten Angebote abzubilden, sondern bezüglich des Routen-Themas eine möglichst sichere, komfortable und stimmige Bedürfniserfüllung zu ermöglichen“, heißt es etwas gestelzt in dem Entwurf für den von den Studenten entwickelten Folder, der die Strecken auf dem Stadtplan der Lüneburger Innenstadt abbildet.

So geht es auf der grünen Kultur-Route vom Lüneburger Museum über den Platz Am Sande durch die Bäckerstraße zum Rathaus, von dort mit Abzweigungen bis zum Theater. Die orangefarbene Einkaufs-Route konzentriert sich auf die beiden Einkaufsmeilen Bäckerstraße und Grapengießerstraße. Und während die rote Tourismus-Route als längste Strecke die Innenstadt-Hauptachsen sowie Nebenstraßen aufnimmt, führt die blaue Gesundheits-Route lediglich durch die Bäckerstraße und über den Sand bis hinter die Johanniskirche.

Für die Ausarbeitung hatten sich die Studenten mit Rollstuhlfahrern getroffen, waren mit ihnen durch die Innenstadt gefahren und hatten Hindernisse und Hilfen herausgearbeitet. Unterstützung erhielten sie beim Verein Hilfe zur Selbsthilfe, beim Mehrgenerationenhaus und dem Seniorenbeirat sowie beim Lüneburger Citymanagement (LCM). Orientierung fanden sie zudem beim Internetportal wheelmap.org, einer Onlinekarte zum Suchen, Auffinden und Markieren rollstuhlgerechter Orte. Doch während diese lediglich barrierefreie Orte in den Blick nimmt, wollen die Studenten den Schwerpunkt auf hindernisfreie Strecken legen. „Letztlich würden sich also beide Karten ergänzen“, sagt Keno Canzler.

Dass bei den Routen-Empfehlungen aber auch die in jüngster Zeit wegen ihrer Unpassierbarkeit immer wieder in die Kritik geratene Heiligengeiststraße mit aufgeführt ist, verwunderte die Senioren dann doch. „Wir haben die Strecke mit aufgenommen, weil dort das Brauereimuseum ist, außerdem hatten wir eine Begleitperson dabei“, erläuterte Studentin Anika Kösel-Hein, räumte aber ein, dass der Weg nicht optimal sei.

Die Senioren griffen das Thema dennoch dankbar auf und trugen dem als Gast anwesenden Oberbürgermeister Ulrich Mädge noch einmal ihre Bitten für eine barrierefreie Heiligengeiststraße vor. Zwar räumte Mädge ein, dass die Bewegungsfreiheit in den Sommermonaten eingeschränkt sei, erklärte aber auch, dass die Stadt in absehbarer Zeit kein Geld für bauliche Veränderungen der Straße habe.

Idee und Konzept der Stadtkarte kam bei den Senioren dennoch gut an, die auch Verbesserungsvorschläge einbrachten, etwa die Ausweitung der Gesundheits-Route zu den Ärztehäusern außerhalb der Innenstadt oder die Aufnahme von Symbol-Bildern zur besseren Orientierung.

Eine überarbeitete Fassung ihrer barrierefreien Innenstadtkarte werden die Studenten im Rahmen der Leuphana-Konferenzwoche Ende Februar vorstellen. Dort werden dann auch die weiteren 24 Themenfelder vorgestellt, mit der sich Lüneburg als eine von bundesweit 51 Städten im Rahmen des Wettbewerbs „Zukunftsstadt“ um den Einzug in die zweite Runde bewirbt.