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LZ-Redakteurin Anna Sprockhoff liebt Land und Leute, heute wird sie auf der Grünen Woche in Berlin für eine Reportage über einen Milch-bauern ausgezeichnet. Foto: t&w
LZ-Redakteurin Anna Sprockhoff liebt Land und Leute, heute wird sie auf der Grünen Woche in Berlin für eine Reportage über einen Milch-bauern ausgezeichnet. Foto: t&w

LZ-Redakteurin Anna Sprockhoff erneut ausgezeichnet

jj Lüneburg. Anna Sprockhoff schnuppert gerne Landluft. Von Recherchen kehrt sie mit leuchtenden Augen zurück und erfüllt in abgewandelter Form ein Glaubensbekenntnis des legendären rasenden Reporters Egon Erwin Kisch: Nichts Sensationelleres gibt es in der Welt als einen Bauerhof. Da findet sie ihre besten Reportagen. Eine davon wurde jetzt vom Bundesverband der Deutschen Milchviehhalter in Berlin ausgezeichnet. „Faire Milch“ heißt der Journalistenpreis, der vierte in ihrer Karriere bei der LZ.

In der prämierten Story „Und tschüss“, erschienen am 15. Juli in der Landeszeitung, erzählt die Redakteurin das letzte Kapitel einer Milchbauern-Dynastie: Florian Zeyn aus Wittorf zog die Reißleine, schaffte seine Kühe genau in dem Augenblick ab, als die EU-Barrieren für die Milchproduktion fielen. Die Erträge ernährten schon lange die Familie nicht mehr.

Zur Preisverleihung fuhr Anna Sprockhoff zur Grünen Woche in Berlin, der größten Schau der Landwirtschaft im Jahr. Dort wurde sie in Halle 15.2 auf dem Messegelände für ihre Arbeit geehrt. Für Sprockhoff ist das schon Routine. Zweimal zeichnete sie die Landwirtschaftskammer Niedersachsen aus, für ihre Serie „Das Jahr mit Bauer Blecken“ und „Die Landwirtschaft im Klimawandel“. Den „Goldenen Steigbügel“ bekam die passionierte Reiterin für den kritischen Bericht zu Brandzeichen.

Die Milchviehhalter suchten unter anderem Reportagen, die gesellschaftspolitische Herausforderungen sowie wirtschaftliche und soziale Aspekte und die Zukunft der Branche beleuchten. Da passte die Geschichte von Milchbauer Zeyn.

Wie sie ihre Liebe für Land und Leute entdeckt hat und warum sie heute eine Position als Vertrauensperson unter Bauern genießt, das erzählt Anna Sprockhoff so: „Meine ersten Geschichten aus der Landwirtschaft drehten sich um Milchbauern. Das war am Anfang eine echte Herausforderung, längst nicht jeder Landwirt hatte Lust, mir meine Fragen zu beantworten, und ich hatte von Milchquote, Liefergemeinschaften und automatischen Melksystemen keine Ahnung. Auch über den Unterschied zwischen Kuh und Rind hatte ich mir noch nie so wirklich Gedanken gemacht. Doch das Thema ließ mich nicht mehr los, also blieb ich dran und begleite seitdem die Entwicklung auf den Höfen und in den Ställen in der Region. Ich habe viele ernste Momente miterlebt, Bauern, die bei den niedrigen Milchpreisen verzweifeln, nicht mehr ein noch aus wissen, manchmal sogar den Hof endgültig aufgeben müssen. Dass ich all das aufschreiben konnte, habe ich aber auch den Bauern zu verdanken, die mich irgendwann nicht nur in ihre Häuser, Höfe und Bilanzen, sondern manchmal auch hinter die Gefühlskulissen schauen ließen. Umso glücklicher bin ich also, dass ich jetzt ausgerechnet einen Preis der Milchbauern bekomme.“

Spannend an den Themen findet sie, dass sie einen Einblick geben, wie, von wem, unter welchen Bedingungen und auf wessen Kosten unsere Nahrungsmittel eigentlich produziert werden. „Wenn ich die Geschichte vom Bauern aus Wittorf erzähle, der aufgibt, weil er in dem System keine Zukunft mehr sieht, dann ist das eine Lokalgeschichte vom Dorf. Aber sie sagt auch viel aus über unsere Gesellschaft, über bundesweite und mitunter internationale Entwicklungen.“ Und noch einen Grund für Landgeschichten kennt sie: „Mit Bauern über die Wiese oder durch den Stall zu gehen und mit ihnen über Saat, Ernte, Geburt und Tod zu sprechen, erdet.“