Aktuell
Home | Lokales | Europäische Route der Backsteingotik wächst um zwei weitere Mitglieder
Das Neustädter Tor in Tangermünde lohnt einen Besuch. Die Stadt in der Altmark ist jetzt neu dem Netzwerk beigetreten. Foto: nh
Das Neustädter Tor in Tangermünde lohnt einen Besuch. Die Stadt in der Altmark ist jetzt neu dem Netzwerk beigetreten. Foto: nh

Europäische Route der Backsteingotik wächst um zwei weitere Mitglieder

lz Lüneburg. Die „Europäische Route der Backsteingotik“ hat Zuwachs bekommen. Tangermünde in der Altmark und Jüterbog im Fläming sind als Mitglieder jetzt dabei. Zum internationalen Städtenetzwerk gehört auch Lüneburg.

Der Verein „Europäische Route der Backsteingotik“ kümmert sich um die Bekanntheit und Erhaltung des Kulturerbes Backsteingotik. Er hat derzeit 38 Mitgliedsstädte und -regionen aus Dänemark, Deutschland und Polen und hat sich 2007 aus einem EU-Projekt heraus gegründet. Er betreibt eine gemeinsame Öffentlichkeits- und Pressearbeit für alle Städte der Route, vertritt die Route auf touristischen und denkmalpflegerischen Messen und Veranstaltungen. Daneben bringt der Verein schon in fünfter Auflage einen Reiseführer in deutscher und polnischer Sprache heraus und entwickelt weitere Angebote für kulturinteressierte Touristen, wie zum Beispiel Fahrradkarte mit Touren entlang der Backsteingotik.

Tangermünde ist neben Stendal die zweite Altmarkstadt im Verbund. Beide Städte zeigen deutlich, dass in diesem Teil Sachen-Anhalts einige der schönsten backsteingotischen Bauwerke zu finden sind. Besonders die altmärkischen Stadttore und -türme zeigen eine beeindruckende Vielfalt an Zierelementen. In Tangermünde ist dies am Eulenturm der einstigen Doppeltoranlage des Hünerdorfer Tors oder auch am Neustädter Tor zu sehen. Daneben weist das Städtchen eine fast lückenlose Wehranlage rund um die Altstadt auf — ein besonderer Schatz, komplett erhaltene Wehranlagen aus der Backsteingotik sind heute nur noch selten zu finden. Doch Tangermündes ganzer Stolz ist das Rathaus. Vermutlich wurde es um 1430 von einem der wenigen bekannten Baumeister der Zeit erbaut, vom Stettiner Hinrich Brunsberg. Die fein ziselierte gotische Fassade des Bauwerkes ist typisch für den Baumeister. Der Wechsel von rotem Backstein mit weiß getünchten Wandflächen und dunkel oxidierten Sandsteinverzierungen zeigt Brunsbergs außergewöhnliches Talent.

Das Neumitglied Jüterbog liegt unweit Berlins im Fläming und ist der südlichste Reisepunkt des Städtenetzwerks. Durch seine Stadtgeschichte ist Jüterbog besonders eng mit der Reformation verbunden. Noch heute kann in der 1488 geweihten Nikolaikirche der Tetzel-Kasten besichtigt werden, in dem die Erlöse aus dem Ablasshandel aufbewahrt wurden. Eben jener Ablasshandel des Mönchs Tetzel aus Jüterbog war es, der Luther öffentlich aufbegehren ließ. Neben der Nikolaikirche stammen auch das mächtige Rathaus und das einstige Franziskanerkloster, das Mönchenkloster, aus der Zeit der Backsteingotik. Gemeinsam mit Jüterbog trat das nah gelegene ehemalige Zisterzienserkloster Zinna in die Europäische Route der Backsteingotik ein. Hier kann man anhand der beiden direkt hintereinander stehenden Abts- und Siechenhäuser sehen, wie sich der Baustil der Backsteingotik im Laufe von 100 Jahren verfeinerte. Denn das Siechenhaus entstand in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts, in der Früh- bis Hochgotik, und das Abtshaus im 15. Jahrhundert, in der Spätgotik.

Weitere Informationen zur Europäischen Route der Backsteingotik und ihren Mitgliedern gibt es unter www.eurob.org im Internet.