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Zeugen konnten im Fall der Winsener Familienfehde kein klares Tatbild präsentieren. Jetzt hat die Strafkammer das Verfahren eingestellt.  Foto: be
Zeugen konnten im Fall der Winsener Familienfehde kein klares Tatbild präsentieren. Jetzt hat die Strafkammer das Verfahren eingestellt. Foto: be

Familienfehde in Winsen: Verfahren eingestellt

rast Lüneburg. Äußerst brutal sollen die vier Mitglieder einer türkischstämmigen Familie auf ein 36 Jahre altes Mitglied einer verfeindeten Familie vor einem Einkaufszentrum am Luhe-Park am 1. Oktober 2012 losgegangen sein, sie sollen das angeblich wehrlose Opfer geschlagen und getreten haben. Das warf die Staatsanwaltschaft den 25, 27, 28 und 40 Jahre alten Angeklagten – zwei Winsenern, einem Lüneburger und einem Adendorfer – vor, sie ging vom harten Vorwurf des versuchten Totschlags aus. Doch unterm Strich blieb nichts, die 4. Große Strafkammer am Landgericht Lüneburg hat das Verfahren jetzt eingestellt.

„Die Kammer konnte sich kein Bild vom tatsächlichen Geschehen machen“, erklärt ein Gerichtssprecher. Denn zu widersprüchlich seien die Aussagen der Zeugen gewesen. Vor allem die eines Polizeibeamten und die des Opfers deckten sich nicht. Während drei der Angeklagten sich im Vorfeld wie auch im Prozess selbst nicht zu den Vorwürfen äußerten, machte der 40-jährige Adendorfer Angaben. Er hatte gestanden, den 36-Jährigen bei dem Aufeinandertreffen von mehreren Mitgliedern beider türkischstämmiger Familien, mit der Faust zu Boden geschlagen, sich dann auf ihn gehockt und weitere Schläge verpasst zu haben. Auch hier gab es kein klares Bild, da der Polizist und das Opfer aussagten, der 36-Jährige habe bereits zu seinem eigenen Schutz gefesselt am Boden gelegen, als die Attacke startete. Licht ins Dunkel konnte auch nicht eine Beamtin bringen, die an dem Polizeieinsatz beteiligt war, sich an Details aber nicht mehr erinnern konnte. Und auch ein unbeteiligter Zeuge aus einem der Märkte konnte kein klares Bild des Hergangs vermitteln. So blieb den Richtern nichts anderes übrig, als das Verfahren einzustellen.

Zwischen den beiden Familien, die bereits im Jahr 2003 aneinandergeraten waren, soll seit dem Geschehen von 2012 Frieden herrschen (LZ berichtete).