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Hier ist der 19-jährige Sönke Reers mit zwei Elvis-Buskern, Straßenmusikanten, zu sehen, die mit ihrer Haartolle an den King of Rock'n'Roll erinnern. Foto: nh
Hier ist der 19-jährige Sönke Reers mit zwei Elvis-Buskern, Straßenmusikanten, zu sehen, die mit ihrer Haartolle an den King of Rock'n'Roll erinnern. Foto: nh

Lüneburger Abiturient war beim Elvis-Festival im Südosten Australiens dabei

ap Sydney/Lüneburg. Sönke Reers kommt eigentlich aus Lüneburg. Derzeit hält er sich aber am anderen Ende der Welt auf. Täglich kümmert er sich bei trockener Hitze um 4000 Schafe auf einer Farm in Parkes, einer kleinen Stadt im Südosten Australiens. Dort ist gerade Hochsommer, eine beschauliche Kulisse — eigentlich. Am vergangenen Wochenende allerdings wurde Reers Zeuge eines Spektakels der etwas anderen Art: Elvis, der King of RocknRoll, war in tausendfacher Ausführung auf den Straßen unterwegs.

„Aus jedem Lautsprecher tönte Elvis, an jeder Ecke sangen Elvis-Busker, also Straßenmusikanten, und im Cooke Park war rund um die Uhr musikalisches Elvis-Programm. Alles drehte sich um den King“, erzählt der 19-Jährige, der Deutschland im September für ein sogenanntes Work-and-Travel-Jahr verlassen hatte. „Die Besucher und besonders die vielen Busker leben für Elvis. Einige denken wirklich, sie seien er.“

Die kleine Stadt mit ihren rund 11000 Einwohnern, die aktuelles Zuhause für den Lüneburger ist, ist nicht nur durch das Elvis-Fest bekannt, das jedes Jahr rund um dessen Geburtstag am 8. Januar gefeiert wird, sondern auch durch den Film „The Dish“ aus dem Jahr 2000. Darin wurde ein weltweites Netz an Radioteleskopen von der NASA eingesetzt, um für Millionen von Menschen Neil Armstrongs erste Schritte auf dem Mond live zu übertragen. Eines dieser Teleskope gehört zum Parkes-Observatorium und steht mitten auf einer Schafskoppel.

Noch immer locke dieses Objekt viele Touristen an, erzählt Sönke Reers. Das erreicht aber nicht die Dimensionen des Geburtstags von Elvis, der nunmehr 81 Jahre alt geworden wäre: Er lockte diesmal 25000 Fans an. Das fünftägige Festival stand in diesem Jahr unter dem Motto „Mexiko“. Reers erklärt: „Das Festival ähnelt Stadtfesten in Deutschland, nur dass die Menschen ausgelassener feiern — und das bei 36 Grad im Schatten. Jeder ist hier für einen Smalltalk zu haben.“ Höhepunkt des Festes sei das Konzert des berühmten amerikanischen Elvis-Doppelgängers Donny Edwards am Sonntagabend gewesen.

Ein gutes Verhältnis pflegt Sönke Reers mit Ken Keith, dem Bürgermeister von Parkes. Es ist dessen Schaffarm, auf der er arbeiten darf. Zuvor half der 19-Jährige im Garten- und Landschaftsbau in Cairns aus, nachdem er mit Freunden aus Lüneburg die Ostküste bereist hatte. Über Arbeitskontakte kam er dann im Dezember auf die Farm im südöstlichen Parkes, wo er seitdem auch wohnt. Um ein zweites Visum für weitere zwölf Monate in Australien zu bekommen, muss Reers nachweislich mindestens drei Monate oder 88 Tage in Vollzeit im ländlichen Raum arbeiten. Und er möchte noch bleiben.

„Am besten gefällt mir an dieser Zeit, nicht ständig von deutschen Backpackern umgeben zu sein, wie die meisten, sondern einmal richtig das australische Leben countryside kennenzulernen und mit der Sprache komplett auf sich gestellt zu sein“, erzählt der junge Mann, der ursprünglich aus Handorf stammt und 2015 sein Abitur am Wirtschaftsgymnasium der Berufsbildenen Schulen (BBS) in Lüneburg absolvierte. Das einzige, was er aus der Heimat wirklich vermisse, sei der Sport. Denn Fußball werde in der Region nur sehr selten gespielt, dafür „messen sich die Nachbarvereine in Cricket oder Rugby“.

Pläne für die Zukunft hat Sören Reers schon geschmiedet, er möchte nach seinen drei Monaten auf der Farm in die größte Stadt Australiens: Sydney. Denn das sei mit rund 365 Kilometern und etwa fünfeinhalb Autostunden Entfernung kein tägliches Ausflugsziel. „Danach möchte ich immer entlang an der Küste bis nach Perth“, träumt Reers schon jetzt.